http://www.faz.net/-gqe-77034

Bundesbankpräsident Weidmann : „Abwertungswettläufe kennen keine Gewinner“

  • Aktualisiert am

Bundsbankpräsident Weidmann warnt vor Angriffen auf die Notenbankunabhängigkeit Bild: dpa

Auch in Zukunft soll nicht mit Währungsmanipulation auf die in manchen Ländern schwierige Lage reagiert werden, sagt Bundesbankpräsident Jens Weidmann im Interview mit der F.A.Z. Außerdem sei auf Preisstabilität ausgerichtete Geldpolitik ein Beitrag zu stabilen Wechselkursen.

          Die G20 schwören Abwertungswettläufen ab und erklären, die Geldpolitik an der Preisniveaustabilität und am Wachstum auszurichten. Ist das mehr als ein Formelkompromiss?

          Es ist zunächst einmal eine erfreulich klare Ansage und Selbstverpflichtung. Die G20 sind sich einig, dass Abwertungswettläufe keine Gewinner kennen. Auch in Zukunft soll nicht mit Protektionismus und Währungsmanipulation auf die in manchen Ländern schwierige wirtschaftliche Lage reagiert werden. Das ist ein wichtiges Signal.

          Die Debatte über Wechselkurse und Währungskriege lenkt davon ab, dass im Kern die geldpolitischen Vorstellungen stark differieren. Sind die G20-Staaten sich in Moskau da näher gekommen?

          Klar ist: Wenn die Notenbanken in den einzelnen Ländern oder
          Währungsräumen ihre Politik -- trotz Unterschieden in den Mandaten -- auf Geldwertstabilität ausrichten, ist das auch ein wesentlicher Beitrag zur Wechselkursstabilität. Mir macht allerdings Sorge, dass die Geldpolitik zunehmend als einziger handlungsfähiger Akteur gesehen wird und von ihr
          immer mehr erwartet wird. Geldpolitik ist aber kein Allheilmittel.

          Ihre Kritik an Japan richtete sich eher gegen die Politisierung der Geldpolitik und der Bank von Japan als auf den Wechselkurs des Yen. Wo sehen Sie neben Japan die Unabhängigkeit von Zentralbanken gefährdet?

          Mir geht es um einen allgemeineren Punkt. Es geht mir um die
          generelle Tendenz, die Notenbankunabhängigkeit in Frage zu stellen. Im Übrigen nicht nur in der Politik, sondern teilweise auch in der akademischen Diskussion. Das halte ich für gefährlich. Es ist aber auch eine Folge der Verwischung der Grenzen zwischen Geld- und Fiskalpolitik im Zuge der Finanz- und Staatsschuldenkrise. In dem Maße, in dem Notenbanken quasi-fiskalische Aufgaben übernehmen, die sonst einer parlamentarischen Kontrolle unterliegen, wird ihre Unabhängigkeit hinterfragt werden.

          Rutschen wir global in eine Zeit hinein, in der Zentralbanken und die Geldpolitik nur noch als Anhängsel der Finanzpolitik verstanden werden und zum Teil dagegen auch nicht mehr aufbegehren?

          Das kann ich mir nicht vorstellen. Die historischen Erfahrungen,
          insbesondere in den 1970ern, haben doch deutlich gezeigt, dass
          Unabhängigkeit der Notenbanken zentral ist, für anhaltende Preisstabilität und Wachstum. Eine abhängige Notenbank, die auch noch auf viele andere Aufgaben verpflichtet wird, verliert das Ziel der Geldwertstabilität leicht aus dem Blick. Die Verlockung, Notenbanken zur politischen Konjunkturstimulierung oder zur Finanzierung von Staatsausgaben einzusetzen, ist eben sehr groß.

          Das Gespräch führte Patrick Welter.

          Quelle: FAZ.NET

          Weitere Themen

          Eröffnung des BER: Oktober 2020 Video-Seite öffnen

          Neuer Termin : Eröffnung des BER: Oktober 2020

          BER-Chef Engelbert Lütke Dalrup: „Die Eröffnung im Oktober 2020 ist auch dann belastbar, wenn neue Schwierigkeiten auftreten sollten. Wir haben ausreichende Sicherheitspuffer eingeplant.“

          Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben.

          Topmeldungen

          Neue Regierung : Österreichs Wirtschaft frohlockt

          Die neue Regierung aus ÖVP und FPÖ könnte den Standort Österreich in die Top-Liga zurückführen, glauben österreichische Geschäftsleute. Die Volkswirte sehen das allerdings deutlich skeptischer.

          Zweite Chance für die GroKo : Zwischen gestern und morgen

          Diese Woche traf sich der CDU-Bundesvorstand zur Besprechung der Wahlanalysen und zur Klärung der Frage, wie man der SPD begegnen solle. Es wurde deutlich: Für eine große Koalition gibt es noch allerhand Unwägbarkeiten.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.