http://www.faz.net/-gqe-7qci2

EEG-Reform : Wütende Proteste gegen Solar-Plan

Auch Eigenheimbesitzer mit neuen Anlagen sollen künftig die EEG-Umlage mit finanzieren. Bild: dpa

Die große Koalition plant, künftig alle neuen Ökostrom-Anlagen für die EEG-Umlage heranzuziehen. Harte Kritik kommt aus der Chemischen Industrie, von den Familienunternehmern und aus der Solarwirtschaft.

          Mit teils wütenden Kommentaren haben Industrie aber auch die Verbände der erneuerbaren Energieträger auf die von der Frankfurter Allgemeinen Zeitung enthüllte Absicht der großen Koalition reagiert, künftig alle neuen Ökostrom-Anlagen zur Finanzierung der EEG-Umlage heranzuziehen, soweit sie Strom zur Eigenversorgung erzeugen.

          Andreas Mihm

          Wirtschaftskorrespondent in Berlin.

          Die neue Regelung soll abweichend von bisherigen Plänen auch für Eigenheimbesitzer gelten. Damit würden alle ab dem Jahr 2015 neu ans Netz gehenden großen und kleinen Ökostromerzeugungsanlagen mit 40 Prozent der Umlage nach dem Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) belastet, also aktuell 2,5 Cent je Kilowattstunde.

          Utz Tillmann, Hauptgeschäftsführer des Verbands der Chemischen Industrie, sagte gegenüber der F.A.Z., würden für neue Kraftwerke statt 15 Prozent bis zu 50 Prozent EEG-Umlage fällig, entziehe das der Wirtschaftlichkeit den Boden. „In der Chemie würden weitere Investitionen in den Kraft-Wärme-Kopplungs-Kraftwerkspark sehr unwahrscheinlich.“ Die KWK-Technologie ist sehr effizient und wird von der Regierung eigens bezuschusst.

          Der Verband der Familienunternehmer protestierte scharf in einem Brief an die Fraktionschefs von Union und SPD. Die 40 Prozent Belastung hätten „nicht nur extrem negative Auswirkungen auf die Realwirtschaft, weil sich neue Eigenstromanlagen mittels KWK dann überhaupt nicht mehr rechnen. Es ist auch politisch ein höchst fragwürdiger Vorgang“, klagte Präsident Lutz Göbel. Dass nun Eigenheimbesitzer die „Sonnensteuer“ zahlen sollten, schlage „dem Fass den Boden aus“, sagte Carsten Körnig, Chef beim Bundesverband Solarwirtschaft. Es drohe „der größte Rollback seit Beginn des Klimaschutzes in Deutschland“.

          Der Bundesverband Erneuerbare Energien erklärte, der Eigenverbrauch von „sauber produziertem Strom“ entlaste Netze und EEG-Konto zugunsten der Bürger und Unternehmen. „Eine Art Strafzahlung ist deshalb falsch.“ Die Grünen sprachen von einer „absurden Veranstaltung“ mit „irrwitzigem Kontrollaufwand“.

          Weitere Themen

          Deutschland, deine Schuldner Video-Seite öffnen

          Schneller Schlau : Deutschland, deine Schuldner

          Mehr als eine halbe Million Menschen in Deutschland haben so viel Schulden, dass sie im vergangenen Jahr dafür Beratung suchten. Wo wohnen sie – und wie viel schulden sie? Es zeigt sich ein Muster.

          Topmeldungen

          Jan und Lance am Pool

          Armstrong besucht Ullrich : „I love Jan“

          Auf der Rennstrecke waren sie Gegner, nach der Karriere verstehen sie sich offenbar blendend. Nun hat Lance Armstrong seinen gestrauchelten Freund Jan Ullrich getroffen. Und eine Bitte an seine Fans.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.