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Mittwoch, 19. Juni 2013
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Die Türkei setzt auf Atomkraft Pläne für das Erdbebengebiet

 ·  Die Türkei hält an ihren Atomplänen fest. Als Antwort auf die in den vergangenen Tagen wieder lauter gewordenen Zweifel daran hat der türkische Energieminister nun verkündet, sein Land werde „die neueste Technologie“ einsetzen, während die in Japan betroffenen Anlagen aus den frühen siebziger Jahren stammten.

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Von einem „historischen Moment“ war in der türkischen Presse die Rede, als während eines Besuchs des russischen Präsident Dmitrij Medwedjew im Mai vergangenen Jahres das Abkommen zum Bau des ersten Atomkraftwerks der Türkei unterzeichnet wurde. Aus der Regierung Erdogan hieß es damals, für die wirtschaftliche Entwicklung der Türkei sei das Projekt unverzichtbar, das von einem Konsortium unter Führung des russischen Staatskonzerns Atomstrojexport gebaut werden soll. Schließlich wachsen Wirtschaftskraft und Bevölkerungszahl des Landes seit Jahren mit in Europa ungekannter Geschwindigkeit. Damit aber steigt auch der Energiebedarf des Landes.

Zwei Monate nach Medwedjews Besuch, im Juli 2010, billigte auch das türkische Parlament in Ankara den Bau des Kraftwerks in der Provinz Mersin an der türkischen Mittelmeerküste. Knapp 16 Milliarden Euro wird das Vorhaben nach vorläufigen Berechnungen kosten. Ein weiteres Atomkraftwerk soll am nördlichsten Punkt der türkischen Schwarzmeerküste bei Sinop, ein drittes auf dem europäischen Kontinent entstehen, in der Provinz Tekirdag. Gegner des Vorhabens laufen seit Jahren gegen die Pläne Sturm, wobei sie nicht nur grundsätzliche Einwände gegen die Unbeherrschbarkeit der Atomkraft vorbringen, wie man sie auch aus anderen Ländern kennt.

Die türkischen Atomkraftgegner weisen vor allem auf die spezielle Lage des Landes hin: Die Türkei ist eines der am stärksten von Erdbeben heimgesuchten Länder der Erde. In den kommenden Jahren oder Jahrzehnten, dafür haben Seismologen viele Anhaltspunkte, wird unter anderem Istanbul von einem Erdbeben heimgesucht werden, das aufgrund der schlechten Bauweise vieler Gebäude in der Zwölfmillionenmetropole vermutlich viele tausend Menschen das Leben kosten wird. Das Epizentrum der kommenden Stöße wird irgendwo südlich von Istanbul liegen, im Marmarameer, durch das sich parallel zur Küste ein 1200 Meter tiefer Graben zieht. Durch ein Seebeben droht an diesem Unterwassergraben eine gewaltige Rutschung, als deren Folge sich eine Flutwelle von bis zu 20 Metern Höhe auf die Millionenmetropole zuwälzen könnte. Ein Atomkraftwerk in Tekirdag könnte davon direkt betroffen sein. Auch die anderen beiden Standorte gelten als erdbebengefährdet.

Dennoch hält die türkische Regierung an ihren Atomplänen fest. Als Antwort auf die in den vergangenen Tagen wieder lauter gewordenen Zweifel daran hat der türkische Energieminister Taner Yildiz nun verkündet, sein Land werde „die neueste Technologie“ einsetzen, während die in Japan betroffenen Anlagen aus den frühen siebziger Jahren stammten. „Wir sind entschlossen, unsere Atomkraftwerksprojekte in der Türkei fortzusetzen“, sagte Yildiz nach Gesprächen mit Fachleuten der türkischen Atomenergiebehörde Taek. Spätestens im Jahr 2023, zum hundertsten Jubiläum der Republiksgründung durch Atatürk, sollen zwei der drei Atomkraftwerke betriebsbereit sein. Während die Russen am Mittelmeer bauen sollen, laufen für den Bau des Atomkraftwerks an der Schwarzmeerküste derzeit Verhandlungen mit japanischen Anbietern. Zuvor waren Gespräche mit Südkorea gescheitert.

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Jahrgang 1973, politischer Korrespondent für südosteuropäische Länder mit Sitz in Istanbul.

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