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E10 Biokraftstoff soll klimafreundlicher werden

Die Europäische Union beschließt neue Auflagen für Kraftstoffe aus Raps und Soja. Kritik kommt besonders von Umweltschützern.

© dpa Vergrößern Freie Fahrt für E10

Die Nutzung von Biokraftstoffen ist umstritten. Kritiker machen sie für den Anstieg der Lebensmittelpreise auf der Welt verantwortlich – Stichwort Tank oder Teller. Vor allem aber gibt es Zweifel daran, ob sie überhaupt einen positiven Beitrag zum Klimaschutz leisten. Am Freitag haben die Energieminister der 28 EU-Staaten auf die Kritik reagiert und in Luxemburg neue Auflagen für die Förderung von Biokraftstoffen von Lebens- und Futtermitteln in Europa verabschiedet. Die Förderung des Kraftstoffs aus Raps, Soja oder Palmöl soll auf einen Anteil von 7 Prozent am Treibstoffverbrauch im Jahr 2020 begrenzt werden. Um das EU-Klimaschutzziel von einem Anteil von 10 Prozent erneuerbarer Energien im Verkehrssektor dennoch zu erreichen, müssen die Staaten damit die Nutzung von Elektrofahrzeugen und der als unproblematisch geltenden weiterentwickelten Biokraftstoffe aus Algen oder bestimmten Abfällen stärker ausbauen.

Hendrik  Kafsack Folgen:

Wirtschaftsminister Sigmar Gabriel (SPD) begrüßte den Beschluss, auch wenn Deutschland dafür gewesen wäre, „dass diese Prozentzahl eher geringer ist“. Im Ministerrat hatten sich vor allem Dänemark und Schweden für eine Deckelung des Anteils klassischer Biokraftstoffe am Verbrauch auf 5 Prozent eingesetzt. Den Osteuropäern wiederum ging aus Sorge um ihre Landwirtschaft schon der nun beschlossene 7-Prozent-Deckel zu weit. Die Verhandlungen mit dem Europaparlament, das sich für 6 Prozent ausgesprochen hat, dürften deshalb schwierig werden. Nur wenn sich beide Institutionen auf eine Linie einigen, können die neuen Regeln in Kraft treten. Als zu lasch bezeichnete den Beschluss Marita Wiggerthale von Oxfam. Er sei ein derber Rückschlag bei Hungerbekämpfung und Umweltschutz.

Für Biodiesel wird indirekt Regenwald gerodet

Zweifel an der Klimabilanz von herkömmlichen Biokraftstoffen gibt es, weil der verstärkte Anbau von Pflanzen für die Biokraftstoffproduktion nach Ansicht von Fachleuten indirekt zur Rodung von Regenwäldern führt. Weil in Europa große Flächen für den Anbau von Raps reserviert werden, verlagert sich der Anbau von „Lebensmittelpflanzen“ in andere Regionen der Welt, wo dafür Regenwald gerodet wird. Wird dieser als indirekte Landnutzungsänderung (englisch ILUC) bezeichnete Effekt bei der Klimabilanz von Biokraftstoffen berücksichtigt, schneiden diese oft nicht mehr besser ab als fossile Kraftstoffe. Genau beziffern lässt sich der Effekt bisher nicht. Die EU-Kommission soll nach dem Beschluss der Mitgliedstaaten jedoch weiter an der Bestimmung konkreter ILUC-Faktoren für die einzelnen Biokraftstoffsorten arbeiten. Am Ende könnte dann die Förderung von Biokraftstoffen daran geknüpft werden, ob die Klimabilanz eines Biokraftstoffs besser ist als von fossilen Kraftstoffen. Die Deckelung auf 7 Prozent könnte dann wieder entfallen.

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Die Biokraftstoffbranche bezweifelt, dass es ILUC überhaupt gibt. Sie argumentiert, dass es ausreichend zu bewirtschaftendes Land gibt, um Pflanzen für Lebensmittel und Kraftstoffe anzubauen. Dennoch reagierte die Branche verhalten positiv auf den Beschluss. Positiv sei, dass nun ein Ende der jahrelangen Hängepartie in Sicht sei, teilte der Verband der Deutschen Biokraftstoffindustrie mit. Für die bestehenden Investitionen der Branche hat der Beschluss keine Folgen. Momentan liegt der Anteil am Verbrauch in Europa bei knapp 5 Prozent und somit klar unter dem vom Ministerrat beschlossenen Deckel. Der umstrittene Kraftstoff E10, der bis zu 10 Prozent Bioethanol enthält, ist allenfalls indirekt von der Neuregelung betroffen, da nur der Biokraftstoffanteil am Gesamtverbrauch des Verkehrssektors gedeckelt wird.

Quelle: F.A.Z.

 
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