http://www.faz.net/-gqe-7wjco

Gas- und Ölförderung : Deutschland macht den Weg für Fracking frei

Vorbereitung zum Fracken: Arbeiter verbinden eine Pipeline mit Wassertanks Bild: Reuters

Die Bundesregierung weicht ihre Pläne für ein Fracking-Verbot auf. Gas und Öl aus Schiefergestein dürfen künftig auch in Deutschland unter bestimmten Bedingungen gefördert werden. Wann geht es los? Und gibt es Folgen für die Umwelt? Die wichtigsten Antworten.

          Der jahrelange Streit um das Fracking dürfte in Deutschland bald der Vergangenheit angehören. Seit Mittwoch liegt ein Gesetzentwurf vor, der nun unter den Ministerien abgestimmt wird. Noch in diesem Jahr soll er vom Bundeskabinett verabschiedet und dem Parlament zugeleitet werden.

          Andreas Mihm

          Wirtschaftskorrespondent in Berlin.

          Fracking ist ein Verfahren, mit dem in tiefen Gesteinsschichten gebundenes Gas und Öl so weit gelockert wird, dass es gefördert werden kann. Dafür werden mehrere tausend Meter tiefe Bohrungen angebracht, durch die Wasser und Sand unter hohem Druck in das Gestein gepresst und damit gesprengt („gefrackt“) werden. Chemische Zusätze sorgen dafür, dass das Gestein offen bleibt und das Öl oder Gas an die Oberfläche fließen kann. Die Industrie behauptet, künftig könne auch ohne chemische Zusätze gebohrt und gesprengt werden.

          Je nach der Art des Gesteins werden zwei Methoden des Frackings unterschieden: zum einen das „konventionelle“ Fracking von „tight Gas“, dessen Lager nur einmal „geknackt“ werden müssen, damit das Gas an die Oberfläche steigt. Dieses „tight Gas“ liegt meist tiefer als 3000 Meter, es wird schon seit Jahrzehnten mit dieser Methode in Norddeutschland gefördert. Bei der zweiten Methode des „unkonventionellen Frackings“ bedarf es mehrerer Bohrungen und Sprengungen, um an die in Schiefer- oder Kohleflözgestein gebundenen wertvollen Rohstoffe zu kommen. Sie liegen meist nicht so tief, in Deutschland kommen sie ab 2000 Meter Tiefe vor.

          Was ist problematisch am Fracking?

          Die größten Sorgen macht der Wasserschutz. Zwar liegen die grundwasserführenden Schichten, aus denen das Trinkwasser gewonnen wird, meist wenige Dutzend Meter unter der Oberfläche und damit viel höher als die öl- und gashaltigen Gesteinsschichten, die meist 2000 Meter und tiefer liegen. Deshalb können sie durch das Fracking an sich auch kaum in Mitleidenschaft gezogen werden. Allerdings werden die grundwasserführenden Schichten beim Bohren durchstoßen. Hier könnte es zu Verunreinigungen kommen. Der zweite Punkt sind die heute noch notwendigen Chemikalien, die beim Fracken eingesetzt werden. Solche „Einträge“ will man möglichst grundsätzlich vermeiden. Wichtiger und für die Umwelt gefährlicher ist das Wasser, das aus der Bohrung zurückkommt: Da ist zum einen das eingesetzte Wasser, das als Sand-Wasser-Chemie-Gemisch („flow back“) zurückkommt, aufgefangen und entsorgt werden muss. Zum anderen kommt Wasser an die Oberfläche, das seit Millionen von Jahren im Erdreich gelagert war und dort Schwermetalle und andere Stoffe aus der Erdkruste aufgenommen hat. Es soll wieder verpresst werden. Auf jeden Fall soll aber wie beim „flow back“ eine Verbindung mit dem Oberflächen- und Grundwasser vermieden werden.

          Erdgasgewinnung durch Fracking Bilderstrecke
          Erdgasgewinnung durch Fracking :

          Wie war die Rechtslage bisher?

          Grundsätzlich ist das Fracken nach dem Bergrecht bisher nicht untersagt, allerdings gelten strenge Umweltschutzvorschriften. Deren Einhaltung wird von den Landeswasserbehörden überwacht. In Erwartung neuer Vorschriften sind in den vergangenen Jahren keine Erlaubnisse für Bohrungen mehr erteilt worden.

          Weitere Themen

          Abtreibungsverbot in Irland Video-Seite öffnen

          Referendum : Abtreibungsverbot in Irland

          In Irland sind Schwangerschaftsabbrüche per Verfassung verboten - bei einem Referendum am Freitag können die Iren diese Regelung kippen. Laut Umfragen liegen die Befürworter neuer Abtreibungsregelungen leicht vorne.

          Wahlkampf in Deutschland Video-Seite öffnen

          Türkei will auf Tour gehen : Wahlkampf in Deutschland

          Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan auf Wahlkampftour im bosnischen Sarajevo. Dort sprach er fünf Wochen vor dem Urnengang in der Türkei, vor rund 15.000 Anhängern und bat sie um ihre Stimmen.

          Topmeldungen

          Russland-Affäre : Trumps Vernebelungstaktik

          Donald Trump hat wieder einmal einen Skandal entdeckt: Weil das FBI sein Wahlkampf-Team ausspioniert habe, sei die Russland-Untersuchung am Ende. Mit diesem Manöver verfolgt der Präsident eine vertraute Taktik.

          Dreißigjähriger Krieg : Das große Sterben

          Mit dem zweiten Prager Fenstersturz begann vor 400 Jahren für Mitteleuropa eine Katastrophe. Zeitgenössische Texte dokumentieren sie bestens. Trotzdem konnte die Archäologie in jüngster Zeit noch Neues darüber erfahren.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.