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Donnerstag, 09. Februar 2012
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Chinas Notenbankchef Der Herrscher über die Volkswährung

13.11.2009 ·  Jeder Zungenschlag ist wichtig an den Finanzmärkten, wo viel Geld verdient werden kann, wenn man auf die richtige Währung setzt. Das könnte im Moment der Yuan sein. Der Chef der chinesischen Zentralbank Zhou Xiaochuan, den Amerikanern in einer Hassliebe verbunden, sorgt gerade für Aufsehen.

Von Christian Geinitz, Peking
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Äußerungen von den Präsidenten wichtiger Zentralbanken erinnern ein wenig an päpstliche Enzykliken: Wer daran glaubt, legt jedes Wort auf die Waagschale und stellt sein Handeln darauf ein. Der Pontifex der chinesischen Zentralbank heißt Zhou Xiaochuan, ist 61 Jahre alt, promovierter Wirtschaftsingenieur und Mitglied der Kommunistischen Partei. Spätestens seit Zhou in einer Rede im März eine Reform des internationalen Währungssystems anmahnte, um eine Wiederholung der Finanzkrise zu vermeiden, achten Politiker, Banker und Investoren in aller Welt auf seine Worte. In seiner Einlassung hatte der Sohn eines ehemaligen chinesischen Industrieministers und einflussreichen Kaders nicht weniger getan, als den Dollar als Weltreservewährung in Frage zu stellen. Seitdem bringt er die chinesische Valuta immer häufiger als Alternativmodell ins Gespräch.

Seit Mittwoch erregt eine weitere Mitteilung aus Zhous Haus in Asien und an den internationalen Finanzmärkten abermals großes Aufsehen (Apec diskutiert hitzig über Yuan). In dem Papier geht es um den Wechselkurs der "Volkswährung" (Renminbi), die auch Yuan genannt wird. Bisher hatte die Bank für einen, wie sie es nannte, "stabilen Außenwert" der nicht frei konvertierbaren Währung gesorgt. Das hieß seit Juli 2008, dass der Yuan im Kurs zum Dollar nur minimal schwanken durfte, um die Ausfuhr - Chinas wichtigsten Wirtschaftstreiber - in der Krise zu stützen. Kritiker, vor allem die anderen Exportnationen, sehen darin seit langem eine Wettbewerbsverzerrung, weil der Yuan sich nicht am Markt orientiere und die chinesische Wirtschaftskraft nicht wirklich wiedergebe. Sprich: Er werde künstlich schwächer gemacht, als er sei. Erfreut ist man deshalb, dass sich die Währungshüter um Zhou seit Mittwoch in ihrer Wechselkurssteuerung zu einem "proaktiven, kontrollierten und schrittweisen Vorgehen" bekennen, welches "internationale Kapitalströme und die Bewegungen wichtiger Währungen" berücksichtige. Darin sieht man die Vorboten einer möglichen Yuan-Aufwertung.

Immer spekulatives Kapital nach China

So weit, so verquast, möchte man denken, doch jeder Zungenschlag ist wichtig an den Finanzmärkten, wo viel Geld verdient werden kann, wenn man auf die richtige Währung setzt. Das könnte im Moment der Yuan sein. In Erwartung einer Aufwertung fließen seit Wochen riesige Summen spekulativen Kapitals nach China, und seit Mittwoch hat dieses Interesse noch zugenommen.

Einen Tag nach der Äußerung bemühte man sich in Peking, die Wogen etwas zu glätten. Die Regierung versicherte, man werde die Politik der kleinen Schritte zur Anpassung der Währung nicht ändern, schließlich habe sich dieses Vorgehen "für alle bezahlt gemacht". Das gilt sicher nicht für die auf ihren Export angewiesenen Europäer, deren Erholungsanstrengungen in der Krise unter ihrer starken Währung leiden. Es gilt aber auch immer weniger für die Chinesen selbst. Denn eine künstlich niedrig gehaltene Währung verteuert die Importe und holt damit ins Land, was Währungshüter wie Zhou fürchten wie der Teufel das päpstliche Weihwasser: die Inflation. Große Investmentunternehmen wie die Riverfront Investment Group erwarten, dass Zhous "Volksbank" den Yuan in den kommenden Jahren um bis 25 Prozent aufwerten muss, um der erwarteten Teuerung zu begegnen. Für 2010 könnte die Inflation schon 7 Prozent betragen, warnen die Geldverwalter.

Noch freilich herrscht bei den Verbraucherpreisen Deflation. Zhou hat mehrfach signalisiert, dass ihn die Erwartung einer stärkeren Inflation, wie er sie in den Boomjahren nach seinem Amtsantritt 2002 schon erlebt hat, nicht kaltlässt. Allerdings hat er diese Befürchtung bisher vor allem an die Geldmengenausweitung im Inland geknüpft. So ließ Zhou verlauten, die Bank spüre angesichts der in der Krise gelockerten Kreditvergabe eine "gewisse Wahrnehmung von Inflation". Deshalb gestalte man die Geldpolitik künftig "flexibler und nachhaltiger im Einklang mit dem Wirtschaftsklima und der Preisentwicklung".

Zhou, der einst die China Construction Bank leitete, gilt als Akademiker mit politischem Geschick, weshalb man ihm einen Posten in der Regierung zutraut. Mit den Amerikanern, die seiner Politik skeptisch gegenüberstehen, verbindet ihn eine Hassliebe. Er hält ihnen den unkontrollierten Finanzkapitalismus als eine der Ursachen für die Krise vor, gleichzeitig rekrutiert er gern Mitarbeiter, die in Amerika ihr finanzpolitisches Handwerk gelernt haben.

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