29.11.2007 · Ganz Deutschland diskutiert über Kaminöfen und Rußfilter-Pflichten. Aber wie gefährlich sind überhaupt die Rauchwolken, die der Wohnzimmerkamin in die Luft pustet? Viel weniger gesundheitsschädlich als Dieselruß - das zumindest wird in einer Schweizer Studie behauptet.
Von Lukas WeberVon der geplanten Filterpflicht für Holzfeueranlagen sind offenbar weit weniger Kaminöfen betroffen als bisher angenommen. Geräte, die derzeit im Handel sind, erfüllen in aller Regel die im Referentenentwurf genannten Grenzwerte schon auch ohne Filter. Das gilt sogar für solche, die in Baumärkten erhältlich sind. Die Baumarktkette Obi verweist auf die Angaben der Hersteller, wonach sämtliche angebotenen Öfen die geplanten Grenzwerte einhielten und folglich unbefristet betrieben werden dürften.
Auch die im Industrieverband Haus-, Heiz- und Küchentechnik (HKI) zusammengeschlossenen Hersteller bemühen sich derzeit um Kundeninformation. So gut wie alle Geräte, die angeboten würden, seien auf dem neuesten Stand der Emissionstechnik. Die Werte können, soweit sie nicht ohnehin im Prospekt angegeben sind, bei den Herstellern erfragt werden, teilt der Verband mit.
Andreas Müller vom Marktführer Hark, dessen Produkte ebenfalls über Baumärkte vertrieben werden, spricht von Falschmeldungen in den Medien in den vergangenen Tagen. Da Kaminöfen erst seit einigen Jahren wegen gestiegener Heizölpreise verstärkt nachgefragt würden, seien überwiegend Geräte mit moderner Verbrennungstechnik im Einsatz. „Die haben nach heutigem Stand der Diskussion lebenslangen Bestandsschutz.“ Betroffen seien also vor allem Öfen aus den siebziger Jahren und ein paar Exemplare der untersten Preisstufe von 200 bis 400 Euro.
Wie gefährlich sind die Feinstäube?
Die geplanten Grenzwerte für Kaminöfen haben zugleich die grundsätzliche Diskussion über die Gefährlichkeit von Feinstäuben (Partikel kleiner als 10 Mikrometer) wiederbelebt. Wegen der wachsenden Beliebtheit von Feueranlagen für Holzpellets gab es hierzu in den vergangenen Jahren mehrere wissenschaftliche Untersuchungen. Moderne Pellet-Heizungen sind, wie sich inzwischen gezeigt hat, in dieser Hinsicht weitgehend unproblematisch, weil die gepressten Holzstückchen genormt und trocken sind, so dass sie gleichmäßig verbrennen. Die Feinstaubemission liegt deshalb in der Größenordnung von Ölheizungen.
Die Belastung durch Scheitholzanlagen ist deutlich höher – das ist der Grund für den Vorstoß des Umweltministeriums. Dabei ist zu berücksichtigen, dass viele dieser Anlagen im ländlichen Raum stehen, weil dort Brennholz leichter erhältlich ist; die Belastung mit Feinstaub ist dagegen eher ein Problem in den großen Städten.
Diesel-Feinstaub weniger gefährlich als Holz-Feinstaub
Eine vom Umweltministerium zitierte bekannte Schweizer Studie hat im Tierversuch gezeigt, dass die zellschädigende Wirkung des Feinstaubs von Dieselabgasen fünf- bis zehnmal so hoch ist wie die des Holz-Feinstaubs. Diesel-Feinstaub besteht weitgehend aus Ruß, Holz-Feinstaub aus wasserlöslichen Salzen. Das gilt indes nur bei sauberer Verbrennung, wie sie etwa bei Pellets erreicht wird. Bei nach geltendem Recht unzulässigem Brennmaterial wie Spanplatten oder feuchtem Holz in Kaminöfen gibt es nicht nur mehr Ausstoß, sondern auch eine andere Abgaszusammensetzung.
Je nach Betrieb und Modell lag die Feinstaubemission im Versuch zwischen 20 Milligramm je Kubikmeter (also weit unter dem geplanten Grenzwert von 100 Milligramm) und 5000 Milligramm. Während einige Vertreter der Holz-Feuerung aus diesen Ergebnissen die relative Ungefährlichkeit der Emissionen herauslesen, begründet das Umweltministerium mit derselben Untersuchung die Notwendigkeit einer Regelung.
Die insgesamt hohe Belastung der Luft mit Feinstaub aus der Verbrennung von Holz (und Kohle) ist also vor allem auf Fehlbedienung zurückzuführen. Kritiker wenden ein, dass sich das durch Normwerte für die Feuerungsanlagen kaum verhindern lassen wird.
Lukas Weber Jahrgang 1957, Redakteur in der Wirtschaft, zuständig für „Jugend und Wirtschaft“.
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