http://www.faz.net/-gqe-7wjco
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, JÜRGEN KAUBE, BERTHOLD KOHLER, HOLGER STELTZNER

Veröffentlicht: 20.11.2014, 04:38 Uhr

Gas- und Ölförderung Deutschland macht den Weg für Fracking frei

Die Bundesregierung weicht ihre Pläne für ein Fracking-Verbot auf. Gas und Öl aus Schiefergestein dürfen künftig auch in Deutschland unter bestimmten Bedingungen gefördert werden. Wann geht es los? Und gibt es Folgen für die Umwelt? Die wichtigsten Antworten.

von , Berlin
© Reuters Vorbereitung zum Fracken: Arbeiter verbinden eine Pipeline mit Wassertanks

Der jahrelange Streit um das Fracking dürfte in Deutschland bald der Vergangenheit angehören. Seit Mittwoch liegt ein Gesetzentwurf vor, der nun unter den Ministerien abgestimmt wird. Noch in diesem Jahr soll er vom Bundeskabinett verabschiedet und dem Parlament zugeleitet werden.

Andreas Mihm Folgen:

Fracking ist ein Verfahren, mit dem in tiefen Gesteinsschichten gebundenes Gas und Öl so weit gelockert wird, dass es gefördert werden kann. Dafür werden mehrere tausend Meter tiefe Bohrungen angebracht, durch die Wasser und Sand unter hohem Druck in das Gestein gepresst und damit gesprengt („gefrackt“) werden. Chemische Zusätze sorgen dafür, dass das Gestein offen bleibt und das Öl oder Gas an die Oberfläche fließen kann. Die Industrie behauptet, künftig könne auch ohne chemische Zusätze gebohrt und gesprengt werden.

Mehr zum Thema

Je nach der Art des Gesteins werden zwei Methoden des Frackings unterschieden: zum einen das „konventionelle“ Fracking von „tight Gas“, dessen Lager nur einmal „geknackt“ werden müssen, damit das Gas an die Oberfläche steigt. Dieses „tight Gas“ liegt meist tiefer als 3000 Meter, es wird schon seit Jahrzehnten mit dieser Methode in Norddeutschland gefördert. Bei der zweiten Methode des „unkonventionellen Frackings“ bedarf es mehrerer Bohrungen und Sprengungen, um an die in Schiefer- oder Kohleflözgestein gebundenen wertvollen Rohstoffe zu kommen. Sie liegen meist nicht so tief, in Deutschland kommen sie ab 2000 Meter Tiefe vor.

Was ist problematisch am Fracking?

Die größten Sorgen macht der Wasserschutz. Zwar liegen die grundwasserführenden Schichten, aus denen das Trinkwasser gewonnen wird, meist wenige Dutzend Meter unter der Oberfläche und damit viel höher als die öl- und gashaltigen Gesteinsschichten, die meist 2000 Meter und tiefer liegen. Deshalb können sie durch das Fracking an sich auch kaum in Mitleidenschaft gezogen werden. Allerdings werden die grundwasserführenden Schichten beim Bohren durchstoßen. Hier könnte es zu Verunreinigungen kommen. Der zweite Punkt sind die heute noch notwendigen Chemikalien, die beim Fracken eingesetzt werden. Solche „Einträge“ will man möglichst grundsätzlich vermeiden. Wichtiger und für die Umwelt gefährlicher ist das Wasser, das aus der Bohrung zurückkommt: Da ist zum einen das eingesetzte Wasser, das als Sand-Wasser-Chemie-Gemisch („flow back“) zurückkommt, aufgefangen und entsorgt werden muss. Zum anderen kommt Wasser an die Oberfläche, das seit Millionen von Jahren im Erdreich gelagert war und dort Schwermetalle und andere Stoffe aus der Erdkruste aufgenommen hat. Es soll wieder verpresst werden. Auf jeden Fall soll aber wie beim „flow back“ eine Verbindung mit dem Oberflächen- und Grundwasser vermieden werden.

Infografik / Erdgasgewinnung durch Fracking Erdgasgewinnung durch Fracking © dpa Bilderstrecke 

Wie war die Rechtslage bisher?

Grundsätzlich ist das Fracken nach dem Bergrecht bisher nicht untersagt, allerdings gelten strenge Umweltschutzvorschriften. Deren Einhaltung wird von den Landeswasserbehörden überwacht. In Erwartung neuer Vorschriften sind in den vergangenen Jahren keine Erlaubnisse für Bohrungen mehr erteilt worden.

1 | 2 Nächste Seite   |  Artikel auf einer Seite
 

Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

Weitere Empfehlungen
Mietpreisbremse in der Kritik Was die Mieten wirklich senkt

Die Mietpreisbremse wirkt nicht. Zu diesem Schluss kommen mehrere Studien. In guten Lagen setzt sich der Markt durch. An welchen Stellschrauben man drehen könnte, um die Mietpreise wirklich zu senken. Mehr

17.05.2016, 15:16 Uhr | Wirtschaft
Neuer Weltrekord Ohne Sauerstoffgerät in 122 Meter Tiefe

Der Freitaucher William Trubridge hat seinen eigenen Weltrekord noch einmal verbessert: Er tauchte auf den Bahamas unglaubliche 122 Meter in die Tiefe. Und zwar ohne Sauerstoffgerät. Mehr

04.05.2016, 12:28 Uhr | Sport
Kampagnenindustrie Deutsche Angsthasen

Glyphosat, Freihandel, Atomkraftwerk: Wir Deutschen fremdeln mit so manchen Dingen. Das beflügelt eine ganze politische Kampagnenindustrie. Trotz der Risikoscheu geht es uns ziemlich gut. Oder deswegen? Mehr Von Jan Grossarth

24.05.2016, 15:00 Uhr | Wirtschaft
Unkrautvernichtungsmittel Glyphosat bleibt umstritten

Der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) sprach sich mit der Aktion gegen den Einsatz des Pflanzenschutzmittels Glyphosat aus. Experten und auch die Bundesregierung streiten darüber, ob das Pflanzenschutzmittel gesundheitsschädlich ist. Mehr

17.05.2016, 18:14 Uhr | Wirtschaft
Ägypten Widersprüchliche Angaben zu Egypt-Air-Absturz

Suchmannschaften und Experten in Griechenland und Ägypten arbeiten auf Hochtouren, um das Rätsel um den Absturz des Fluges MS804 zu lösen. Doch mit vorschnellen Äußerungen tragen die Fachleute nicht zur Aufklärung bei. Mehr

24.05.2016, 13:30 Uhr | Gesellschaft

Innovationen für die Katz

Von Bernd Freytag

Über viele Jahre waren in Deutschland vor allem bessere Produkte der Garant für Erfolg. Jetzt werden die Unternehmen Opfer ihrer eigenen Innovationen. Mehr 0


Die Börse
Name Kurs Änderung
  Dax --  --
  F.A.Z.-Index --  --
  Dow Jones --  --
  Euro in Dollar --  --
  Gold --  --
  Rohöl Brent --  --

Nachteile für Migranten Viele Türken in Deutschland sind arm

Weniger Einkommen, weniger Wohnraum, weniger Bildung: Die Lebensverhältnisse vieler Migranten sind schwierig – auffällig stark gilt das für Bürger türkischer Herkunft. Mehr Von Dietrich Creutzburg, Berlin 100 152

Abonnieren Sie den Newsletter „Wirtschaft“