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Bundesbank : Der seltsame Abgang des Axel Weber

Bild: Mart Klein, Miri Migliazzi

Innerhalb von einer Woche schmeißt der Bundesbank-Präsident alles hin. Was treibt ihn? Nachfolger von Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann wird er so jedenfalls nicht.

          Am Ende ist es ganz unspektakulär. Wortlos verlässt Axel Weber am Freitagnachmittag das Kanzleramt, nachdem er sich ein letztes Mal mit Angela Merkel ausgesprochen hat. Wenig später beendet eine knappe Mitteilung eine Woche voller Rätselraten und immer wieder abgesagter Erklärungen. Der Bundesbankpräsident hört am 30. April auf – „aus persönlichen Gründen“.

          Axel Weber wird nicht Präsident der Europäischen Zentralbank. Die Krönung der Karriere des 53 Jahre alten früheren Volkswirtschaftsprofessors ist abgesagt. Und Deutschland steht auf einmal ohne jede Chance da, das wichtigste Amt in der Eurozone noch für sich beanspruchen zu können – auch wenn die SPD flugs Peer Steinbrück als Ersatzkandidaten in Spiel brachte.

          Ein ganzes Land rätselt: Ist Axel Weber ein zweiter Horst Köhler, der unter der Bürde des Amtes die Nerven verlor? Oder ein kühl kalkulierender Karrierist, der Nachfolger von Josef Ackermann bei der Deutschen Bank werden will, und längst ein Millionengehalt statt des Notenbanker-Salärs sicher hat? Die Wirklichkeit ist wohl simpler: Weber hat zuletzt keine Chance mehr gesehen, in Würde Präsident der EZB zu werden – und zog die Konsequenzen.

          Weber wurde Opfer der eigenen Profilierungsbemühungen

          Der stolze und eigensinnige Professor sagte am Samstag dem „Spiegel“, er habe bei wichtigen Entscheidungen klare Position bezogen, die „für die Akzeptanz meiner Person nicht immer förderlich gewesen“ seien (siehe auch: Weber: „Glaubwürdigkeit dieses Amts“ beschädigt). Was er meint: Weber hat sich in der Eurokrise entschieden gegen den Ankauf südeuropäischer Staatsanleihen durch die Notenbank ausgesprochen – und sich damit bei vielen Regierungen in Südeuropa unbeliebt gemacht.

          Das ist das Drama des Axel Weber, neben all seinen Fehlern in der Kommunikation: Ausgerechnet sein Versuch, sich als strenger Notenbanker für das Spitzenamt der Euro-Welt zu qualifizieren, wurde ihm zum Verhängnis. Der Machtmensch Weber wurde zum Opfer der eigenen Profilierungsbemühungen. Lange Zeit hatte Weber sich mit politischen Äußerungen zurückgehalten. Er wollte nirgendwo anecken. Richtig populär wird man so nicht. Als Weber die Taktik änderte und öffentlich Position bezieht, geriet das zum Desaster.

          Die Franzosen fanden Weber zu stur

          Die entscheidende Zeit war der Mai 2010. Damals fasste die Europäische Zentralbank auf Druck der Politik den Beschluss, Anleihen von überschuldeten Staaten zu kaufen. Weber sprach sich öffentlich dagegen aus. Er sehe „erhebliche Stabilitätsgefahren“. Das nahmen ihm nicht nur die Südländer übel, sondern auch die Franzosen. Sie fanden Weber zu stur in seinem öffentlichen Beharren auf der Unabhängigkeit der Notenbank. Er passte nicht zu ihrem Traum vom modernen Europa, in dem die Regierungen von einer „flexiblen“ Geldpolitik unterstützt werden. Zumal Weber es öffentlich zum Konflikt mit EZB-Präsident Jean-Claude Trichet kommen ließ – dem Mann der Franzosen.

          Die französische Zeitung „La Tribune“ berichtete damals unter Berufung auf Quellen aus dem Élysée-Palast, Staatspräsident Nicolas Sarkozy sei Webers entschiedener Gegner. Seither, so hört man aus der Bundesbank, habe Frankreich hinter den Kulissen gegen Weber intrigiert.

          Selbst der uneingeschränkten Unterstützung der Bundesregierung konnte Weber sich nicht sicher sein. So sehr Regierungsmitglieder jetzt auch das Gegenteil behaupten. Man erinnere sich nur, wie das Rennen um die Trichet-Nachfolge sich im Januar darstellte. In dieser Zeit sei seine Entscheidung gereift, sagt Weber. Mitte Januar sorgte Italiens Ministerpräsident Silvio Berlusconi für Schlagzeilen: „Wir wären geehrt, wenn die Wahl auf den Gouverneur unserer Banca d’Italia fiele“, sagte er ausgerechnet auf einer Pressekonferenz mit Merkel bei einem Besuch in Berlin. Er warb für Mario Draghi, Webers smarten italienischen Konkurrenten.

          Ungeteilte Unterstützung? Oder alles nur Taktik?

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