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Endesa-Übernahme Eon zeigt Entschlossenheit

10.03.2006 ·  Mit der Übernahme des Energieversorgers Endesa will Eon ein neues Kapitel schreiben, doch noch zieren sich die Spanier. Eon-Chef Bernotat hat seine Begehrlichkeiten jedoch noch nicht aufgegeben und hofft auf die EU.

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Wulf Bernotat ist davon überzeugt, trotz der Widerstände der spanischen Regierung beim Stromversorger Endesa zum Zuge zu kommen. „Wir sind jedenfalls fest entschlossen, diese Übernahme zu realisieren und damit ein neues Kapitel in der Eon-Story zu schreiben“, gab sich der Chef des Düsseldorfer Energiekonzerns Eon in der Bilanzpressekonferenz kämpferisch. Nach den ersten Gesprächen mit Investoren erwartet er eine breite Zustimmung für die Barofferte von 27,50 Euro je Endesa-Aktie oder rund 29 Milliarden Euro für das komplette Unternehmen.

„Es ist unrealistisch, von einer Zustimmung von 100 Prozent auszugehen. Meine ganz persönliche Vermutung geht in Richtung 60 bis 70 Prozent.“ Er verwies darauf, daß weite Kreise institutioneller Investoren sowohl an Eon als auch an Endesa beteiligt sind. Für den spanischen Marktführer bietet auch der Mitbewerber Gas Natural, und zwar mit Unterstützung von Regierungschef Jose Rodriguez Zapatero. Das 22,5 Milliarden Euro ausmachende Übernahmenangebot wird vom Endesa-Management freilich als feindlich eingestuft und daher abgelehnt.

„Zeit spielt keine große Rolle“

Den Optimismus und die Entschlossenheit, das Projekt am Ende zum Erfolg zu führen, stützt Bernotat nicht zuletzt auf die Unterstützung durch die EU-Kommission, die den zunehmenden nationalen Protektionismus in der Energiepolitik mit großem Argwohn verfolgt. Sie prüft bereits, ob die von der spanischen Regierung ergriffenen Maßnahmen gegen die Übernahme eines heimischen Energiekonzerns durch einen ausländischen Wettbewerber mit den Regeln des europäischen Binnenmarktes konform gehen.

Dazu hat sie einen detaillierten Fragenkatalog verschickt, den die spanische Regierung schon bis Ende kommender Woche beantworten muß. Der Eon-Chef stellte nochmals klar, daß Eon bei dieser größten Übernahme der Unternehmensgeschichte einen langen Atem haben wird. „Zeit spielt für uns keine besonders große Rolle.“ Wichtig sei, daß die Aktionäre über die Vorteile einer marktwirtschaftlichen Transaktion entscheiden und politische Erwägungen hintanstehen werden.

Bestmarke beim Ergebnis erzielt

Die Übernahme soll sowohl mit eigenen Mitteln als auch über die Aufnahme von Fremdkapital finanziert werden. Zu diesem Zweck hat sich Eon jetzt von einem internationalen Bankenkonsortium aus HSBC, JP Morgan, Citigroup und Deutsche Bank einen Kreditrahmen von 32 Milliarden Euro gesichert. „Wir wollen uns eine höchst mögliche Flexibilität bewahren und die Finanzierung nicht auf Kante nähen“, erläuterte Finanzvorstand Erhard Schipporeit den angesichts gut gefüllter Kassen und einer Nettofinanzposition von fast 4 Milliarden Euro recht üppigen Rahmen. Verkäufe von Beteiligungen wie der 6,5-Prozent-Anteil an der Gasprom sind nicht geplant. Die Gespräche mit dem russischen Gaskonzern über die sibirische Gasfeldbeteiligung hätten sich zwar wegen des zunächst ausgehandelten Baus der Ostseepipeline verzögert, würden aber weitergeführt.

Nach einem erfolgreichen Geschäftsjahr 2005, das Eon neue Bestmarken beim Ergebnis beschert hat, gab sich Schipporeit zuversichtlich, das bereinigte operative Ergebnis (Ebit) im laufenden Jahr nochmals leicht steigern zu können. „Wir glauben, unsere operative Flughöhe noch mal leicht erhöhen zu können.“ Den kräftigen Umsatzzuwachs von 21 Prozent auf 56,4 Milliarden Euro begründete der Finanz-Chef mit höheren Absatzmengen, höheren durchschnittlichen Preisen im Strom- und Gasgeschäft sowie Veränderungen im Konsolidierungskreis. Das Plus um 8 Prozent auf 7,3 Milliarden Euro beim bereinigten Ebit führt er vor allem auf gestiegene Großhandelsstrompreise und höhere Erzeugungsmengen aus Wasserkraft bei der skandinavischen Markteinheit Eon Nordic zurück.

Aktionäre bekommen höhere Dividende

Dank der hohen Buchgewinne von zusammen rund 3 Milliarden Euro aus dem Verkauf der nicht zum Kerngeschäft Energie gehörenden Unternehmen Viterra und Ruhrgas Industries zog der Konzernüberschuß um mehr als 70 Prozent auf einen Rekordwert von 7,4 Milliarden Euro an. Dieses hohe Niveau werde sich im Jahr 2006 nicht wiederholen lassen, räumte Schipporeit ein. Der Hauptversammlung am 4. Mai wird eine um 0,40 Euro auf 2,75 Euro erhöhte Dividende vorgeschlagen. Die Aktionäre erhalten zudem eine Sonderausschüttung von 4,25 Euro je Aktie, die dem Gegenwert der an die RAG AG verkauften Degussa-Beteiligung entspricht.

Quelle: B.K., F.A.Z., 10.03.2006, Nr. 59 / Seite 16
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