23.10.2005 · Holz - das Heizmittel der Steinzeit - ist wieder modern. Weil Öl und Gas immer teurer werden, lohnt sich der Rückgriff auf den Klassiker. Der Markt für technische anspruchsvolle Holzheizungen wächst rapide.
Angesichts steigender Heizölpreise kommt das Heizen mit Holz wieder in Mode. Eine in der Größe unbekannte, nach Ansicht von Branchenkennern aber insgesamt eher unbedeutende Schar von Kaminofen-Besitzern versorgt sich dazu direkt aus den heimischen Wäldern. Wer mehr den Bedienungskomfort einer modernen Öl- oder Gasheizung schätzt, greift statt dessen lieber zu dem rasch wachsenden Angebot an Pelletanlagen. Die darin verfeuerten Preßlinge aus Abfallholz sind genormt, so daß sie dem Brenner automatisch zugeführt werden können. Sie werden wie Heizöl in Tankwagen angeliefert und eignen sich besonders für Zentralheizungen in Eigenheimen.
Der noch kleine Markt verzeichnet hohe Zuwächse. Vor fünf Jahren waren derartige Heizungen in Deutschland noch nahezu unbekannt. Nur im Grenzgebiet zu Österreich, das in der Entwicklung ein paar Jahre voraus ist, gab es einige wenige Anlagen. Seitdem ist aus einer Szene ein Nischenprodukt geworden. Die Zahl der Neuinstallationen verdoppelt sich alljährlich, so daß bis Ende 2005 knapp 40.000 Anlagen in Betrieb sein werden. Allerdings ist der Marktanteil in Neubauten mit rund 2 Prozent noch gering.
Starkes Marktwachstum erwartet
Das soll sich bald ändern. Bis 2015 wird der Marktanteil nach Prognosen des Deutschen Energie-Pellet-Verbands rund 8 Prozent erreicht haben. Die Jahresumsätze der Branche - derzeit noch bei 300 Millionen Euro - sollen dann 1,3 Milliarden Euro erreichen. Sie seien selbst von der Entwicklung überrascht, sagte Joachim Fischer, der Geschäftsführer des Verbands, dieser Zeitung. Auch bei größeren Anlagen, etwa zum Beheizen von Schwimmbädern oder Wohnheimen, gebe es eine stürmische Entwicklung.
Daß die kleinen Holzpreßlinge - mit 6 Millimeter Durchmesser und etwa 20 Millimeter Länge sehen sie aus wie Viehfutter - auf einmal so beliebt sind, hat einen einfachen Grund: Sie sind deutlich billiger als Heizöl. Bei gleichem Heizwert (zwei Kilogramm ersetzen einen Liter Öl) kosten sie nur etwa die Hälfte des aktuellen Ölpreises.
Andererseits sind die Anlagen wegen kleiner Stückzahlen noch deutlich teurer als Öl- oder Gaskessel. Weil der Rohstoff Holz beim Verbrennen nur das Kohlendioxyd freisetzt, das er vorher gespeichert hat, fördern Bund und Länder die Installation. Das macht den Aufpreis für viele erträglich. „Bei einem Einfamilienhaus hat sich die Investition nach vier Jahren amortisiert“, sagt Fischer. Wenn der Heizölpreis nur noch ein wenig auf 65 bis 70 Cent je Liter steige, seien die Pelletheizungen auch ohne Förderung konkurrenzfähig.
Holzpellets bleiben günstig
Sorgen, daß der Energieträger Holzpellet bei steigendem Bedarf teurer werde, sind nach Ansicht des Fachverbands unbegründet. Wachsende Kapazitäten und der zunehmende Wettbewerb haben sogar zu sinkenden Preisen geführt. Die Pellets werden überwiegend aus Abfällen der Sägewerke hergestellt, die sonst entsorgt oder deponiert werden müssen. Deren Menge, etwa 1,5 Millionen Tonnen jährlich, reicht aus, um etwa 300.000 Heizungen zu bedienen.
Da aus der Masse an Sägespänen bisher Spanplatten oder Papier gemacht werde und beide nicht auf diesen Ausgangsstoff angewiesen seien, könne die Pelletproduktion leicht gesteigert werden, meinen die Hersteller. Schließlich kann auch Restholz aus der Forstwirtschaft verwendet werden, das sonst im Wald vermodert. Dadurch erhöhe sich der Lieferpreis je Tonne dann von derzeit etwa 170 Euro um 20 Euro, sagte Fischer.
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| FAZ-INDEX | 1.394,15 | +1,26% |
| Dow Jones | 12.580,70 | +1,01% |
| EUR/USD | 1,2465 | −0,19% |
| Rohöl Brent Crude | 106,30 $ | −0,51% |
| Gold | 1.579,50 $ | +0,31% |
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