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Veröffentlicht: 15.05.2017, 14:08 Uhr

Donald Trump im „Economist“ „Das ist eine interessante Frage“


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Ein letztes Mal versuchen die Redakteure ihre Frage, diesmal so: „Aber Herr Präsident, was muss sich ändern, damit Sie nicht (aus dem Abkommen) aussteigen?“  Und Trump sagt daraufhin: „Wir müssen in der Lage sein, faire Abkommen zu schließen.“ Er beklagt dann, dass die Vereinigten Staaten derzeit ein bilaterales Handelsdefizit im Volumen von 70 Milliarden Dollar mit Mexiko und 15 Milliarden Dollar mit Kanada aufwiesen. Auf eine entsprechende weitere Frage, ob diese Handelsbilanzdefizite auf null reduziert werden müssten, sagt er dann, „nicht notwendigerweise“, fügt hinzu, dass er nicht „das System schocken“ wolle, er aber irgendwann einmal gerne auf null kommen würde.

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Das Gespräch dreht sich hernach um Immigration und mündet in ein weiteres wirtschaftspolitisches Vorhaben Trumps, die von ihm geplante Steuerreform. Die „Economist“-Redakteure fragen ihn, ob es in Ordnung sei, wenn die Steuerreform das Haushaltsdefizit erhöhe – Ronald Reagans Steuerreform habe das nicht getan. Trump antwortet erst mit einer Korrektur: „Tatsächlich tat sie (Reagans Steuerreform) das. Aber, aber man nennt das ,Priming the Pump'. Wissen Sie, wenn Sie das nicht tun, werden sie nie die Steuern senken können.“

Die Bezeichnung „Priming the Pump“ ist eine einigermaßen geläufige Metapher dafür, dass der Staat versucht, mit Änderungen der Steuersätze und der Staatsschulden die Wirtschaft anzukurbeln. Die dann folgende Frage-Antwort-Sequenz machte in internationalen Medien wie der New-York Times oder dem Kurznachrichtendienst Twitter die Runde. Deshalb wollen wir sie wörtlich wiedergeben.

Economist (fragt noch einmal): Ist es okay, wenn die Steuerreform das Haushaltsdefizit erhöht?

Trump: Es ist in Ordnung, denn sie wird es nicht für eine lange Zeit tun. Sie könnten zwei Jahre haben, in denen Sie...verstehen Sie den Ausdruck „Priming the Pump?“

Economist: Ja.

Trump: Wir müssen die Pumpe anwerfen (We have to prime the pump).

Economist: Das ist sehr keynesianisch.

Trump: Wir sind die am höchsten besteuerte Nation der Welt. Haben Sie diesen Ausdruck schon einmal gehört, für diesen speziellen Typ von Ereignis?

Economist: Priming the Pump?

Trump: Ja genau, haben Sie ihn schon einmal gehört?

Economist: Ja.

Trump: Haben Sie zuvor schon einmal gehört, wie dieser Ausdruck verwendet wurde? Denn ich habe ihn noch nicht gehört. Ich meine, ich...ich habe ihn mir vor ein paar Tagen ausgedacht und ich dachte, dass das gut war. Es ist das, was man tun muss.“

Economist: Es ist...

Trump: Ja, was Sie tun müssen ist, Sie müssen erst etwas hineingeben, bevor Sie etwas herausbekommen.“

In der internationalen Wirtschaftspresse hat es infolge der Veröffentlichung der Gesprächsabschrift bereits Analysen gegeben, die aufzeigen, wie alt die Bezeichnung „Priming the Pump“ schon ist. Zum Beispiel wird auf die Weltwirtschaftskrise in den dreißiger Jahren verwiesen und das Konjunkturprogramm, das die damalige amerikanische Administration auf den Weg gebracht hatte.

© afp Können Trumps Kohlejobs zurückkommen?
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