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Umfrage : Mehrheit der Unternehmer fürchtet den Brexit

  • Aktualisiert am

Kampagne der Brexit-Befürworter: „Die EU ist voll heißer Luft.“ Bild: Reuters

Mehr Arbeitslose und weniger Umsatz: Die Unternehmer auf beiden Seiten des Ärmelkanals wollen Großbritannien in der EU halten. Und das, obwohl bei der Befragung von einem „Brexit light“ ausgegangen wurde.

          Deutsche und britische Unternehmer fürchten die Folgen des Brexits und sprechen sich gegen ein Ausscheiden Großbritanniens aus der Europäischen Union aus. Im Juni wird das Referendum erwartet, bei dem die britische Regierung der Bevölkerung die Entscheidung über den Verbleib in oder den Austritt aus der Europäischen Union überlassen will. Die Unternehmen fürchten im Falle eines Austritts negative Effekte für Arbeitsmärkte, Umsätze und Investitionen. Das ist das Ergebnis einer Studie der Bertelsmann-Stiftung, die am Montag vorgestellt wurde.

          Laut der Studie wünschen sich 79 Prozent der befragten Unternehmer, Geschäftsführer und leitenden Angestellten, das Vereinigte Königreich solle in der EU bleiben. Bei den deutschen Unternehmern ist der Anteil mit 83 Prozent noch etwas höher als bei den britischen Unternehmern. Dieses deutliche Ergebnis war nicht zu erwarten. Denn in der Befragung wurde davon ausgegangen, dass Großbritannien die EU nur als politische Einheit verlassen würde, am Binnenmarkt jedoch weiterhin teilnehmen könnte. Ein Status wie die Schweiz oder Norwegen genießen, wäre damit ohne weiteres denkbar.

          Dennoch fürchten die Unternehmen negative Auswirkungen für den Arbeitsmarkt. Nur 13 Prozent glauben, ein Austritt Großbritanniens habe positive Auswirkungen. 38 Prozent der Befragten fürchten hingegen negative Folgen für Umsätze, 22 Prozent für Investitionen und 34 Prozent für die Beschäftigung. Auch für die eigenen Unternehmen sehen die Befragten diese Tendenzen als reale Bedrohung. Drei Jahre nach einem möglichen Brexit befürchten 36 Prozent der Unternehmen Umsatzeinbrüche, 31 Prozent sinkende Investitionen und 29 Prozent negative Folgen für die Anzahl der Beschäftigten in den eigenen Unternehmen.

          Klares Votum gegen einen Brexit

          Im Falle eines Brexit will fast jedes dritte befragteUnternehmen auf beiden Seiten des Kanals entweder seine Kapazitäten in Großbritannien verringern oder von der Insel weg verlagern. Am stärksten haben Unternehmen aus dem IT-Sektor diese Absichten (41 Prozent), aber auch 33 Prozent der befragten Finanzunternehmen können sich eine Reduzierung oder Verlagerung von Kapazitäten aus Großbritannien vorstellen.

          Am Donnerstag beraten die Staats- und Regierungschefs der Europäischen Union in Brüssel über das von EU-Ratspräsident Donald Tusk vorgelegte Reformpaket mit dem die EU den Briten den Verbleib in der Union schmackhaft machen will. Vorgesehen ist unter anderem eine „Notbremse“ mit der Großbritannien Sozialleistungen für neu zuziehende EU-Bürger für vier Jahre aussetzen kann.

          Die Umfrage erscheint als klares Votum für einen Verbleib Großbritanniens in der EU. „Am Vorabend der Verhandlungen sagen uns die Wirtschaftslenker auf beiden Seiten des Ärmelkanals: Im Falle eines Brexit haben wir alle viel zu verlieren“, sagte Aart de Geus, Vorstandvorsitzender der Bertelsmann-Stiftung. „Die Befürchtungen für Arbeitsplatz- und Wohlstandsverluste sind reale Bedrohungen. Die europäischen Regierungschefs haben daher eine enorme Verpflichtung, jetzt Kompromisse zu finden.“

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