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Deutschland Gutes Leben gleich sicherer Job

04.07.2009 ·  Vielen Deutschen ist die Sicherheit ihrer Stelle wichtiger als der Spaß an der Arbeit. Das ist das Ergebnis einer umfangreichen Umfrage der IG Metall. Der Gewerkschaft dient die Studie als willkommene Rückendeckung für ihre Forderungen im Wahlkampf.

Von Henrike Roßbach
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Ein gutes Leben – das bedeutet für die Deutschen offenbar vor allem ein Leben in wirtschaftlicher Sicherheit. Die größte deutsche Gewerkschaft, die IG Metall, hat von April bis Juni Arbeitnehmer, aber auch Rentner, Arbeitslose, Studenten, Schüler, Selbständige und Auszubildende gefragt, was sie von einem guten Leben erwarten. 450.000 haben sich beteiligt – in den Unternehmen, auf der Straße und im Internet. Das Ergebnis, das die Gewerkschaft am Freitag in Berlin vorstellte, offenbart, dass sich die Menschen vor allem nach Sicherheit sehnen, in all ihren Facetten. Fast neun von zehn Befragten sagen, ihnen sei es sehr wichtig, einen sicheren Arbeitsplatz zu haben. Einen höheren Wert erzielt keine andere Aussage in der Umfrage. 83 Prozent legen besonderen Wert darauf, mit ihrer Rente im Alter gut auszukommen; knapp 80 Prozent wollen unbedingt abgesichert sein, um ihre Zukunft planen zu können und verlangen vom Staat eine Absicherung für den Fall, dass sie arbeitslos oder krank werden.

Spaß bei der Arbeit nur für zwei Drittel „sehr wichtig“

Dass die Arbeit auch Spaß macht, fanden nur zwei Drittel der Befragten „sehr wichtig“. Selbst Schüler und Studenten – auch wenn ihr Anteil an allen Befragten mit 2,6 Prozent eher gering war – ziehen die Sicherheit der Freude am Job scheinbar vor: Nur knapp 64 Prozent der befragten Schüler und Studenten finden den Spaß an der Arbeit sehr wichtig, die sichere Stelle schätzen dagegen fast 77 Prozent. Auch gerechte Bildungschancen liegen den Menschen der Umfrage zufolge weniger stark am Herzen als die Arbeitsplatzsicherheit.

Der IG Metall dient die Mammut-Umfrage als willkommene Rückendeckung für ihre Forderungen im Wahlkampf. In den kommenden Wochen will die Gewerkschaft Bundestagskandidaten und Parteienvertreter zu Stellungnahmen auffordern. „Zwischen dem politischen Handeln und den Bedürfnissen der Menschen klafft eine tiefe Lücke“, sagte Gewerkschaftschef Berthold Huber am Freitag in Berlin; angesichts der anstehenden Wahlen sei das ein alarmierender Befund.

Ihre eigenen Forderungen wiederum glaubt die Gewerkschaft glasklar aus den Ergebnissen der Umfrage herauslesen zu können. So sind drei von vier Teilnehmern der Ansicht, dass es in der Wirtschaftskrise keine Entlassungen geben darf – eine Forderung, welche die IG Metall nicht müde wird zu wiederholen. Huber sagte auch, dass die Politik zur Sicherung von Arbeitsplätzen zwar schon manches getan habe, dass dies aber nicht ausreichen werde. Seine Gewerkschaft fordert schon länger – nachdem sie sich Anfang des Jahres schon mit ihrer Idee einer Abwrackprämie durchsetzen konnte – ein drittes Konjunkturpaket, um die Wirtschaft noch stärker zu stützen.

Keine Entlassungen in der Wirtschaftskrise

„Wenn jetzt Arbeitsplätze im Industriebereich verlorengehen, werden sie nach der Krise nicht nach Deutschland zurückkehren“, warnte der oberste Metaller. Wasser auf die Mühlen der Gewerkschaft ist auch die Aussage von gut 80 Prozent der Befragten, sie wollten die Rente mit 67 wieder abschaffen. 78 Prozent stimmten der Einführung von Mindestlöhnen „voll und ganz“ zu. Die Arbeitgeber warnten am Freitag davor, die Umfrage zu instrumentalisieren. Die IG Metall gebe keine Antworten auf die Fragen der Zukunft, kritisierte die Bundesvereinigung der Arbeitgeberverbände (BDA).

Vom Arbeitgeberverband Gesamtmetall hieß es, die „verfehlten Forderungen“ der IG Metall – von der Abschaffung der Rente mit 67 bis zu einer Ausweitung der betrieblichen Mitbestimmung – ließen sich nicht mit der Umfrage untermauern. Die Ergebnisse gäben keinen Aufschluss über die tatsächliche Lage der Unternehmen. Auch die BDA betonte, die Arbeitsbedingungen in Deutschland seien insgesamt gut. Gesamtmetall kritisierte zudem „Suggestivfragen“. Der Fragebogen sei eine Ansammlung pauschaler Aussagen, die beliebig interpretierbar seien, und werde den üblichen Anforderungen an Umfragen nicht gerecht.

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