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Christine Lagarde Artig im Dienste von Sarkozy

16.03.2010 ·  Mit ihrer außenwirtschaftlichen Analyse und Deutschland-Kritik hat Christine Lagarde für Aufsehen gesorgt. Doch was für eine Person verbirgt sich hinter der resoluten, aber selten polemisch auftretenden französischen Finanzministerin? Ein Portät.

Von Christian Schubert
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Marc Touati, Finanz- und Wirtschaftsspezialist beim französischen Brokerhaus Global Equities, hatte am Montag keine freundlichen Worte für die Finanz- und Wirtschaftsministerin seines Landes übrig. Dass Christine Lagarde in einem Interview mit der „Financial Times“ das deutsche Wirtschaftsmodell mit seinem Schwerpunkt auf dem Export angegriffen habe, sei eine „deplazierte Einmischung“. „Es ist Zeit für eine Regierungsumbildung. Man spricht bereits von Christine Lagarde als Außenministerin. Das wäre eine gute Nachricht“, meinte der Franzose.

Touatis Analysen geben freilich nicht immer die Mehrheitsmeinung der französischen Wirtschaftsexperten wider. Das gilt wohl auch in diesem Fall. So werden Lagardes Kommentare über den Nachbarn zu Hause keinen politischen Schaden anrichten. Man rümpft in Frankreich schon länger die Nase über die Lohnzurückhaltung der deutschen Gewerkschaften und die dadurch entstandene Senkung der Lohnstückkosten in Deutschland, zumal sie den französischen Export empfindlich stören. Lagarde hat diese außenwirtschaftliche Analyse nun wiedergegeben und damit auch noch einigen anderen kleineren europäischen Staaten aus der Seele gesprochen. Pragmatisch wie sie ist, hängt sie ohnehin keiner bestimmten volkswirtschaftlichen Theorie an. Sie ist eine hochkarätige Juristin, die sich rasch in die Wirtschafts- und Finanzthemen eingearbeitet hat. Das gilt vor allem für Regulierungsfragen im Bankenwesen, die seit der Finanzkrise äußerst gefragt sind. Ein besonderes wirtschaftspolitisches Profil als ein Befürworter von viel oder wenig Staat oder von einer bestimmten Mission ihres Ministeriums hat sie dabei nicht entwickelt.

Für französische Verhältnisse lange gehalten

Gerade deshalb hat sich Lagarde für französische Verhältnisse auch so lange gehalten. Seit gut zwei Jahren ist sie im Amt - und damit länger als die meisten ihrer Vorgänger. Finanzminister, die wie in Großbritannien etwa mit Gordon Brown zehn Jahre bleiben, gebe es in Frankreich leider nicht, bemängelte kürzlich der französische Präsident Sarkozy. Dabei betrachtet er „Bercy“ - so Name und Ort des Finanzministeriums in Paris - ebenso wie die Vorgänger als seinen Vorgarten mit freier Gestaltungshoheit. Der Haltbarkeit der Finanzminister ist das bisher nicht gut bekommen.

Madame Lagarde freilich hat sich trotz aller Fallstricke geschickt in der politischen Landschaft Frankreichs verankert. Lange scheint es her, als sie es einmal im Radio wagte, ein Regierungsprogramm mit „rigueur“ zu charakterisieren. Die Franzosen verbinden mit dem Wort nicht nur „Strenge“, sondern gleich ein ganzes Kahlschlag-Programm nach Geschmack einer Margaret Thatcher. Von solcher Radikalität will Lagarde heute nichts wissen. Nachdem sie ihr ganzes Berufsleben bis 2005 bei der amerikanischen Anwaltskanzlei Baker MacKenzie verbrachte - deren Chefin sie in den letzten Jahren sogar war -, hat sie sich die französischen Sensibilitäten wieder angelernt und stellt sich nun artig in den Dienst von Sarkozy. Dies gefällt dem Präsidenten so gut, dass Teile der französischen Presse sie sogar schon als mögliche Kandidatin für den Posten des Premierministers sehen. Trotz dieser politischen Gewandtheit schätzen ihre Mitarbeiter im Ministerium, dass sie sachorientiert geblieben ist, gründlich ihre Akten studiert und selten polemisch wird. Die ehemalige Synchron-Schwimmerin gilt auch als teamfähig. Die Kompetenzaufteilung mit dem für den Haushalt zuständigen Minister Eric Woerth hat bisher jedenfalls funktioniert.

Glänzen kann Lagarde besonders auf dem internationalen Parkett. In ihrer aparten Erscheinung und mit ausgezeichnetem Englisch schafft die 54 Jahre alte Französin schnell eine günstige Chemie mit vielen ihrer Amtskollegen. Auch in den ausländischen Medien bekommt ihr das gut. Kein anderer französischer Politiker würde sich beispielsweise in die amerikanische „Daily Show“ von Jon Stewart wagen, der dort seine Gäste eigentlich immer nur verulkt. Sie jedoch verlor nichts von ihrer ministeriellen Würde - und schaffte es, dem Talkshow-Master sogar eine französische Baskenmütze aufzusetzen.

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Jahrgang 1964, Wirtschaftskorrespondent in Paris.

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