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ENBW Großaktionäre vergällen Utz Claassen eine weitere Amtszeit

20.06.2007 ·  Gewohnt nebulös teilte ENBW-Chef Claassen mit, dass er für eine Verlängerung seines Vertrags nicht zur Verfügung steht. Ging er nun von sich aus oder musste er gehen? Einiges spricht dafür, dass die Großaktionäre bei seiner Entscheidung eine Rolle spielten.

Von Michael Roth
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Gewohnt nebulös und wortreich teilte ENBW-Vorstandsvorsitzender Utz Claassen mit, dass er für eine Verlängerung seines Vertrags nicht zur Verfügung steht. Claassen führt „strukturelle, professionelle, persönliche und familiäre Gründe“ an. Ging er nun von sich aus, musste er gehen oder ging er, bevor er nicht mehr bleiben durfte?

Bei ENBW betrachtet er nach eigenen Angaben seine Mission nach einem Kostensenkungsprogramm, Rekordergebnissen sowie der „durchgreifenden und nachhaltigen Professionalisierung der Strukturen und Abläufe als erfüllt“. Er wolle sich nach dem Ablauf seiner Amtszeit, das ist im Mai 2008, anderen Dingen zuwenden, ließ Claassen per Pressmitteilung verlauten. Allerdings war die Verlängerung seines Vertrages überfällig, was als Signal für fehlende Unterstützung im Aktionärskreis gedeutet werden kann. Ein Abschied auf eigene Initiative ist in solch einem Fall gesichtswahrender.

„Strukturelle Gründe“

Vor allem der Hinweis auf „strukturelle Gründe“ in Claassens Mitteilung mutet kryptisch an. So ist es wahrscheinlich, dass Claassen zwischen die Fronten der Großaktionäre geriet. Das Verhältnis zwischen den ENBW-Großaktionären, dem französischen Energiekonzern Eléctricité de France (EDF) und dem Zweckverband Oberschwäbische Elektrizitätswerke (OEW), ein Zusammenschluss von Landkreisen, gilt als zerrüttet. Beide halten jeweils 45 Prozent an der ENBW. Im Jahr 2011 endet der Konsortialvertrag zwischen OEW und EDF, der ein gemeinsames Vorgehen vorsieht. Spätestens danach streben die Franzosen ein Übergewicht an. Bisher war ihnen das, trotz einiger Versuche, nicht gelungen.

Aus Sicht der EDF hat Claassen zu wenig deren Interessen verfolgt. Das ließen sie ihn spüren. Als es im Personalausschuss des Aufsichtsrats um Claassens Tantieme für das Geschäftsjahr 2004 ging, enthielt sich EDF der Stimme. Als es später um die Budgetplanung für 2006 und die mittelfristige Finanzplanung ging, hatte die EDF einen höheren Ergebnisausweis gefordert. Claassen widerstand. Den Franzosen missfiel auch Claassens Hang zur mitunter eitlen Selbstdarstellung. Gut in Erinnerung ist noch die Posse um den angeblichen Aufstieg Claassens in den EDF-Vorstand. Das meldete die ENBW per Pressemitteilung. Hinterher kam heraus, dass Claassen nicht in das Führungsgremium, sondern nur in einen eher unbedeutenden Beirat einrücken werde.

Wenig Gefallen bei schwäbischen Landräten

Auch bei den schwäbischen Landräten der OEW fanden die Auftritte von Claassen nicht immer Gefallen. Doch am Ende zählen die Zahlen, war zuletzt aus dem OEW-Lager zu hören, und die waren unter Claassen gut. Die OEW hätte vermutlich mit Classen, trotz fehlender inniger Zuneigung, weitergemacht. Auch Baden-Württembergs Ministerpräsident Günter Oettinger, der bei der ENBW oft im Hintergrund wirkt, hätte nichts gegen eine Verlängerung gehabt. Die deutsche Seite habe die Franzosen nur listig vorgeschoben, ist allerdings auch zu hören.

Wer künftig die ENBW führt, ist ebenso unklar wie die Zukunft des 44 Jahre alten Claassen. Er fühlt sich zu Höherem berufen, heißt es. Claassen wurde schon an der Spitze der Deutschen Bahn oder als Vorstand bei Volkswagen gehandelt. Gern soll er sich als wahrer Enkel von Ferdinand Piëch gesehen haben. Einst war er bei der VW-Tochtergesellschaft Seat tätig.

Erst vor wenigen Wochen ging das Gerücht um, Claassen werde bei RWE unter dem künftigen Vorstandsvorsitzenden Jürgen Großmann für das Tagesgeschäft zuständig. Claassen soll schon früher die Nähe von Großmann gesucht haben, wird erzählt. Spekulationen, aus ihm werde mehr, hörte er gerne und ließ sie unkommentiert.

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