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Deutschland im Wettbewerb : Spitzenplatz bei Steuern und Sozialabgaben

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Der deutsche Staat nimmt seinen Bürgern vergleichsweise viel vom Einkommen. Bild: dpa

Deutschland belastet seine Bürger mit Steuern und Abgaben stärker als die meisten anderen Industrieländer. Hier kommen Antworten auf die wichtigsten Fragen zum neuen OECD-Ranking.

          Einkommensteuer, Solidaritätszuschlag, Beiträge zur Arbeitslosen- und Rentenversicherung - der deutsche Staat bittet verhältnismäßig stärker zur Kasse als andere Länder. Egal, ob alleinstehender Durchschnittsverdiener oder verheirateter Alleinverdiener mit zwei Kindern: Die Belastung der Arbeitseinkommen durch Steuern und Sozialabgaben liegt hierzulande deutlich über dem Durchschnitt. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie der Industrieländer-Organisation OECD. Hier kommen Antworten auf die wichtigsten Fragen, die damit zusammenhängen.

          Wie stellt sich die Abgabenlast nach den OECD-Zahlen dar?

          Ein Angestellter mit Durchschnittsgehalt, unverheiratet und ohne Kind, musste in Deutschland im Jahr 2016 im Schnitt 49,4 Prozent seines Einkommens an den Staat abliefern. Das ist laut OECD derselbe Anteil der Arbeitskosten (Bruttoverdienst plus Sozialbeiträge der Arbeitgeber) wie im Jahr 2015. Arbeitnehmer hatten also nicht mehr Geld vom Bruttolohn übrig.

          In der OECD rangiert Deutschland damit auf dem zweithöchsten Platz, wenn es um alleinstehende Durchschnittsverdiener geht - nach Platz drei im Jahr 2015. Das liegt vor allem an den vergleichsweise hohen Sozialabgaben, die Arbeitnehmer und Arbeitgeber tragen. Nur die Belgier wurden stärker belastet. Der OECD-Durchschnitt betrug hingegen 36 Prozent. Langfristig ist die Abgabenlast in Deutschlands allerdings immerhin etwas gesunken. Im Jahr 2000 betrug der Wert für die Bundesrepublik noch beinahe 53 Prozent.

          Betrifft der Spitzenplatz auch andere Haushaltstypen?

          Nach Angaben der OECD liegt auch bei allen anderen untersuchten Haushaltstypen die Belastung in Deutschland über dem Durchschnitt der OECD. Für einen verheirateten Durchschnittsverdiener mit zwei Kindern etwa betrug sie 34 Prozent. Deutschland liegt damit auf Platz 9 aller 35 OECD-Länder. Der OECD-Schnitt betrug kapp 27 Prozent.

          Wie ermittelt die OECD die Zahlen überhaupt?

          Nach einheitlichen und transparenten Vorgaben für alle OECD-Staaten. Die Gesamtbelastung für Arbeitnehmer und Arbeitgeber misst der „tax wedge“ - zu deutsch „Steuerkeil“. Dieser ergibt sich aus der Differenz zwischen den Lohnkosten des Arbeitgebers pro Mitarbeiter und dem Lohn, der dem Arbeitnehmer nach Steuern und Sozialabgaben sowie sozialen Transferleistungen verbleibt. Das ist somit ein Indikator für die Belastung des Faktors Arbeit. Es wird gezeigt, wie viel Kaufkraft der Staat einem Arbeitnehmer durch Steuern und Abgaben nimmt. Noch aussagekräftiger wären die Daten, wenn auch die Belastung durch indirekte Steuern einbezogen würde wie die Mehrwert- oder Mineralölsteuer - was laut Ökonomen aber schwierig ist.

          Würde Deutschland ohne Sozialabgaben besser abschneiden?

          Ja. Würde der Vergleich auf die Steuerbelastung beschränkt, dann fiele das Ergebnis für Deutschland besser aus. Denn die Sozialabgaben sind hierzulande relativ hoch. Daher fielen geringfügige Steuerentlastungen kaum ins Gewicht. Ein isolierter Vergleich nur der Steuerlast ist daher eher wenig aussagekräftig. Beachtet werden muss auch, dass sich vor allem bei der effektiven Belastung unterer Einkommensbereiche zusätzliche Transferzahlungen auswirken wie Kinderzuschlag, Wohngeld und BAföG.

          Wie groß sind die Unterschiede unter den OECD-Ländern?

          Sehr groß. Für Alleinstehende ohne Kinder etwa reicht der „Steuerkeil“ von 54 Prozent der Arbeitskosten in Belgien bis 7 Prozent in Chile. Oder ein anderes Beispiel: In der Schweiz ist das Leben zwar teuer - dafür sind aber die Gehälter relativ hoch und die Steuer- und Abgabenlast gering. Die Schweiz liegt weit unter dem OECD-Durchschnitt und beim kinderlosen Single hinter Südkorea.

          Warum ist die Differenz bei Alleinstehenden besonders groß?

          Hier wirkt sich das in Deutschland umstrittene Ehegattensplitting zugunsten verheirateter Paare aus, das es in den meisten anderen OECD-Staaten nicht gibt. Zwar werden in fast allen OECD-Ländern Familien mit Kindern steuerlich gefördert. In Deutschland aber ist diese Subvention, bedingt durch Ehegattensplitting und die beitragsfreie Mitversicherung von nicht-erwerbstätigen Ehepartnern, besonders ausgeprägt. Die OECD-Experten kritisierten schon öfter, dass diese Steuerregeln die Anreize zur Jobaufnahme verringerten. Hohe Steuern und Abgaben für Zweitverdiener entmutigten vor allem Frauen, erwerbstätig zu werden.

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