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Angebliche Yen-Manipulation : Japan wehrt sich gegen Trumps Vorwürfe

Transpazifische Wechselkursquerelen: Auch der Yen bringt Donald Trump derzeit in Rage – und Shinzo Abe wehrt sich. Bild: Reuters

Der japanische Ministerpräsident widerspricht entschieden Vorwürfen Donald Trumps, das Land würde seine eigene Währung manipulieren. China dagegen schweigt zu den Attacken des amerikanischen Präsidenten.

          Japan verwahrt sich entschieden gegen die neue Kritik des amerikanischen Präsidenten Donald Trump. Dieser hat Japan und China vorgeworfen, sie werteten ihre Währung ab, um Vorteile im Außenhandel zu erlangen. „Die Behauptung, dass Japan den Yen abwertet, ist nicht anzuwenden“, sagte Ministerpräsident Shinzo Abe am Mittwoch im Parlament. Der Wechselkurs zwischen Dollar und Yen werde am Markt bestimmt. Japan manipuliere den Kurs nicht, hieß es aus dem Finanzministerium.

          Hendrik Ankenbrand

          Wirtschaftskorrespondent für China mit Sitz in Schanghai.

          Patrick Welter

          Korrespondent für Wirtschaft und Politik in Japan mit Sitz in Tokio.

          Aus China gab es am Mittwoch keine offizielle Reaktion auf die Anschuldigung von Trump, das Land sei wie Japan ein Währungsmanipulator. „Sie sehen, was China macht, sie sehen, was Japan über die Jahre gemacht hat. Sie spielen den Geldmarkt, sie spielen den Abwertungsmarkt, und wir sitzen hier wie eine Gruppe von Dummköpfen“, hatte Trump zuvor in einem Gespräch mit Unternehmensführern gesagt. Andere Länder nutzten die Vereinigten Staaten „mit ihrem Geld und ihrer Geldversorgung und Abwertung aus“, sagte Trump. Ein Berater Trumps hatte am Vortag Deutschland wegen des schwachen Euros und seiner angeblich deshalb hohen Handelsbilanzüberschüsse attackiert.

          Japans Notenbank kaufte groß Staatsanleihen an

          Trump greift Japan nicht nur wegen der vermuteten Währungsabwertung an, sondern auch wegen vermuteter Einfuhrhemmnisse für amerikanische Autos. Sein Augenmerk gilt dem bilateralen Handelsbilanzüberschuss Japans mit Amerika. Doch Japan sieht sich zu Unrecht am Pranger. Die letzte direkte Intervention am Währungsmarkt durch Tokio gab es 2011. Die Regierung verweist ferner darauf, dass Japan nur noch etwa 9 Prozent zum gesamten Handelsbilanzdefizit der Vereinigten Staaten beitrage, während es Anfang der neunziger Jahre noch mehr als die Hälfte war. Chinas Anteil am amerikanischen Handelsbilanzdefizit beträgt etwa 47 Prozent.

          Vermutet wird in Tokio, dass Trump mit seinen unscharfen Bemerkungen zum Geldmarkt und zur Geldversorgung auf die Geldpolitik der Bank von Japan abzielt. Diese hat seit 2013 als Teil der Abenomics durch große Ankäufe von Staatsanleihen und die Einführung von Negativzinsen zur Abwertung des Yens beigetragen. Doch die Regierung und die Notenbank beharren darauf, dass die expansive Geldpolitik auf das heimische Ziel der Überwindung der Deflation abstelle. Japan werde sein Geldpolitik weiter gemäß den Leitlinien der Siebenergruppe und der G-20-Gruppe verfolgen, worin die Länder sich auf den Verzicht wettbewerblicher Abwertungen verpflichtet haben, erklärte der Regierungssprecher.

          Abe und Trump treffen sich

          Der Yen ist gegenüber dem Dollar etwa 30 Prozent schwächer als am Jahresbeginn 2013, kurz nach Amtsübernahme Abes. Im vergangenen Jahr aber wertete der Yen fast 18 Prozent gegenüber dem Dollar auf, trotz der expansiveren Geldpolitik. Erst mit dem Wahlsieg Trumps und der Erwartung eines höheren Wachstums in Amerika wendete sich das Blatt und der Yen verlor zum Dollar an Wert.

          Abe wird am 10. Februar in Washington mit Trump zusammenkommen. Dabei werden vor allem Wirtschaftsfragen eine Rolle spielen. Abe will Trump vor Augen führen, wie sehr japanische Unternehmen mit Investitionen in Amerika zu Arbeitsplätzen und Wachstum beitragen.

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