02.02.2010 · Deutsche Medizintechnikunternehmen geben im Durchschnitt 9 Prozent des Umsatzes für Neuentwicklungen aus. Denn kein Unternehmen kann sich lange auf erworbenen Lorbeeren ausruhen.
Von Holger Paul, FrankfurtInnovationen sind Trumpf - insbesondere in einer Branche wie der Medizintechnik, in der sich kein Unternehmen lange auf erworbenen Lorbeeren ausruhen kann. Fast ein Drittel der auf den Weltmärkten angebotenen Produkte sind nach Angaben des Branchenverbands Spectaris jünger als drei Jahre. Und der Wettbewerbsdruck für die etablierten Unternehmen wird durch die Konkurrenz aus Asien immer größer. Zwar dominieren die Amerikaner den auf mehr als 200 Milliarden Euro geschätzten Weltmarkt für medizintechnische Produkte unangefochten mit einem Anteil von rund einem Drittel. Japanische und deutsche Unternehmen halten jeweils rund 10 Prozent. "Aber der Markt ist sehr dynamisch. Viele Schwellenländer wie China und Indien investieren viel in die Bildung entsprechender Cluster. Die Standortkonkurrenz hat daher für die etablierten Spieler erheblich zugenommen", erläutert Hennig Vöpel, Volkswirt am Hamburgischen Weltwirtschaftsinstitut und Ko-Autor einer neuen Studie zum Medizintechnikmarkt.
Dem Zwang zum Forschen tragen die deutschen Unternehmen - eine Handvoll größerer Konzerne und viele Mittelständler - Rechnung. Der Anteil der Entwicklungsbudgets am Jahresumsatz liegt im Schnitt bei 9 Prozent. "Die Entwicklungskosten sind doppelt so hoch wie im sonstigen verarbeitenden Gewerbe", sagt Klaus Radermacher, Inhaber des Lehrstuhls für Medizintechnik an der Technischen Universität (RWTH) in Aachen. Dass sich der Forschungsaufwand lohnt, könne auch an der wirtschaftlichen Entwicklung in Krisenzeiten abgelesen werden, ergänzt er. Selbst im schweren Rezessionsjahr 2009 sank der Umsatz der deutschen Medizingerätehersteller nach ersten Schätzungen nur um rund 3 Prozent.
Und zumindest in Teilbereichen nehmen die deutschen Unternehmen auch die angestrebte führende Stellung auf dem Weltmarkt ein, sagen Fachleute: bei den bildgebenden Verfahren (Computertomografie, Ultraschallgeräte) und bei Endoskopen, in der Laser-Operationstechnik und bei Optischen Systemen, aber auch mit Prothesen und vielen Verbrauchsstoffen. Selbst in einem Segment wie Herzschrittmacher, das von amerikanischen Großkonzernen dominiert wird, gelinge es kleineren Unternehmen aus Deutschland, durch technischen Vorsprung eine führende Rolle einzunehmen, lobt Uwe Berkermann, Branchenfachmann der Düsseldorfer IKB-Bank.
Die Medizintechniker können jedoch nicht darauf setzen, mit einem "Blockbuster"-Produkt den Großteil ihrer Gewinne zu bestreiten. "Dafür ist der Preisdruck auf den Geräten viel zu stark", erläutert Berkermann. Dies gelte umso mehr, als die Margen im Verkauf eines Apparats - ähnlich wie im Maschinenbau - tendenziell eher sinken und der Gewinn vermehrt aus dem Nachgeschäft mit Service oder neuen Softwareeinspielungen gemacht werde. "Anders als in der Pharmaindustrie ist das Geschäft viel stärker vertriebsgesteuert", ergänzt Heinrich Christen, Programmdirektor der Beratungsgesellschaft Ernst & Young in der Schweiz. Wer sich keine Präsenz in wichtigen Absatzmärkten leisten kann, wird sich schwertun, die eroberten Marktanteile zu halten oder neue hinzuzugewinnen, lautet die Botschaft.
Ob die Preise für neueste Medizintechnik auch gerechtfertigt sind, ist eine Frage, auf die es nach Ansicht von Andreas Zimolong keine eindeutige Antwort gibt. Denn dazu müsste eine echte Kosten-Nutzen-Rechnung durchgeführt werden, an die sich die Gesellschaft aber nicht herantraue, sagt der Geschäftsführer der Aachener Beratungsfirma Synagon, die sich auf den Gesundheitssektor spezialisiert hat. Denn damit einher ginge es auch um Fragen, ob die Allgemeinheit teure Geräte für die Behandlung Einzelner bezahlen soll. "Aus Sicht der Patienten lohnen sich Innovationen in der Medizintechnik uneingeschränkt, wenn sie die Menschen gesünder machen", sagt Zimolong.
Die Unternehmen verweisen beim Thema Kosten gerne darauf, dass der Weltmarkt für Medizintechnik nur 8 Prozent des Volumens des gesamten Gesundheitsmarktes ausmache. Die großen Sparpotentiale, so die Botschaft, liegen in anderen Bereichen.
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| FAZ-INDEX | 1.394,15 | +1,26% |
| Dow Jones | 12.580,70 | +1,01% |
| EUR/USD | 1,2465 | −0,19% |
| Rohöl Brent Crude | 106,30 $ | −0,51% |
| Gold | 1.579,50 $ | +0,31% |
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