27.09.2006 · Der spanische Mischkonzern Acciona könnte seinen Anteil an Endesa auf 15 Prozent erhöhen: Nach eigenen Angaben hat Acciona sich Optionen zum Kauf weiterer 1,32 Prozent des spanischen Versorgers gesichert.
Der spanische Mischkonzern Acciona hat sich eigenen Angaben zufolge Optionen zum Kauf weiterer
1,32 Prozent des spanischen Versorgers Endesa gesichert. Damit könnte Acciona seinen Anteil an dem Konzern, den der deutsche Energiekonzern Eon übernehmen will, auf 15 Prozent steigern. Allerdings müßte die spanische Energie-Aufsicht einer Ausübung der Optionen zustimmen.
Nach den negativen Reaktionen der Börse hatte Eon-Chef Wulf Bernotat am Mittwoch das kräftig erhöhte Bar-Angebot von 35 Euro je Endesa-Aktie verteidigt. „Es war uns wichtig, ein klares Signal zu setzen und weitere Spekulationen zu vermeiden“, sagte er am Nachmittag in einer Analystenkonferenz. Zudem habe man ein eindeutiges Bekenntnis zum Geschäftsmodell und den Wachstumsperspektiven von Endesa geben wollen.
Das Zusammengehen der beiden Energiekonzerne biete nach wie vor große strategische und industrielle Vorteile. Die Offerte sei für die Endesa-Aktionäre „äußerst attraktiv“. Er versicherte, auch das kräftig erhöhte Gebot für die Eon-Aktionäre sei noch wertschaffend. Die Ergebnisse von Endesa in den ersten drei Quartalen zeugten von der hohen Ertragskraft.
Vorstoß von Acciona gekontert
Der Eon-Vorstand hatte am späten Dienstagabend das bisherige Gebot für Spaniens führenden Energieversorger von 25,40 Euro um annähernd 40 Prozent auf 35 Euro je Aktie aufgestockt und damit den überraschenden Vorstoß des spanischen Baukonzerns und Energiedienstleisters Acciona gekontert. Dieser hatte mitgeteilt, bereits 10 Prozent des Endesa-Kapitals zu einem Preis von 32 Euro je Aktie erworben zu haben und zugleich Interesse an einer Aufstockung auf bis zu 24,9 Prozent bekundet.
Die nachgebesserte Eon-Offerte entspreche bei kompletter Übernahme einem Kaufpreis von rund 37 Milliarden Euro, womit Endesa um 10 Milliarden Euro höher bewertet würde als bei dem vom Februar stammenden ursprünglichen Übernahmeangebot der Düsseldorfer. Auch den erhöhten Preis will der finanzkräftige Eon-Konzern bar zahlen.
Unveränderte Übernahmebedingungen
An den Bedingungen für das Angebot hält Eon unverändert fest. So will der Konzern mindestens 50,01 Prozent des Grundkapitals erwerben. Zudem fordern die Düsseldorfer eine Satzungsänderung beim spanischen Übernahmekandidaten mit dem Ziel, die bisher geltende Stimmrechtsbegrenzung von 10 Prozent des Kapitals aufzuheben. Das modifizierte Angebot erfülle weiterhin die strengen Investitionskriterien des Unternehmens, bekräftigte Bernotat. Danach müssen Akquisitionen im ersten vollen Jahr nach der Übernahme positiv zum Konzernergebnis beitragen. Innerhalb von drei Jahren muß das Übernahmeobjekt zudem Renditen erzielen, die über den Kapitalkosten liegen.
Nach den Worten Bernotats liegt auch der neue Preis noch in dem Rahmen, der bei Marktschätzungen bis zum Jahr 2015 von Anfang an kalkuliert worden war. Wie Finanzvorstand Erhard Schipporeit anmerkte, sei die Beibehaltung eines A-Ratings in der Bonitätseinstufung nicht gefährdet. Sollte Eon bei Endesa zum Zuge kommen, würde die Finanzierung unter anderem aus der Liquidität sowie der Aufnahmen von Schulden erfolgen. Eon habe zudem die Optionen, Umschichtungen im Portfolio oder eine Kapitalerhöhung um bis zu 10 Prozent vorzunehmen.
Gespräche mit Acciona möglich
Eon werde versuchen, die Zustimmung des Endesa-Vorstandes zum neuen Gebot zu erhalten, sagte Bernotat weiter. Eine Zustimmung sei hilfreich. Erwogen werden nach seinen Worten auch Gespräche mit Acciona. Das spanische Unternehmen habe indirekt den Wunsch dazu geäußert. Eon hatte am Dienstag für das Übernahmevorhaben Rückhalt von der Europäischen Kommission erhalten. So hat die Behörde die Entscheidung der spanischen Strom- und Gasregulierungsbehörde (CNE), die Übernahme an hohe Auflagen zu knüpfen, für illegal erklärt. Bernotat erwartet, daß der Industrieminister bis spätestens Ende Oktober eine Antwort auf die von Eon eingelegte Beschwerde gegen die Auflagen geben wird.
Die aufgestockte Offerte war am Mittwoch an der Börse zunächst mit großer Skepsis aufgenommen worden. Marktbeobachter fürchten einen sehr teuren Bieterkampf. Die Eon-Aktien verloren gegen den positiven Markttrend zum Börsenstart annähernd 2 Prozent auf knapp unter 92,30 Euro, konnten später allerdings leicht aufholen. Nach Ansicht der Landesbank Rheinland Pfalz hat der Düsseldorfer Energiekonzern mit seiner Aufstockung möglicherweise zu hastig reagiert. Das Bankhaus Oppenheim sprach von einer kritischen Grenze, die mit dem Preis von 35 Euro erreicht worden sei.
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