02.11.2006 · Es zeichnete sich schon seit Tagen ab, daß es mit dem Börsengang der Bahn nichts mehr wird. Nun dreht auch Bahnchef Mehdorn bei und schließt ein Scheitern der Börsenpläne nicht mehr aus. Überraschend zuversichtlich gibt sich das Verkehrsministerium.
Nach Koalition und Regierung stellt sich auch die Deutsche Bahn auf ein Aus für den geplanten Börsengang ein. Das Bundesverkehrsministerium hat sich dagegen überraschend zuversichtlich über einen möglichen Verhandlungserfolg bei den Koalitionsgesprächen über den Börsengang geäußert. Es wies damit die aktuellen Äußerungen von Bahn-Chef Mehdorn über ein wahrscheinliches Scheitern der Gespräche zurück.
„Das ist möglicherweise das Wahrscheinlichste“, hatte Mehdorn am Donnerstag in Berlin gesagt. Einen Rücktritt lehnte Mehdorn, der den Börsengang seit Jahren forciert hatte, ab. „Ich bin kein Handtuch-Werfer“, sagte der Bahn-Chef. Mehdorn beteuert,er habe mit dem Börsengang keine persönlichen Ziele verfolgt. „Ich brauche kein Denkmal.“ Die Strategie des Konzerns werde bei einem Verzicht auf den Börsengang allerdings geändert.
Enttäuscht und traurig
Trotz seiner Skepsis kündigte der Bahn-Chef an, bis zuletzt für eine Privatisierung des Unternehmens mit Netz zu kämpfen. „Wir sind ein bißchen enttäuscht, ein bißchen traurig“, sagte der Konzernchef zu dem monatelangen Streit in Koalition und Regierung über das Projekt. In einem Brief an Bundeskanzlerin Angela Merkel, der der Nachrichtenagentur Reuters vorliegt, hatte Mehdorn bereits große Zweifel am Börsengang geäußert. Auch Bundesverkehrsminister Wolfgang Tiefensee hatte zuletzt erklärt, ein Scheitern sei denkbar. Vertreter von SPD und Union hatten bereits vergangene Woche erklärt, sie erwarteten in den nächsten Monaten keine ernsthaften Verhandlungen mehr.
Im Kern streiten Experten - auch innerhalb der großen Koalition - darüber, ob das Staatsunternehmen mit oder ohne Schienennetz privatisiert werden soll. Ein neues Treffen von Regierungs- und Koalitionsexperten ist für den 8. November geplant.
Mehdorn bruach zwei Milliarden Euro
Bahnchef Mehdorn will wie Tiefensee und Teile der SPD die Bahn mit Schienennetz privatisieren. Die Union ist für eine Trennung dieses Bereichs vom Konzern. Sie fürchtet andernfalls einen zu geringen staatlichen Einfluß auf den Ausbau des Netzes sowie eine Diskriminierung von Wettbewerbern.
Mehdorn hatte in dem Brief an Merkel geschrieben, sein Unternehmen brauche im Falle der Absage des Börsengangs zwei Milliarden Euro vom Eigentümer, also dem Staat. Der Vorstandschef des hochverschuldeten Konzerns sagte, das Geld brauche er etwa für den Ausbau einer europäischen ICE-Flotte. Er verwies auf die anstehende Öffnung der Märkte in Europa, die zu einem harten Konkurrenzkampf führen werde.
In jedem Fall werde der Konzern sich neue Ziele setzen müssen und könne die bisherige Strategie so nicht mehr verfolgen. Für das nächste Jahr betonte Mehdorn aber, daß das Konzernergebnis sich erneut verbessern werde.
Privatisierung der Bahn
Jens Harke (jha2000)
- 02.11.2006, 14:34 Uhr
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