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Veröffentlicht: 10.09.2014, 18:59 Uhr

Netzausbau Dem deutschen Mittelstand ist die Digitalisierung egal

Politiker dringen auf einen Netzausbau. Doch gerade kleinere Unternehmen sehen wenig Bedarf für Informationstechnologie. Geht es nach ihnen, wird sich daran auch so schnell nichts ändern.

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© dpa Digital ist nicht gefragt: Mittelständischer Betrieb wie hier in Sachsen-Anhalt wollen nur 5 Prozent ihres Investitionsbudgets in digitale Technologien stecken.

Da wird die Bundeskanzlerin überrascht sein: Im deutschen Mittelstand stellt ein gutes Drittel aller Unternehmen fest, dass das Thema „Digitalisierung“ für sie überhaupt nicht relevant sei. Gleichgültig, ob die Bundesregierung eine „Digitale Agenda“ zum Ausbau der Breitbandnetze verfolgt oder Angela Merkel zur Eröffnung der jüngsten Hannover Messe zur Eile mahnt, um in Fragen der Digitalisierung der Industrie nicht den Anschluss zu verlieren: Für 70 Prozent der deutschen Betriebe mit einem Umsatz von unter 5 Millionen Euro im Jahr hat die Digitalisierung im Herstellungs- und Wertschöpfungsprozess kaum oder gar keine Relevanz. Deshalb ist die Digitalisierung auch nur bei der Hälfte aller mittelständischen Unternehmen mit einem Umsatz von bis zu 125 Millionen Euro Teil der Geschäftsstrategie.

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Das sind die Ergebnisse einer Studie, die das Marktforschungsinstitut GfK Enigma in Wiesbaden im Auftrag der DZ Bank erstellt hat. Befragt wurden 1000 Unternehmen - und die Daten sind taufrisch. Denn sie wurden erst im Juli dieses Jahres erhoben. „Auch uns haben die Ergebnisse überrascht“, stellt dazu das DZ-Bank-Vorstandsmitglied Stefan Zeidler fest: „Ganz eindeutig werden die Chancen, welche die Digitalisierung bietet, in einem großen Teil des Mittelstandes nicht erkannt. Es überwiegen die Ängste.“

Die Zahlen belegen tatsächlich, dass 90 Prozent der befragten Unternehmen Sorgen zur Sicherheit der Daten umtreiben. Zudem wird von fast genauso vielen Unternehmen befürchtet, dass man mit einem stärkeren Einsatz von Informationstechnologie auch in eine größere Abhängigkeit von der technischen Infrastruktur gerät. Und auch auf die Transparenz und den Margendruck, den die Digitalisierung der Prozesse in der Regel hervorbringt, hat man im Mittelstand keine große Lust.

Big Data funktioniert nicht nur im Kopf

Dass man mit Hilfe der modernen Technik allerdings im Gegenzug auch völlig neue Märkte erschließen könnte, glauben gerade einmal 44 Prozent der Befragten. Dabei wird gerade das von den Anbietern neuer Hard- und Software als ein wichtiger Vorteil herausgestellt. Die Realität hingegen sieht anders aus: Wenn investiert wird, dann geschieht das in den Unternehmen viel eher, um durch effizientere Prozesse die Kosten zu senken, nicht aber um Wachstumschancen zu nutzen.

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„Dass die moderne IT vor allem dem Vertrieb helfen kann, wird in den Investitionsplanungen zu wenig berücksichtigt“, sagt Zeidler. So vertraue der in der Regel familiengeführte deutsche Mittelstand zu sehr auf die Kraft der persönlichen Kontakte, die Chef und Senior-Chef in der Vergangenheit aufgebaut hätten: „Es kann aber sein, dass auf der anderen Seite irgendwann die Ansprechpartner wechseln und man sich auf neue Anforderungen einstellen muss.“ Deshalb sei es sinnvoll, jetzt eben doch in Customer-Relationship-Management (CRM)-Systeme zu investieren, die es ermöglichten, Kundenwünsche und -vorlieben systematisch nachzuverfolgen. Hier gelte es, die Mittelständler zu überzeugen, dass „Big Data“ nicht allein im Kopf funktionieren kann.

Infografik / Der analoge deutsche Mittelstand (Part 1) © F.A.Z. Vergrößern Die Mehrheit der Mittelständler sieht keine neuen Absatzmärkte durch die Digitalisierung.

Am fortschrittlichsten in Fragen der Digitalisierung geben sich in der Umfrage die Vertreter der Ernährungs- und Agrarwirtschaft, was zunächst eine Überraschung ist, aber mit einem erheblichen Margendruck einerseits und der hochtechnisierten modernen Landwirtschaft andererseits zusammenhängen dürfte. Am anderen Ende der Skala finden sich die Vertreter aus Baugewerbe und Handel, was Letztere für die Herausforderung durch Online-Händler wie Amazon, Zalando & Co. besonders anfällig macht.

Viele Unternehmen haben NAchholbedarf

Auch mit Blick auf die zukünftige Relevanz der IT sehen die Umfrageergebnisse aus der Sicht der Hersteller von Hard- und Software nicht besser aus. Die breite Mehrheit der kleineren Betriebe erwartet nämlich, dass auch künftig digitale Technik in der Herstellung und Wertschöpfung des eigenen Hauses nicht wichtiger wird. Das jedenfalls gilt mit einer Perspektive von drei Jahren.

Infografik / Der analoge deutsche Mittelstand (Part 2) © F.A.Z. Vergrößern Die Grafik zeigt: je größer der Umsatz desto größer die Bereitschaft Digitalisierung als Geschäftsstrategie zu benutzen

Im Saldo mündet die Situation in eine sehr unterdurchschnittliche Investitionsbereitschaft für IT-Anschaffungen. „Von den Unternehmen bis 5 Millionen Euro Umsatz wollen 55 Prozent höchsten 5 Prozent ihres gesamten Investionsbudgets in digitale Technologien stecken“, sagt Zeidler. Dabei schlagen zwei Herzen in der Brust des Bankers. Zum einen weiß er, dass die Zahlen auch deshalb so ausfallen, weil es einem großen Teil der entsprechenden Unternehmen derzeit einfach sehr gut geht. Insofern sei kein Handlungsdruck vorhanden.

Infografik / Der analoge deutsche Mittelstand (Part 3) © F.A.Z. Vergrößern Analoge Zukunft: Der Mittelstand sieht wenig Zukunft für digitale Technologien

Zum anderen müsse man aber auch künftige Entwicklungen wie eben die Entstehung des Internets der Dinge und damit die Digitalisierung aller industriellen Wertschöpfungsketten im Auge behalten. „Unsere Berater versuchen unsere Kunden darauf hinzuweisen, wenn sie in der IT sehr großen Handlungsbedarf erkennen“, sagt Zeidler. Aber viele Kunden suchten auch zu selten ihren Berater auf, um allein nur zu erfahren, mit welchen digitalen Produkten die Bank weiterhelfen könnte. Gut sei unter diesem Aspekt allerdings, dass vor Jahren Ratings eingeführt worden seien, die nun der Kreditvergabe vorgeschaltet sind. „Viele Kunden begreifen diese Ratings als Schulnote - und sie fragen dann danach, wo sie besser werden können“, sagt Zeidler. In vielen Fällen gehört die IT dazu.

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