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EnBW-Kauf : Mappus war gesteuert

Stefan Mappus war 15 Monate Ministerpräsident von Baden-Württemberg. Jetzt hat er keinen Job Bild: dpa

Stefan Mappus regierte Baden-Württemberg wie ein Fürst. Und kaufte sich im Handstreich einen Atomkonzern. Nun ermittelt ein Untersuchungsausschuss. Und immer mehr peinliche Details kommen ans Licht.

          An einem schönen Maitag geht Stefan Mappus in die Luft. Der Himmel über dem Flugplatz Hahnweide ist wolkenlos an diesem Mittwoch vor sechs Wochen, bestes Flugwetter im Stuttgarter Luftraum. Doch Mappus’ Frau bekniet ihren Hobbypiloten, dieses Mal nicht mit der Cessna abzuheben. Zwei Tage zuvor ist auf der Hahnweide ein Millionär abgestürzt, ein Bekannter von Mappus. Er überlebte nicht. Mappus ist geschockt über den Tod des Kunstfliegers, der ihn oft mitnehmen wollte auf Looping-Tour. Mappus startet trotzdem. Jetzt erst recht.

          Hendrik Ankenbrand

          Wirtschaftskorrespondent für China mit Sitz in Schanghai.

          So ist der Mann. Mappus kämpfte schon immer, und er gewann auch immer. Mit 23 Gemeinderat, mit 30 im Landtag, mit 32 Staatssekretär, mit 44 Ministerpräsident in Baden-Württemberg. Dann war Schluss. Den milliardenschweren Kauf des Atomkonzerns ENBW am Parlament vorbei machten die Bürger nicht mehr mit: 2011, kurz nach Fukushima, wählten sie ihn aus dem Amtssitz Villa Reitzenstein. Danach wollte Mappus auswandern und Manager werden für einen deutschen Pharmakonzern in Brasilien. Auch das hat sich zerschlagen.

          Bis zuletzt war kaum jemand eingeweiht

          „Statt Caipi am Strand von Rio Untersuchungsausschuss in Stuttgart – lecko mio!“, dichtete Mappus im Januar vor der Freiburger Narrenzunft. Humor ist wenn man trotzdem lacht: Seit einem Jahr sitzt Mappus nun arbeitslos in Pforzheim. Wenn er den Söhnen nicht bei den Hausaufgaben hilft oder im weinroten BMW-Einser-Cabrio durchs Ländle rollt, dann steht er im permanenten Verteidigungskampf.

          Bei Investmentbanker Dirk Notheis liefen die Fäden für den ENBW-Deal zusammen
          Bei Investmentbanker Dirk Notheis liefen die Fäden für den ENBW-Deal zusammen : Bild: dapd

          Denn in diesen Wochen wird im Landtag am Schlossgarten der einzige große Deal seiner kurzen Amtszeit aufgerollt. Was lästige Pflicht sein sollte, gerät für Mappus zur Existenzfrage: Es geht jetzt nicht nur um seine Ehre, sondern auch um seine wirtschaftliche Zukunft. Auch strafrechtliche Ermittlungen sind nicht ausgeschlossen. Fiese Details fördert der Ausschuss zutage, der Vorwurf der Lüge steht im Raum und der Eindruck, im Südwesten Deutschlands gehe es zu wie in Timbuktu.

          Für 4,7 Milliarden Euro hatte das Land unter Mappus’ Führung dem französischen Energieversorger EdF ein Aktienpaket von ENBW abgekauft. Der Deal, verkündet mit einem Paukenschlag am kalten Nikolaustag des Jahres 2010, sollte sein Trumpf im Wahlkampf werden: Wer Mappus wählt, der sitzt im Warmen. Bis zuletzt war kaum jemand eingeweiht in den Coup, das Parlament nicht, der Finanzminister nicht, auch engste Vertraute im Staatsministerium nicht. Fast im Alleingang heckte Mappus den Milliardenkauf aus mit einem seiner engsten Freunde: Dirk Notheis, einem Frankfurter Investmentbanker. Das Spiel gelang. „Was für ein Nikolaustags-Geschenk!“, jubelte Notheis per Mail an sm@stm.bwl.de.

          Als ob er es geahnt hätte

          Die Adresse ist inzwischen stillgelegt, die Mails, die an sie gerichtet wurden, liegen auf den Tischen der Ermittler im Landtag. Der einstige Triumph schmeckt schal. Seit Fukushima sind zwei von vier Atommeilen der ENBW abgeschaltet, letztes Jahr hat der Konzern den Bürgern Baden-Württembergs fast 900 Millionen Euro Verlust beschert, fast eine Milliarde ist bereits abgeschrieben. Die grün-rote Regierung droht, das Geschäft rückgängig zu machen, weil viel zu teuer gekauft worden sei. Zwei Milliarden Euro sollen die Franzosen zurückzahlen, der angeblich überhöhte Preis sei eine „verbotene Beihilfe“ gewesen. Nun ist das Chaos perfekt, zuvor hatte schon Stuttgarts Staatsgerichtshof Mappus’ Geschäft als verfassungswidrig gebrandmarkt: Ohne Parlamentsbeteiligung darf das Land keine Milliarden versprechen.

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