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Dienstag, 18. Juni 2013
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Bundesbank-Präsident Webers Kapriolen

 ·  Mit seinen Karrierevolten führt Bundesbank-Präsident Weber die Regierung vor: Die Art, wie er in sein Ausscheiden stolpert, dürfte ihm nachhaltigen Schaden zufügen - und ist auch für die Kanzlerin eine Blamage.

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An dem Ruf des knorrigen und mitunter rücksichtslosen Machtmenschen hat Bundesbank-Präsident Axel Weber mit Nachdruck gearbeitet. Dass er ein manchmal polternder und „selten einfacher“ Mensch ist, wird in der Bundesbank längst achselzuckend hingenommen. Zu glänzend ist Webers fachliche Expertise und zu unumstritten sein internationaler Ruf. Doch die Art und Weise, wie er nun in sein Ausscheiden aus der Bundesbank stolpert, dürfte ihm nachhaltigen Schaden zufügen. Sollten sich die Hinweise bestätigen, dass es Weber zur Deutschen Bank zieht, könnte man sich kaum ungünstigere Umstände für einen Wechsel denken.

Mit seinem Bekenntnis, keine Lust mehr an seiner Arbeit als Notenbanker zu haben, hat Weber die Bundeskanzlerin Angela Merkel derartig vorgeführt, dass sie dies nicht so bald vergessen dürfte. Seine Ankündigung, dass er für eine zweite Amtszeit bei der Bundesbank nicht zur Verfügung stehen wird, kann man nur als Absage an Merkel verstehen. Noch am Dienstag galt Weber als der deutsche Kandidat für das Amt des nächsten Präsidenten der Europäischen Zentralbank. Merkel hatte sich für Weber stark gemacht und die Personalie am Rande der Verhandlungen über die Notkredite für finanzschwache Euro-Staaten eingebracht. Webers Rückzug ist eine Blamage. Denn Merkel hat weder einen Ersatz für die Bundesbank noch für die EZB parat. Sie wird die Forderung nach einem Deutschen an der Spitze der EZB aufgeben müssen.

Das Kaufprogramm blieb Streitpunkt

Was kann den Mann, der sich so zielstrebig und kraftvoll als einer der führenden europäischen Zentralbanker positioniert hat, zu einer solchen Volte veranlasst haben? Natürlich ist auch die Führung einer privaten Bank eine verlockende Aufgabe - und obendrein ungleich besser entlohnt als jedes öffentliche Amt. Doch das dürfte nicht der Hauptgrund für Webers Sinneswandel sein. Seine Distanzierung von der Welt der Notenbanker hat nach der ersten großen Rettungsrunde im Mai vergangenen Jahres begonnen, als der große Stabilisierungsfonds beschlossen wurde.

Damals begann die Europäische Zentralbank mit dem Kauf von Anleihen finanzschwacher Euro-Staaten. Weber opponierte nicht nur hinter verschlossenen Türen, sondern machte die Kritik sogleich öffentlich. Das handelte ihm die Abneigung nahezu aller anderen europäischen Notenbank-Gouverneure ein, selbst derer, die das Ankaufprogramm kritisch bewerteten.

Fortan blieb das Kaufprogramm ein Streitpunkt. Sowohl über Weber als auch über den EZB-Präsidenten Jean-Claude Trichet wird berichtet, sie hätten kopfschüttelnd und schimpfend Telefonkonferenzen mit dem jeweils anderen beendet.

Ausweg oder Sackgasse?

Diese Isolierung Webers innerhalb des EZB-Rats wäre eine schwere Hypothek für eine mögliche Präsidentschaft geworden. Gegen den geschlossenen Widerstand der anderen Ratsmitglieder hätte Weber seine Stabilitätspolitik kaum durchsetzen können. Ein Abrücken von Grundsätzen schloss er jedoch kategorisch aus, was seinen Spielraum als Präsident von Beginn an eingeschränkt hätte.

So mag Weber die Möglichkeit, neue Karrierewege zu gehen, wie die Rettung aus einer Sackgasse erschienen sein. Allerdings könnte der vermeintliche Ausweg in eine neue Sackgasse führen. Denn die Art und Weise des Ausscheidens wird böses Blut machen, zumal ein direkter Wechsel zu einer Großbank befremdlich wirken wird. Heute ist Weber Aufseher über die Banken, morgen soll er eine führen? Obendrein dürfte aus Sicht einer Bank Webers wesentlicher Vorzug seine Verbindung in die Politik sein. Dort hat er sich jedoch binnen eines Tages viele Sympathien verscherzt.

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Jahrgang 1968, Redakteur in der Wirtschaft.

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