11.11.2009 · Die Bundesagentur für Arbeit reagiert auf einen abermaligen Fall von Datenmissbrauch und verschärft die Zulassung für ihre Internet-Jobbörse. Zuvor hatte die BA bekannt gegeben, dass 2500 fiktive Stellenangebote auf dem Internet-Portal gelandet seien - offenbar um Bewerberdaten abzuschöpfen.
Von Sven AstheimerDie Jobbörse der Bundesagentur für Arbeit (BA) ist Ziel eines großangelegten Datenmissbrauchs geworden. Wie die Behörde am Dienstag mitteilte, soll das Berliner Personalberatungsunternehmen Econsulting24 Ltd. 2500 fiktive Stellenangebote auf das Internet-Portal gestellt haben, um an die Daten möglicher Bewerber zu gelangen. Die Bundesagentur reagierte auf diesen und ähnliche Vorfälle und verschärft die Zulassungsbedingungen für Arbeitgeber, wie BA-Vorstandsmitglied Raimund Becker gegenüber der F.A.Z. sagte. Künftig soll die Pflicht zur Angabe der Betriebsnummer dubiose Anbieter abschrecken. Diese Kennzahl braucht jedes Unternehmen mit Angestellten unter anderem zur Abrechnung mit den Sozialkassen.
„Gegebenenfalls müssen die Unternehmen auch noch weitere Unterlagen nachreichen“, sagte Becker. Damit kommt die Behörde einer Forderung von Datenschützern nach. Der Bundesdatenschutzbeauftragte Peter Schaar hatte erst kürzlich vor dem zu laxen Zulassungverfahren gewarnt. Ein Sprecher Schaars zeigte sich mit der Neuregelung zufrieden.
Größter bekanntgewordener Verdachtsfall
Die Vorgänge um Econsulting24 sind der mit Abstand größte bekanntgewordene Verdachtsfall von Datenmissbrauch im Zusammenhang mit der Jobbörse. Nachdem das Unternehmen während einer routinemäßigen Kontrolle aufgrund der hohen Stellenzahl aufgefallen war, versuchten Agenturmitarbeiter Kontakt aufzunehmen und die Angaben zu überprüfen. Weil dies nicht gelang, wurde das komplette Arbeitgeberprofil in der Nacht zum Dienstag aus der Datenbank gelöscht, sagte eine Behördensprecherin.
Die Stellen richteten sich an Ärzte, Sozialpädagogen, Ingenieure, Manager und Piloten. Zudem wurden rund 500 weitere Angebote von Schwestergesellschaften entfernt, für die der gleich Verdacht bestand. Econsulting24 war auch am Dienstag telefonisch nicht zu erreichen. Es ist nicht der erste derartige Vorfall. Im Winter hat die BA einen privaten Arbeitsvermittler gesperrt.
Jobbörse umfasst Profile von mehr als 3,8 Millionen Bewerbern
Derzeit umfasst die Jobbörse die Profile von mehr als 3,8 Millionen Bewerbern und Angebote von mehr als 400.000 Arbeitgebern. Die meisten Stellen werden über örtliche Arbeitsagenturen eingegeben, die für die Unternehmen auch eine Vorauswahl unter den eingehenden Bewerbungen treffen. Jedes dritte Angebot wird aber von Arbeitgebern direkt ins Netz eingespeist. Vor allem von diesen Eingaben sortiert ein zehnköpfiges Team der BA offiziellen Angaben zufolge 100 bis 200 in der Woche aus, weil Zweifel an deren Seriosität bestehen.
Generell bestehe die Gefahr fiktiver Stellenangebote natürlich auch bei privaten Internetplattformen oder Zeitungsinseraten, räumen die Datenschützer ein. „Geschieht dies auf der Seite einer offiziellen Behörde, bekommt das aber nochmal eine andere Qualität“, sagte Schaars Sprecher. In der Regel handele es sich bei Arbeitssuchenden um Personen, die sich in einer gewissen Zwangslage befänden. Allein aus dieser Information lasse sich mitunter schon Kapital schlagen, etwa für Anbieter vermeintlich attraktiver Kredite. Noch heikler werde es, wenn sensible Daten etwa über die Lebensumstände oder den Gesundheitszustand der Arbeitssuchenden in falsche Hände gerieten. Deshalb rät der Datenschützer verunsicherten Benutzern, mit Angaben im Profil sparsam umzugehen, da viele Felder nicht ausgefüllt werden müssen.
Der Staat hat den schlechtesten Datenschutz
Marko Hrbat (Hrbat)
- 11.11.2009, 01:29 Uhr
Achja?
Claudia Klose (Close)
- 11.11.2009, 11:20 Uhr
Verantwortlichkeiten
St. Koch (Pensacola)
- 11.11.2009, 11:41 Uhr
Sven Astheimer Jahrgang 1972, Redakteur in der Wirtschaft, zuständig für „Beruf und Chance“.
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