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Dosenpfand Zischen muß es

Die Zukunft der Dose entscheidet sich beim Bier. Die erleichterte Rückgabe bei Einwegflaschen und Getränkedosen könnte zum Comeback des Weißblechs führen.

© F.A.Z.-Marcus Kaufhold Vergrößern Ein deutsches Symbol: die Dosen-Debatte

Rechtzeitig vor dem Beginn der Weltmeisterschaft dürfen sich die Fans freuen: Glaubt man den Auguren, steht die Rückkehr der Bierdose, die seit Einführung der Pfandpflicht Anfang 2003 nach und nach aus den Regalen der Supermärkte verbannt wurde, unmittelbar bevor. Grund dafür ist die erweiterte Rücknahmepflicht, die vom 1. Mai an gilt.

Künftig brauchen die Bürger ihr Leergut nicht mehr nach Geschäften zu sortieren, sondern dürfen die Einwegflaschen oder Getränkedosen in allen Läden zurückgeben, die Verpackungen gleichen Materials in ihrem Sortiment führen. Eine Wegwerfflasche von Aldi kann dann auch bei Lidl oder bei einer Tankstelle zurückgegeben werden, sofern diese generell Plastikflaschen verkauft und der Laden mindestens 200 Quadratmeter groß ist.

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Zudem wird das Zwangspfand von 25 Cent, das bisher nur für Bier, Mineralwasser und kohlensäurehaltige Erfrischungsgetränke gilt, künftig auch auf alkoholhaltige Mischgetränke (Alkopops) und kohlensäurefreie Getränke wie Eistee, Frucht- und Gemüsesäfte sowie dietätische Getränke fällig.

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© Reuters Vergrößern Video: Dosenpfand soll einfacher werden

Mögliches Comeback der Dose

Die erleichterte Rückgabe dürfte die Rückkehr des Weißblechs begünstigen. "Das Comeback der Dose ist so sicher wie das Amen in der Kirche", sagt der Sprecher des Hauptverbands des Deutschen Einzelhandels (HDE), Hubertus Pellengahr, dieser Zeitung. Allerdings gebe es mit den Plastikflaschen (Pet) inzwischen eine ganz andere Konkurrenz als früher. "Was in Kunststoff verkauft wird, fehlt natürlich den Dosen als Marktanteil."

Ob Dose oder Pet - Industrie und Handel rechnen infolge der erweiterten Rücknahmepflicht fast mit einer Verdopplung der Wegwerfverpackungen. In den kommenden beiden Jahren würden etwa 15 bis 18 Milliarden Dosen und Einwegflaschen für Getränke verkauft, erklärte die Deutsche Pfandsystem GmbH (DPG), eine Tochter der Einzelhandelsverbände und der Ernährungsindustrie, am Freitag in Berlin. Die höheren Rücknahmekosten dürften jedes Getränk um bis zu zehn Cent verteuern, schätzt der Handel.

Ökonomisch und ökologisch könnte die Pfandpflicht damit zu einem "Eigentor" werden, warnt die FDP-Politikerin Birgit Homburger: Mehrwegsysteme könnten ausgelistet werden, um nicht zwei Rücknahmesysteme betreiben und finanzieren zu müssen. In der Tat ist aufgrund des Vormarschs der Pet-Flaschen die Mehrwegquote bei Wasser und alkoholfreien Getränken - nach einem einmaligen Anstieg infolge der Pfandpflicht - stetig gesunken und liegt inzwischen unter dem Stand von 2002.

„Die Schlacht für die Dose wird beim Bier geschlagen“

Lediglich beim Bier haben sich deutliche Zuwächse ergeben. Marktkenner führen dies darauf zurück, daß viele Discounter Dosen ausgelistet haben. "Der Verbraucher hat die Einweg-Alternative schlicht nicht mehr vorgefunden." Doch wie werden die Kunden reagieren, wenn die Dose plötzlich zurückkehrt? Gelingt ein triumphales Comeback, wird auch beim Bier die Mehrwegquote rasant abstürzen. Reagieren die Verbraucher nicht, scheint das Schicksal der Dose besiegelt. "Die entscheidende Schlacht für die Dose wird beim Bier geschlagen", sagen Branchenkenner voraus.

Marktforscher glauben den Ausgang zu wissen. "Wenn sie die kühle Dose anfassen und aufmachen - schon mit der Vorfreude auf das Zischen fängt der Genuß an", sagt Thomas Kirschmeier, Sprecher des Rheingold-Instituts für qualitative Markt- und Medienanalysen, dieser Zeitung.

Das Kölner Institut hat in einer Studie nach einer möglichen Symbiose von Verpackung und Inhalt geforscht. Ergebnis: "Bier und Dose - das paßt einfach zusammen." Ein Bier mit Schraubverschluß sei ebensowenig attraktiv wie Limonade in der Dose, sagt Kirschmeier. Auch die fehlende Wiederverschließbarkeit sei kein Problem - selbst für ungeübte Trinker: "So 'ne 0,33er, die putzen sie immer weg."

Die Unternehmen halten sich bereit

Ob sich die Dose wirklich durchsetzen wird, ist offen. "Man wird erst sehen wollen, ob das System reibungslos startet, dann mit Experimenten beginnen, abwarten wie die Verbraucher darauf reagieren und dann erst entscheiden", sagt ein Branchenkenner. Zur Zeit hielten sich viele Unternehmen "aus strategischen Gründen bedeckt". Während Edeka und Metro die Dosen wieder ins Sortiment nähmen, bleibe sie bei Aldi und Lidl vorerst ausgelistet. Die von Aldi aufgestellten Rücknahmeautomaten aber seien auf Plastikflaschen und Dosen ausgelegt. "Damit besteht jederzeit volle Handlungsfähigkeit".

Der Handel betrachtet all das nicht als Glaubensfrage, sondern nur unter wirtschaftlichen Erwägungen. "Nur eine Materialart erleichtert das Handling und die Vermarktung des Abfalls", sagt HDE-Sprecher Pellengahr. "Wenn die Kunden Dosen kaufen wollen, wird der Handel sie auch anbieten." Das werden die Fans gerne hören. Einziger Wermutstropfen: Ins Stadion darf die Dose nicht mit. Als potentielles Wurfgeschoß ist sie zu gefährlich.

Quelle: F.A.Z., 29.04.2006, Nr. 100 / Seite 12, nf.

 
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