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Demographie Woher kommen die Babys?

24.07.2007 ·  Die Deutschen bekommen wieder mehr Kinder. Schuld ist weder die WM, noch das Elterngeld: Zu verdanken haben wir's in Wirklichkeit der guten Konjunktur. Von Lisa Nienhaus.

Von Lisa Nienhaus
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Dieser Tage fällt eine Last von den Schultern der jungen Akademikerinnen. Seit einigen Jahren müssen sie sich wahlweise als kinderfeindlich beschimpfen lassen, weil sie angeblich zu wenig Nachwuchs bekommen. Oder sie werden zu Heroinen stilisiert, die demnächst nicht nur immer besser ausgebildet sind, sondern - dank Elterngeld und mehr Anerkennung von Müttern - nach dem fixen Studium und neben dem anspruchsvollen Vollzeitjob auch noch mit vier bis sieben Kindern jonglieren. Die zuständige Ministerin macht's vor. Doch jetzt verschaffen die Statistiker den jungen Frauen eine Verschnaufpause. Zum ersten Mal nach zehn Jahren rückläufiger Geburtenzahlen gibt es wieder mehr Babys in Deutschland.

Zwar betont das Statistische Bundesamt, dass die Zunahme im ersten Quartal 2007 nur 0,4 Prozent betrage und deshalb von einem Boom nicht die Rede sein könne. Doch 600 Kinder mehr in drei Monaten sind hoffentlich 600 zukünftige Steuerzahler mehr, 600 Kranken- und Rentenversicherungseinzahler mehr, vielleicht auch 600 baldige Facharbeiter mehr, die für Wachstum sorgen. Da schlägt das Herz des Deutschen höher, der sich längst - aufgeklärt durch alle Medien - in der demographischen Katastrophe und dem Kampf der Generationen wähnte.

Noch immer sterben deutlich mehr Menschen

600 Kinder zu den Rettern der Republik zu stilisieren ist natürlich zynisch, denn immer noch sterben deutlich mehr Menschen, als Kinder geboren werden. Es hätten im ersten Quartal 2007 noch einmal 57.000 Babys zusätzlich auf die Welt kommen müssen, um den wiederholten Bevölkerungsrückgang zu verhindern. Doch Hoffnung ist nicht rational. So begeistern die neuen Babys Politiker, Statistiker und Medien - und alle suchen nach einer Erklärung für den Kindersegen.

Die einen glauben an den Euphorie-Effekt der Fußball-Weltmeisterschaft, obwohl dieser nicht einmal wie erwartet zum Aufschwung des vergangenen Jahres beigetragen hat. Die anderen sehen den Boom als Folge des Elterngeldes, das seit Januar gezahlt wird. Familienministerin Ursula von der Leyen gib sich verhalten optimistisch. „Wenn damit der jahrelange Geburtenrückgang gestoppt ist, sind wir auf dem richtigen Weg“, sagt sie.

Boomphasen sind auch Babyboomphasen

Ob das Elterngeld wirklich so schnell eine Verhaltensänderung herbeiführen konnte, ist fraglich. Viel wahrscheinlicher ist, dass es schlicht und einfach die gute Konjunktur und der Rückgang der Arbeitslosigkeit im vergangenen Jahr waren, welche die Lust, ein Kind in die Welt zu setzen, genährt haben. Wie in fast jedem Land der Welt schwankt auch in Deutschland die Geburtenzahl entlang der Entwicklung des Bruttosozialprodukts. In Rezessionszeiten bekommen die Deutschen grundsätzlich weniger Kinder als in Boomphasen.

Das ist leicht zu verstehen, entscheidet man sich doch leichteren Herzens für Nachwuchs, wenn beide Partner einen festen Job haben, das Einkommen für die nächsten zwei Jahre gesichert ist und der Wiedereinstieg in den Beruf nach der ersten Betreuungsphase unproblematisch erscheint. Dieser Anreiz gilt besonders für Akademiker. Wegen der langen Ausbildungszeit ist es ihnen sehr wichtig, schnell wieder in die Arbeitswelt zurückkehren zu können. Es ist also durchaus denkbar, dass gerade die in familienpolitischer Hinsicht gescholtenste Bevölkerungsgruppe nun für den Geburtenanstieg sorgt.

Das Elterngeld kann diesen Effekt nur noch verstärken. Gerade in Zeiten guter Verdienste schafft es Anreize für Eltern, zur Kinderbetreuung aus dem Arbeitsleben auszusteigen, denn mit höherem Verdienst gibt es auch mehr Elterngeld. So bleibt die Konjunktur einer der wichtigsten Faktoren für die Geburtenrate.

Quelle: Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung, 22.07.2007, Nr. 29 / Seite 30
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Jahrgang 1979, Redakteurin in der Wirtschaft der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

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