06.12.2011 · In der Chemiebranche sollen die Löhne von Leiharbeitern stufenweise an die der Stammarbeiter angeglichen werden. Darauf hat sich die IG BCE als erste deutsche Gewekschaft mit den Verleihfirmen geeinigt.
Von Henrike Roßbach, HannoverDie Chemiegewerkschaft IG BCE hat es als erste deutsche Gewerkschaft geschafft, die Zeitarbeitgeber zur Angleichung der Löhne von Leiharbeitern und Stammbeschäftigten zu bewegen. Die gleiche Bezahlung von Zeitarbeitern und Festangestellten (Equal Pay) ist schon lange ein Ziel der Gewerkschaften; besonders energisch hat die größte deutsche Gewerkschaft, die IG Metall, dieses Thema vorangetrieben.
Zunächst hatten die Gewerkschaften versucht, mit den Arbeitgeberverbänden ihrer Branchen Regelungen zu finden. Außer in der übersichtlichen Stahlindustrie ist das aber nicht gelungen. Die Metall- oder Chemiearbeitgeber pochten stets darauf, dass Zeitarbeiter nicht ihre Leute, sondern die Angestellten der Verleihfirmen seien. Daher schwenkte die IG BCE auf Verhandlungen mit den Zeitarbeitsfirmen um und erzielte nun den Durchbruch.
Am Montagabend verkündete IG-BCE-Chef Michael Vassiliadis in Hannover, seine Gewerkschaft habe mit dem Bundesarbeitgeberverband der Personaldienstleister (BAP) eine entsprechende Vereinbarung getroffen. Vorgesehen ist, dass Zeitarbeiter nach drei Monaten stufenweise Zuschläge erhalten, bis ihr Stundenlohn den der Stammbelegschaft erreicht. So verdient ein Zeitarbeiter in der untersten Lohngruppe des Tarifvertrags zwischen Deutschem Gewerkschaftsbund (DGB) und BAP 7,89 Euro. Ein Chemiearbeiter in Baden-Württemberg bekommt in der niedrigsten Entgeltgruppe dagegen 12,32 Euro. Diese Differenz soll künftig stufenweise abgebaut werden.
Allerdings steht das Vorhaben noch unter Vorbehalt: Erstens sollen auch die anderen Zeitarbeitgeberverbände - der BAP ist zwar der größte, aber nicht der einzige - mitmachen. Die Signale seien ermutigend, hieß es dazu in Hannover. Zweitens sollen die anderen DGB-Gewerkschaften mit ins Boot. Erst wenn es auch für deren Branchen Zuschlagssysteme gibt, tritt der IG-BCE-Vertrag in Kraft. Dahinter steckt, dass die Gewerkschaft mit ihrem Vorpreschen die DGB-Familie nicht verprellen will. Vor allem die IG Metall, der das Thema deutlich stärker unter den Nägeln brennt als der Chemiegewerkschaft, soll nicht bloßgestellt werden.
Einerseits wollte die IG BCE offenbar nicht warten, bis die Metaller den Durchbruch selbst erzielen. Andererseits will man die Partner in Frankfurt - als Industriegewerkschaften verfolgen IG Metall und IG BCE ähnliche Ziele - nicht um die Früchte ihrer Anti-Leiharbeitskampagne bringen. Also bietet die IG BCE eine Art Blaupause an. „Ich bin sicher, dass unsere Vereinbarung helfen wird, passgenaue Lösungen auch für andere Branchen zu finden“, sagte Vassiliadis.
IG-Metall-Chef Berthold Huber reagierte am Dienstag allerdings weniger enthusiastisch. Das Modell der IG BCE sei nicht auf die Metall- und Elektroindustrie übertragbar, sagte er und verwies darauf, dass seine Organisation Mitte Dezember entscheiden werde, mit welchen Forderungen sie in die Tarifgespräche mit den Zeitarbeitgebern geht.
Die IG BCE wird das kaum beunruhigen. Im Gegenteil, sie zeigte sich auch auf anderen Gebieten kampfeslustig: Selbstverständlich seien sie als Energiegewerkschaft die Interessenvertretung in der Solarbranche, sagte Vassiliadis am Montag - wohl wissend, dass dort auch andere um die Vorherrschaft konkurrieren. Auch den Arbeitgebern gegenüber gab er sich selbstbewusst: In der Tarifrunde 2012 würden sie für deutliche Verbesserungen der Einkommen sorgen; „es gibt keinen Finanzkrisenabschlag“.
Die Gegenseite wies darauf hin, dass schon der jüngste Abschluss mit 4,1 Prozent hoch gewesen sei. Was im Mai 2012 richtig sei, müsse man erst noch sehen. Der Volatilität der Märkte müsse die IG BCE jedenfalls Rechnung tragen.
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| FAZ-INDEX | 1.383,93 | +1,01% |
| Dow Jones | 12.504,50 | +1,09% |
| EUR/USD | 1,2790 | −0,13% |
| Rohöl Brent Crude | 109,25 $ | −0,05% |
| Gold | 1.592,50 $ | +0,19% |
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