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Einheitsbeitrag Die Krankenkasse wird für fast alle teurer

15.07.2008 ·  Für die meisten Arbeitnehmer wird die Krankenkasse im nächsten Jahr deutlich teurer. Besonders betroffen sind Versicherte in heute günstigen Kassen. Das legen Daten des Gesundheitsministeriums über die Verteilung von Kassenmitgliedern und Beitragssätzen nahe.

Von Andreas Mihm
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Für die meisten Arbeitnehmer wird das nächste Jahr mit einer kräftigen Erhöhung ihres Krankenkassenbeitrags beginnen. Sie dürfte sieben, vermutlich sogar neun von zehn Beitragszahlern treffen, wenn auch unterschiedlich stark. Besonders betroffen sind Versicherte in heute günstigen Kassen. Das legen Daten des Gesundheitsministeriums über die Verteilung von Kassenmitgliedern und Beitragssätzen nahe.

Grund für die Beitragssatzerhöhung ist der erwartete Ausgabenschub für Ärzte, Arzneien und Kliniken von bis zu acht Milliarden Euro. Hinzu kommen die Umverteilungswirkungen des Einheitsbeitrags, den die Regierung zum 1. November festlegt. Aktuell liegt der allgemeine Durchschnittsbeitrag der 217 Kassen bei knapp 14 Prozent – ohne den Versicherten-Zuschlag von 0,9 Punkten.

56 Prozent aller Ersatzkassenversicherten zahlen heute mehr al 14 Prozent

Einen allgemeinen Beitrag auf dem heutigen Durchschnittsniveau von knapp 14 Prozent oder weniger zahlten nach den Regierungsdaten zuletzt etwa die Hälfte der Kassenmitglieder. Der Rest ist zu einem höheren Beitragssatz versichert. Würde der heutige Durchschnittssatz von 2009 an als Einheitsbeitrag gelten, müsste also knapp die Hälfte aller Beitragszahler weniger zahlen. Im Gegenzug würden alle anderen, die einen niedrigeren Beitragssatz haben, stärker belastet.

Hart träfe das die Mitglieder von Innungs- und Betriebskrankenkassen (BKK). Von ihnen zahlten 88 und 66 Prozent weniger als den Durchschnittssatz aller Versicherten. Kunden von Ersatz- und Ortskrankenkassen würden von einem Einheitsbeitrag bei 14,0 Prozent eher profitieren. Denn 56 Prozent aller Ersatzkassenversicherten zahlen heute mehr; das gilt auch für 4 von 5 AOK-Mitgliedern.

Fällt der neue Einheitsbeitrag, wie von den Kassen erwartet, aber um 0,5 bis 0,8 Punkte höher aus, verschiebt sich die Belastungsgrenze. Wie viele Versicherte von einer solchen Verschiebung betroffen wären, lässt sich aus den Tabellen des Ministeriums ablesen.

Angenommen, der neue allgemeine Beitragssatz würde nur um 0,5 Punkte oder 18 Euro (bei einem Monatseinkommen von 3600 Euro) auf 14,5 Prozent angehoben. Dann würden 72 Prozent aller Beitragszahler stärker als heute belastet. So viele Kassenmitglieder hatten zuletzt einen Beitragssatz, der unter der Marke von 14,5 Prozent lag. Versicherte, die bei der günstigsten BKK (11,3 Prozent) versichert sind, müssten dann 115,20 Euro im Monat mehr zahlen. Weniger zahlen würden bei diesem Beitragssatz nur acht Prozent der Mitglieder. Deren Kassen sind mit allgemeinen Sätzen von mehr als 14,5 Prozent schon heute besonders teuer.

Bei einem Einheitsbeitrag von 14,5 Prozent gäbe es fast nur Verlierer

Nach Kassenarten differenziert, gäbe es bei einem Einheitsbeitrag von 14,5 Prozent fast nur Verlierer. Gerade 20 Prozent der AOK-Versicherten – die in Berlin, Brandenburg, Hessen, Schleswig-Holstein, Rheinland-Pfalz und dem Saarland – zahlen heute mehr und könnten auf Entlastung hoffen. Springt der Einheitsbeitrag von angenommenen 14,5 Prozent nur um einen Zehntelpunkt höher auf 14,6 oder 14,7 Prozent, sind deutlich mehr als 90 Prozent aller Kassenmitglieder betroffen von der Beitragserhöhung und der Umverteilungswirkung des Fonds.

Ein Beitragsplus von bis zu 0,8 Punkten legen Berechnungen nahe, die die Kassen für ihre Haushalte 2009 anstellen. Sie kalkulieren Mehrausgaben in Höhe von acht Milliarden Euro, für Arzthonorare (2,5 Milliarden Euro), Krankenhausfinanzierung (1,5 Milliarden Euro), Arzneimittel (2 Milliarden Euro), Einführung der Gesundheitskarte (1 Milliarde Euro) und eine Milliarde für den Aufbau der Rücklage für den Gesundheitsfonds. Dem stehen Zusatzeinnahmen unbekannter Höhe gegenüber. Das Wachstum der Grundlohnsumme dürfte den Kassen 1,5 Milliarden Euro zusätzlich eintragen, auch steigt der Steuerzuschuss um 1,5 Milliarden Euro.

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Jahrgang 1960, Wirtschaftskorrespondent in Berlin.

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