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Emmanuel Macron : Der teure Freund

Auf dem besten Weg in Präsidentenamt: Emmanuel Macron Bild: Imago

Emmanuel Macron wird von deutschen Politikern bejubelt. Das europäische Projekt gewinnt mit ihm an Fahrt. Doch niemand redet darüber, wer am Ende dafür bezahlt.

          Er ist zurzeit der beliebteste Politiker in Deutschland. Die CDU-Kanzlerin ließ ihn durch ihren Regierungssprecher hochleben („alles Gute!“), ihr Vize von der SPD setzt auf ihn („er wird der neue Präsident sein“), der FDP-Vorsitzende vergleicht sich sogar schon selbst mit ihm. Wenn der 39-jährige Ex-Sozialist Emmanuel Macron am kommenden Sonntag das Rennen macht und zum neuen französischen Präsidenten gewählt wird, jubelt fast die gesamte deutsche Politik – sieht man von der äußersten Rechten und Linken einmal ab, die freilich auch im Nachbarland auf eine andere Karte setzen.

          Ralph Bollmann

          Korrespondent für Wirtschaftspolitik und stellvertretender Leiter Wirtschaft und „Geld & Mehr“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung in Berlin.

          Das hat einen ganz speziellen Grund. Es liegt nicht nur daran, dass die Gegnerin Marine Le Pen heißt, dass nach Brexit-Entscheid und Trump-Wahl nicht auch noch das zweitgrößte Land Kontinentaleuropas dem Lockruf der Populisten erliegen soll. Das Motiv für die Macron-Begeisterung ist auch nicht allein, dass ein Sieg der französischen AfD-Verbündeten ein fatales Signal für die deutsche Bundestagswahl im September aussenden könnte. Und die deutschen Politiker jubeln auch nicht bloß, weil sie bei einem Siege Le Pens den Zusammenbruch der europäischen Gemeinschaftswährung befürchten, neue Turbulenzen auf den Finanzmärkten und eine neue Angst auch der deutschen Sparer um ihr Geld.

          Berlin hofft auf Macron

          Nein, die Hoffnungen reichen weiter. Die politische Klasse in Deutschland hofft, mit unterschiedlichen Schattierungen, auf einen veritablen Neustart in der Europäischen Union, auf Reformen und bislang blockierte Kompromisse, auf die Möglichkeit, nach Jahren der Krise endlich zukunftsfähige Strukturen möglich zu machen. Nach den Wahlen in den beiden wichtigsten Mitgliedsländern, Deutschland und Frankreich, sehen die Strategen dafür ein Zeitfenster von knapp zwei Jahren, bis zur nächsten Europawahl im Frühjahr 2019. Auch wenn sich die Ideen, was in dieser Zeit geschehen soll, nach Parteien und Personen naturgemäß unterscheiden.

          Und in der Tat gibt Macron Anlass zu den allerschönsten Hoffnungen in Berlin. So offensiv wie der Favorit fürs französische Präsidentenamt ist schon lange kein europäischer Spitzenpolitiker im Wahlkampf für das Einigungswerk eingetreten, die meisten Kollegen verteidigten Europa allenfalls aus der Defensive heraus. Als er vorigen Sonntag seinen Sieg im ersten Wahlgang feierte, hatte er hinter dem Rednerpult demonstrativ die Europafahne drapieren lassen. Sogar bei den Demonstranten, die in Deutschland jeden Sonntag für Europa auf die Straße gehen, herrscht das Gefühl vor: Wenn Macron die Wahl gewinnt, ist die Mission erst einmal erfüllt.

          Reformen ja, Vorschläge vage

          Als der Kandidat selbst vor einigen Wochen die deutsche Hauptstadt besuchte, schien sein Auftritt all diesen Hoffnungen zu entsprechen. Noch nicht einmal, als er ausdrücklich danach gefragt wurde, wollte er irgendwelche Forderungen stellen. Erst einmal gehe es darum, Frankreich selbst wieder voranzubringen, entgegnete der frühere Investmentbanker; das sei schon mal der größte Beitrag, den sein Land für Europa leisten könne. Dass Macron zuletzt dann doch verlangte, Deutschland müsse durch mehr Investitionen sein Leistungsbilanzdefizit verringern, wird allgemein als Wahlkampfmanöver verbucht: Wenn er gegen Le Pen gewinnen wolle, dürfe der Kandidat eben nicht vollends als Erfüllungsgehilfe der deutschen Kanzlerin und ihres Finanzministers dastehen.

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