Home
http://www.faz.net/-gqg-76cgz
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, HOLGER STELTZNER
easyfolio

Deutsche Ökonomen warnen Ablehnung für Hollandes Wechselkurs-Vorstoß

Erst wird vor einem „Währungskrieg“ gewarnt, dann forderte Frankreichs Präsident Hollande einen schwächeren Euro. Jetzt wehren sich deutsche Ökonomen. Und warnen davor, an weiteren Grundfesten der Währungsunion zu rütteln.

© dpa Vergrößern Unter deutschen Ökonomen herrscht nur wenig Begeisterung über Hollandes Wechselkurs-Vorstoß.

Der Vorstoß des französischen Präsidenten zu einer Wechselkurssteuerung ist in Deutschland überwiegend auf Ablehnung gestoßen. Die meisten von der F.A.Z. befragten deutschen Volkswirte äußerten sich äußerst skeptisch. „Der Vorschlag entspringt typisch merkantilistischem Denken französischer Provenienz“, sagte Wirtschaftsweise Lars Feld. Hollande hatte die Aufwertung des Euro beklagt, weil sie Exporte erschwert und die Reformen für mehr Wettbewerbsfähigkeit konterkariere. Die Europäische Zentralbank sollte sich davor hüten, dem Ansinnen Hollandes zu folgen, sagte das deutsche Sachverständigenratsmitglied. „Ein Wechselkursziel kann in Konflikt mit ihrem Mandat der Sicherung der Preisstabilität geraten“, warnte Feld. Außerdem gebe es bei einer einseitigen Fixierung von Wechselkursen die Gefahr von Währungskonflikten. Beobachter warnen schon seit längerem vor einem möglichen „Währungskrieg“, der in einem Abwertungswettlauf enden könnte.

Philip Plickert Folgen:     Philipp Krohn Folgen:     Christian Schubert Folgen:      

Michael Kemmer, der Hauptgeschäftsführer des Bankenverbandes, warnte ebenfalls vor einer Wechselkurs-Politik für die Eurozone, die darauf zielt, Exporte und Wettbewerbsfähigkeit zu steigern: „Die Wettbewerbsfähigkeit einzelner Euro-Staaten oder des gesamten Euro-Raums lässt sich nicht mit einem politisch gesteuerten Wechselkurs sichern. Für die ehrgeizigen und - zugegebenermaßen - auch sehr mühsamen Strukturreformen in Europa gibt es keine billigen Ausflüchte“, sagte Kemmer. Eine aktiv gesteuerte Wechselkurspolitik würde zudem ein enormes Konfliktfeld mit der Europäischen Zentralbank (EZB) und deren Ziel der Preisniveaustabilität eröffnen. Damit würde „an weiteren Grundfesten der Währungsunion gerüttelt“.

Abfuhr auch vom neuen DIW-Präsidenten

Eine harte Abfuhr erteilte auch Marcel Fratzscher, der neue Präsident des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW), dem Vorstoß aus Paris: „Die Forderung nach einer aktiven Wechselkurspolitik für den Euro ist gefährlich und falsch“, sagte er der F.A.Z.. „Sie ist gefährlich, weil eine solche Politik zu Verzerrungen in der Realwirtschaft und auf Finanzmärkten führt, und zumeist politisch motiviert ist. Die Erfahrung vieler Länder mit einer solchen Politik ist, dass sie hohe finanzielle Kosten für den Staat und den Steuerzahler verursacht“, sagte Fratzscher, der bis vor kurzem in der EZB arbeitete.

Lediglich der Wirtschaftsweise Peter Bofinger nannte es „grundsätzlich richtig, sich über eine neue Wechselkursordnung Gedanken zu machen“. Die Wechselkurse spiegelten zu oft nicht die fundamentalen Daten wieder. Der Duisburger Makroökonom Ansgar Belke fragte hingegen sarkastisch, ob eine aktive Politik zur Schwächung des Euro nicht mehr nötig sei, da die „Tendenz ohnehin in Richtung einer Liraisierung gehe“. „Eine Schwächung des Euro zu Gunsten der Handelspartner würde eine noch expansivere Geldpolitik der EZB als bisher erfordern“, sagte Belke.

1 | 2 Nächste Seite   |  Artikel auf einer Seite
 
 ()
   Permalink
 
 
 

Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

Weitere Empfehlungen
Paris präsentiert Reformen Frankreich startet Liberalisierungsoffensive

Niederlassungsfreiheit für Notare, kürzere Arbeitsgerichtsprozesse, Geschäftsöffnung am Sonntag: Brechen in Frankreich jetzt andere Zeiten an? Mehr Von Christian Schubert, Paris

10.12.2014, 17:32 Uhr | Wirtschaft
Bagdad veröffentlicht Video von Luftangriffen

Das Verteidigungsministerium in Bagdad veröffentlichte am Montag Bilder von Luftangriffen. Der Vorstoß sei von den Luftwaffen der USA und Iraks unterstützt worden, sagte ein Sprecher der irakischen Armee. Mehr

18.08.2014, 16:18 Uhr | Politik
Geldpolitik 1000-Milliarden-Anleihekauf brächte nur Mini-Inflationsschub

Die EZB erwägt das größte Anleihekaufprogramms ihrer Geschichte. Welche Folgen es haben wird, ist unklar. Simulations-Rechnungen zeigen nach Informationen der F.A.Z. nur geringe Effekte. Mehr Von Philip Plickert

09.12.2014, 16:07 Uhr | Wirtschaft
Entsetzen über Mord an französischer Geisel

Frankreichs Staatschef François Hollande und US-Präsident Barack Obama haben die Ermordung des in Algerien entführten Franzosen durch Islamisten verurteilt. Eine Gruppe, die der Dschihadisten-Organisation Islamischer Staat (IS) nahesteht, hatte den Bergführer verschleppt und mit seiner Tötung gedroht, falls Paris nicht seine Luftangriffe auf den IS im Irak einstellt. Mehr

25.09.2014, 15:12 Uhr | Politik
Konjunkturprogramm für Europa Die gute Ölkrise

Vor 40 Jahren beendete ein dramatischer Anstieg des Ölpreises das Wirtschaftswunder. Jetzt wird Öl billig wie lange nicht. Und die Welt freut sich. Mehr Von Christian Siedenbiedel

13.12.2014, 16:18 Uhr | Finanzen
   Permalink
 Permalink

Veröffentlicht: 06.02.2013, 16:51 Uhr

Der Dauerstreik

Von Carsten Knop

Die Amazon-Mitarbeiter streiken, nur kaum jemand merkt es. Doch in den Versandzentren tut sich was. Mehr 2 10


Die Börse
Name Kurs Änderung
  Dax --  --
  F.A.Z.-Index --  --
  Dow Jones --  --
  Euro in Dollar --  --
  Gold --  --
  Rohöl Brent --  --

Grafik des Tages Lehrer und Schüler sind zufrieden mit der Computerausstattung an Schulen

Lehrer und Schüler sind eigentlich zufrieden mit ihrer Internet- und Computer. Doch welche Gruppe ist kritischer mit der Ausstattung? Mehr 1