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Dollar-Staatsanleihen China ist entsetzt über Amerikas Geldpolitik

05.11.2010 ·  „Unkontrolliertes Gelddrucken“: Chinesische Notenbanker haben den geplanten Kauf weiterer Dollar-Staatsanleihen durch die amerikanische Federal Reserve kritisiert. Die beiden europäischen Zentralbanken äußerten sich vorsichtig zu dem Beschluss.

Von Christian Geinitz, Henrike Roßbach und Stefan Ruhkamp, Peking/Berlin/Frankfurt
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Chinesische Notenbanker haben in scharfer Form auf die Geldpolitik der amerikanischen Federal Reserve reagiert, die für den Kauf von Dollar-Staatsanleihen weitere 600 Milliarden Dollar ausgeben will. Ein chinesischer Notenbankberater bezeichnete dies als „unkontrolliertes Gelddrucken“ und legte China einen „währungspolitischen Schutzwall“ nahe. In Deutschland sagte Bundeswirtschaftsminister Rainer Brüderle (FDP), er befürchte in Amerika eine Tendenz zum Protektionismus.

Die Europäische Zentralbank bleibt im Gegensatz zur amerikanischen Notenbank bei ihrer abwartenden Haltung. EZB-Präsident Jean-Claude Trichet beteuerte im Anschluss an die Sitzung des Rates, der den Leitzins bei 1 Prozent beließ, dass er weiter auf die amerikanische Politik des „starken Dollar“ vertraue. Zugleich machte er deutlich, dass die EZB sich nicht von der Fed zu einer lockeren Geldpolitik gedrängt sieht. Für die nächste Ratssitzung im Dezember stellte er in Aussicht, dass weitere Schritte für die Rückführung der Kredithilfen für Banken erörtert werden könnten. Auch die Bank von England hielt ihren Leitzins mit 0,5 Prozent unverändert und beschloss keine neuen Anleihekäufe.

Beherrschbare Auswirkungen

Während sich die beiden europäischen Zentralbanken vorsichtig zu dem Beschluss der Fed äußerten, waren die Reaktionen in China deutlicher. Der chinesische Notenbank-Berater Xia Bin warnte vor einer „Blase“ auf den Märkten für Vermögenswerte, da die Amerikaner „unkontrolliert“ Geld druckten. „Solange sich die Welt bei der Ausgabe von Währungen wie dem Dollar nicht zurückhält, ist das Eintreten einer neuen Krise unvermeidlich“, schreibt Xia in einer von der Bank herausgegebenen Zeitung. China müsse einen „währungspolitischen Schutzwall“ errichten, um sich gegen Schocks von außen zu schützen, zitierte die Nachrichtenagentur Reuters den Berater.

Da die zusätzliche Liquidität auch nach China fließe und dort Inflationsgefahren nähre, müsse die Pekinger Notenbank ihre eigene Freigiebigkeit schneller als geplant drosseln, hieß es dort. China solle zu einer „normalisierten“ Geldpolitik zurückkehren, forderte etwa der Vorsitzende des Forschungsinstituts der Zentralbank, Zhang Jianhua. Das Land sehe sich einer wachsenden Teuerung gegenüber. Xias Kollege Li Daokui äußerte sich zuversichtlicher. Er erwartet zwar, dass ein „beträchtlicher“ Fremdwährungsbetrag ins Land schwappen und Aufwertungsdruck auf den Renminbi (Yuan) ausüben werde. Die Auswirkungen seien beherrschbar.

Die Notenbank versucht unabhängig von Amerikas Vorgehen schon seit längerem, Liquidität aus dem Markt zu nehmen, um die Wirtschaft abzukühlen, die Inflation zu dämpfen und uneinbringlichen Krediten vorzubeugen. Kürzlich hatte sie zum ersten Mal seit 2007 die Zinsen erhöht. Am Dienstag hatte die Bank zudem angekündigt, die geldpolitischen Bedingungen weiter zu „normalisieren“.

Brüderle lehnt die amerikanische Forderung ab

Brüderle bewertet den Ankauf weiterer Staatsanleihen durch die Fed kritisch. „Ich sehe das nicht ohne Sorge, wenn Amerika seine Wirtschaft mit noch mehr Geld ankurbeln will“, sagte er am Donnerstag in Berlin. Der Minister zweifelt am Erfolg der Fed-Politik: „Es reicht nicht, allein das Wasser hinzustellen“, sagte er, „die Pferde müssen auch saufen.“ Brüderle betonte zudem, dass China international vorgeworfen werde, seine Währung künstlich niedrig zu halten.

Doch indem sie Geld druckten, beeinflussten auch die Amerikaner ihre Währung. „Wir können Protektionismus in unterschiedlichen Kostümen beobachten“, sagte Brüderle und verwies auch auf die japanische Notenbank, die ebenfalls mehr Geld in den Markt gepumpt hatte, um sich gegen die Aufwertung des Yen zu stemmen. „Meiner Meinung nach müssen Wechselkurse die Fundamentaldaten einer Volkswirtschaft widerspiegeln“, sagte Brüderle. Ein Währungskrieg hingegen wäre ein Desaster.

Brüderle fügte hinzu: „Ich wünsche mir, dass die amerikanische Wirtschaft wieder auf die Beine kommt. Aber man muss die Diskussion über die richtige Philosophie offen führen.“ Abermals lehnte er die amerikanische Forderung nach einer maximal zulässigen Quote für Exportüberschüsse ab. Es sei zwar richtig, die Ungleichgewichte zwischen Staaten mit Exportüberschüssen und solchen mit Defiziten abzubauen. „Aber man darf das nicht planwirtschaftlich lösen.“ Brüderles Meinung nach muss die amerikanische Wirtschaft restrukturiert werden. Er befürchtet jedoch, dass es in den Vereinigten Staaten künftig eine „Tendenz zu mehr Protektionismus“ geben könnte. „Hoffen wir, dass wir alle vernünftig bleiben“, sagte Brüderle.

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Jahrgang 1968, Wirtschaftskorrespondent für China mit Sitz in Peking.

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