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Risikovorsorge : Warum steigende Zinsen für die Bundesbank ein Risiko sind

Vorstand Carl-Ludwig Thiele und Präsident Jens Weidmann am Donnerstag kurz vor der Vorstellung der Bundesbank-Bilanz Bild: dpa

In diesem Jahr überweist die Bundesbank viel weniger Geld als sonst an Wolfgang Schäuble. Schuld ist unter anderem die Geldpolitik der EZB.

          Die Deutsche Bundesbank überweist in diesem Jahr deutlich weniger Geld als sonst an Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU). Statt 2,5 Milliarden Euro sollen nur 399 Millionen Euro fließen. Dabei hat die Bundesbank wieder gut verdient. Hinter dem Rückgang stecken höhere Rückstellungen, vor allem für Zinsänderungsrisiken: Die Bundesbank bereitet sich darauf vor, dass irgendwann die Zinsen wieder steigen, und ihr daraus finanzielle Nachteile entstehen.

          Anders als sonst manchmal bei Unternehmen sind es nicht die Rückstellungen für Pensionsverpflichtungen, mit denen die Bundesbank in der Risikovorsorge zu kämpfen hat. Im Gegenteil: Die Rückstellungen für Pensionsverpflichtungen sind rückläufig. Der Gesetzgeber hat im vergangenen Jahr für Erleichterungen für Unternehmen in dieser Frage gesorgt, von denen auch die Bundesbank profitiert. Unternehmen dürfen jetzt für den Zinssatz, mit dem künftige Pensionszahlungen berechnet werden, den Durchschnitt der vergangenen zehn Jahre und nicht nur die vergangenen sieben Jahre berücksichtigen. Weil die Zinsen vor zehn Jahren noch höher lagen, fällt der Durchschnitt damit höher aus, er liegt bei 3,91 Prozent statt bei 3,21 Prozent.

          Immer eine geschäftspolitische Entscheidung

          Ein höherer Zinssatz gleichsam fürs Abzinsen künftiger Pensionsverpflichtungen bedeutet, dass die Bundesbank heute weniger Geld für die Altersvorsorge ihrer Mitarbeiter zurücklegen muss. Sie spart also – das Geld darf sie aber nicht ausschütten, es gibt eine gesetzliche Ausschüttungssperre. Die Mittel werden deshalb einer Rücklage zugeführt, einer Art Ersparnis der Bundesbank. Für die Ausschüttung an Schäuble hat das aber keine Auswirkungen – die neue Bewertung der Pensionsrückstellungen und die höhere Dotierung der Rücklagen gleichen sich aus.

          Was den ausgeschütteten Gewinn der Bundesbank schmälert, sind vor allem die Rückstellungen für Zinsänderungsrisiken. 1,8 Milliarden Euro wendet die Bundesbank auf, um ihre Vorsorge auf 15,4 Milliarden Euro aufzustocken. Die Bundesbank bereitet sich damit auf künftige Zinserhöhungen der Europäischen Zentralbank (EZB) vor, die vermutlich noch nicht in diesem Jahr anstehen, aber irgendwann sicher kommen werden. Die Bundesbank hat dabei bilanzrechtlich einen gewissen Ermessensspielraum, ähnlich wie bei jeder Volksbank die Risikovorsorge immer auch eine geschäftspolitische Entscheidung ist. Nicht alle Notenbanken des Eurosystems handeln da gleich.

          Angekaufte Wertpapiere machen erheblichen Anteil auf der Aktivseite aus

          Warum bedeutet es überhaupt für die Bundesbank ein Risiko, wenn die Zinsen steigen? Dazu muss man einen Blick auf die Struktur der Bilanz werfen. Wenn die Zinsen steigen, wird die Bundesbank das vor allem auf der Passivseite ihrer Bilanz merken, also bei den Verbindlichkeiten. Sie muss dann Banken, die bei ihr Einlagen halten, höhere Zinsen zahlen. Im Augenblick liegt der Zins für Einlagen der Banken bei der Notenbank bei minus 0,4 Prozent. Die Bundesbank verdient also noch Geld an den Einlagen, die Banken bei ihr halten. Ein Zinsänderungsrisiko besteht also darin, dass sich das irgendwann ändert, und der Einlagenzins wieder positiv wird und die Bundesbank dort höhere Aufwendungen hat.

          Auf der Aktivseite, also bei den Vermögensgegenständen, machen mittlerweile die angekauften Wertpapiere aus dem QE-Anleihekaufprogramm (Quantitative Easing) einen erheblichen Anteil aus. Bei diesen gibt es allerdings kein bilanzielles Zinsänderungsrisiko. Die Bundesbank bilanziert sie nicht nach Marktpreisen, wie das etwa die Schweizerische Notenbank mit ihren Wertpapieren aus geldpolitischen Interventionen tut, die deshalb fortlaufend Wertberichtigungen ausweisen muss, sondern nach sogenannten fortgeführten Anschaffungskosten. Schon beim Kauf wird gleichsam ermittelt, welche jährlichen Abschreibungen die Bundesbank für die Wertpapiere bis zur Endfälligkeit hat, und diese werden regelmäßig mit den Zinskuponzahlungen verbucht.

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