20.04.2009 · Vor wenigen Wochen sorgte China mit der Aussage für Aufsehen, der amerikanische Dollar müsse mittelfristig als Weltleitwährung abgelöst werden. Jetzt legt Ministerpräsident Wen nach - und fordert die Überwachung der Wirtschaftspolitik führender Länder und einen Ausbau der chinesischen Währung Yuan.
Von Christoph Hein, SchanghaiChina legt in der Debatte über eine internationale Reservewährung nach. Ministerpräsident Wen Jiabao forderte von denjenigen Ländern, deren Währung international als Reserve betrachtet wird, namentlich von den Vereinigten Staaten, eine stärkere Überwachung ihres Finanzsystems. Zugleich kündigte er an, die internationale Bedeutung der chinesischen Währung Yuan ausbauen zu wollen. Wen sprach auf der staatlichen Diskussionsveranstaltung Boao Forum for Asia auf der chinesischen Insel Hainan.
„Wir sollten die Überwachung der Wirtschaftspolitik der führenden Länder der Reservewährungen stärken und ein vielfältiges internationales Geldsystem schaffen“, forderte Wen. Den amerikanischen Dollar nannte er allerdings nicht beim Namen. Schon auf dem Gipfel der führenden zwanzig Staaten (G 20) in London Anfang des Monats hatte Präsident Hu Jintao ein neues Geldsystem verlangt. Und Chinas Zentralbankpräsident Zhou Xiaochuan war während einer Tagung der asiatischen Währungshüter in Kuala Lumpur mit dem Vorschlag angetreten, die Sonderziehungsrechte des Internationalen Währungsfonds an Stelle des Dollar als internationale Reservewährung einzuführen.
„Leider haben nicht alle Ärzte dieselbe Diagnose“
Auf dem Forum erklärte Zhou nun, seine Idee sei nur eine langfristige Perspektive im Umgang mit der Finanzkrise; kurzfristig erwarte er keine Änderung des Weltfinanzsystems. „Leider haben nicht alle Ärzte dieselbe Diagnose über die Krankheit des Patienten“, sagte Zhou mit Blick auf die Wirtschaftskrise. „Unglücklicherweise scheint es noch immer keine Übereinstimmung über ihre Ursachen zu geben.“
China selbst bringt allerdings den Yuan immer stärker ins Spiel. Wen kündigte an, bilaterale Währungsabsicherungen ausbauen zu wollen. „Wir werden darauf hinarbeiten, mehr Swap-Abkommen mit mehr Ländern und über höhere Summe abzuschließen“, sagte er. Gerade erst hat Peking Abkommen mit Argentinien, Belarus, Hongkong, Indonesien, Malaysia und Südkorea unterzeichnet. Deren Wert beläuft sich auf rund 130 Milliarden Dollar. Die Einschränkungen in der Umtauschbarkeit des chinesischen Yuan erwähnte Wen freilich nicht.
„Die Zentralbank will ganz eindeutig eine Internationalisierung des Yuan“
In den vergangenen Monaten hat China damit begonnen, eine Reihe von Reformen zur breiteren Nutzung des Yuan zu verwirklichen. So soll er von Mai an auch für internationale Handelsfinanzierungen genutzt werden können. Die allerdings bleiben streng begrenzt: Mit den Regionen Schanghai, Guangzhou, Shenzhen Zhuhai und Dongguan will Peking zunächst nur den fünf wichtigsten Exportregionen Chinas Zugeständnisse machen.
Zugleich gelten die neuen Regeln ausschließlich für Geschäfte von Unternehmen mit der chinesischen Sonderverwaltungsregion Hongkong. Später soll Südostasien ebenfalls aufgenommen werden, wie es heißt. „Die Zentralbank will ganz eindeutig eine Internationalisierung des Yuan. Diese mag Jahre dauern, aber doch schneller kommen, als heute manche erwarten“, kommentierte Ben Simpfendorfer von der Royal Bank of Scotland. Unter Analysten halten sich seit der Rede Zhous Vermutungen, der Yuan werde bald schon in den Währungskorb aufgenommen, der den Sonderziehungsrechten zugrunde liegt. Dies allerdings wäre angesichts des sehr eingeschränkten Handels mit dem Yuan ein Novum.
Angaben zu einer weiteren Öffnung seiner Währung macht Peking grundsätzlich nicht. Allerdings hat die Regierung angekündigt, die Wirtschafsmetropole Schanghai bis 2020 zu einem „internationalen Finanzzentrum“ auszubauen. Analysten sehen dies auch als Zeitrahmen für eine neue Rolle des Yuan. Der erste Schritt Pekings war bislang nicht erfolgreich: Seit zwei Jahren bieten Banken in Hongkong Sparkonten in Yuan an. Allerdings haben sie bisher weniger als 1 Prozent der gesamten Sparsumme in der Sonderverwaltungsregion anziehen können.
Christoph Hein Jahrgang 1960, Wirtschaftskorrespondent für Südasien/Pazifik mit Sitz in Singapur.
Jüngste Beiträge
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| FAZ-INDEX | 1.394,15 | +1,26% |
| Dow Jones | 12.580,70 | +1,01% |
| EUR/USD | 1,2465 | −0,19% |
| Rohöl Brent Crude | 106,30 $ | −0,51% |
| Gold | 1.579,50 $ | +0,31% |
Anonym bewerben? Ist das gut?