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Bundesregierung : Chancen auf Ausbildungsplatz so gut wie nie

Besonders unbeliebter Ausbildungsberuf: Bäcker Bild: dpa

Wer eine Lehrstelle sucht, muss nicht mehr lange suchen. Im Gegenteil: In Ostdeutschland oder Bayern kann jede zehnte Lehrstelle nicht mehr besetzt werden. In manchen Branchen ist die Not besonders groß.

          Wer anstelle eines Studiums sein Arbeitsleben lieber mit einer praktischen Berufsausbildung beginnt, hat derzeit so gute Aussichten wie lange nicht: Die günstige Wirtschaftslage und der Fachkräftemangel sorgen dafür, dass die Unternehmen viele Lehrstellen anbieten. Da aber die Zahl der Schulabgänger sinkt und zugleich immer mehr Abiturienten an die Universitäten streben, stehen den Bewerbern auf dem Ausbildungsmarkt so viele freie Plätze gegenüber wie lange nicht mehr. Rechnerisch gab es im Jahr 2016 mehr als 104 Ausbildungsplätze für je 100 Bewerber. Zehn Jahre zuvor waren es noch weniger als 95. Das zeigt der neue Berufsbildungsbericht, den das Bundeskabinett am Mittwoch beschlossen hat.

          Dietrich Creutzburg

          Wirtschaftskorrespondent in Berlin.

          Die Zeiten, in denen jährlich hunderttausende Jugendliche vergeblich nach einer Lehrstelle suchten, sind damit offenkundig vorbei. Für viele Betriebe sei es dagegen schwieriger geworden, ihre Ausbildungsplätze zu besetzen, stellte Bildungsministerin Johanna Wanka (CDU) dazu fest. Insgesamt schlossen im vergangenen Jahr 520.300 junge Menschen einen Ausbildungsvertrag neu ab. Gleichzeitig blieben 43.500 Ausbildungsstellen unbesetzt, das sind so viele wie seit 1995 nicht mehr.

          Selbst im Norden und im Westen bessere Chancen

          Dies betrifft besonders kleine Betriebe, die sich im verschärften Wettbewerb um knappen Berufsnachwuchs am schwersten tun. „Sie resignieren weil sie keine Azubis mehr finden“, sagte Wanka. Die Gesamtzahl der Betriebe, die junge Menschen ausbilden, sank ihrem Bericht zufolge im vergangenen Jahr um 3600 auf 427.500. Unter den Kleinstbetrieben mit weniger als zehn Mitarbeitern sank sie aber sogar um 6800. Größere Betriebe legten hingegen sogar zu.

          Bild: BMBF / BIBB / F.A.Z.-Grafik

          Hinter der im Durchschnitt großen Auswahl für die Jugendlichen verbergen sich allerdings große Unterschiede je nach Berufsfeld und Region: In weiten Teilen Ostdeutschlands wie auch in Bayern blieb im vergangenen Jahr mehr als jeder zehnte Ausbildungsplatz unbesetzt. Demgegenüber fanden im Westen und Norden vielerorts immer noch mehr als 10 Prozent der Bewerber nicht auf Anhieb den gewünschten Platz. Doch auch dort haben sich die Verhältnisse in den vergangenen Jahren zugunsten der Bewerber verbessert.

          Zugleich gilt: Wer sich als Jugendlicher besonders für Tierpflege, Mediengestaltung, Elektronik oder Photographie interessiert, trifft auf dem Ausbildungsmarkt auch heute auf einen sehr scharfen Wettbewerb – die Lehrstellen für diese Berufsfelder sind sehr begehrt, aber überwiegend nicht allzu reichlich verfügbar. Dort hatten auch 2016 zwischen 25 und 48 Prozent der Jugendlichen mit ihren Bewerbungen keinen Erfolg. Genau umgekehrt ergeht es Gastronomen, Fleischern, Klempnern und Bäckern: Sie scheitern besonders häufig damit, überhaupt einen Lehrling für ihren Betrieb zu finden. Zwischen 24 und 34 Prozent der Lehrstellen in diesen Berufsfeldern blieben im vergangenen Jahr unbesetzt. Auch Beton- und Gerüstbauer tun sich zunehmend schwer, Berufsnachwuchs zu finden.

          Bild: BMBF / BIBB / F.A.Z.-Grafik

          Nach Wankas Analyse zeigt sich darin ein wachsendes „Passungsproblem“ auf dem Ausbildungsmarkt: Trotz einer rechnerisch ausreichenden Zahl an Lehrstellen gelingt es nicht, Nachfrage und Angebot zum Ausgleich zu bringen – wer Tierpfleger in Köln werden möchte, wird eben schwer für eine Fleischerlehre in Cottbus zu gewinnen sein. Dennoch gebe es durchaus einige Ansätze, um Knappheiten zu entschärfen, betonte Wanka. So könne noch mehr dafür getan werden, um junge Frauen für technische Berufe zu begeistern. Auch gelte es, die Mobilität der jungen Menschen stärker zu unterstützen – „zum Beispiel auch dadurch, dass der Betrieb dem Azubi einen Führerschein finanziert“, so die Ministerin.

          Manche Azubis verdienen später besser als Akademiker

          Ein Blick auf die Ausbildungsvergütungen zeigt, dass sich die geänderten Knappheitsverhältnisse dort schon spürbar ausgewirkt haben. Die durchschnittliche Vergütung für Lehrlinge stieg in den vergangenen Jahren durchweg stärker als der Durchschnittslohn der Arbeitnehmer. Im Jahr 2016 bekamen Azubis im Westen im Durchschnitt aller Berufe und über alle Lehrjahre hinweg 859 Euro im Monat, 3,2 Prozent mehr als im Vorjahr. Im Osten waren es 807 Euro, was sogar ein Plus von 4,9 Prozent ist. Gerade weniger beliebte Berufe haben zuletzt aufgeholt – freilich oft von niedrigem Niveau. Bäckerlehrlinge bekommen laut Bundesinstitut für Berufsbildung inzwischen im Durchschnitt 618 Euro im Monat. Maurer, Kaufleute und Mechatroniker bilden aber mit rund 1000 Euro weiter das Spitzenfeld.

          Bild: BMBF / BIBB / F.A.Z.-Grafik

          Die Duale Berufsausbildung steht allerdings auch insgesamt unter wachsendem Wettbewerbsdruck. So nahmen im vergangenen Jahr allein 511.000 junge Menschen ein Studium auf; diese Zahl hat sich damit innerhalb von zehn Jahren trotz der demographischen Entwicklung um mehr als ein Viertel erhöht. Die Zahl der Ausbildungsanfänger ging dagegen um mehr als ein Zehntel zurück.

          Das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) zeigte am Mittwoch, dass es für den Trend zum Studium gute Gründe gibt: Akademiker erzielten im Durchschnitt die höchsten Gehälter, und sie seien auch tatsächlich besonders gefragt – ihr Anteil an der Gesamtzahl der Erwerbstätigen habe sich seit 1991 von 12 auf 21 Prozent erhöht. Allerdings kann auch die Berufsausbildung ein Erfolgsweg sein, zumal wenn sich eine Fortbildung zum Meister oder Techniker anschließt: Deren Einkommen stünden jenen von Akademikern im Durchschnitt kaum nach, so das IAB. Und ihre Arbeitslosenquote liegt mit 1,8 Prozent sogar noch leicht unter der für Akademiker.

          Bild: BMBF / BIBB / F.A.Z.-Grafik

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          Quelle: F.A.Z.

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