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Bundesamt für Naturschutz : „Der Anbau von Mais wird zu stark gefördert“

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Zu viel? In Niedersachsen steht Mais auf über der Hälfte der Äcker. Bild: DPA

Naturschutz und Energiewende seien kein Gegensatz, sagt die Präsidentin des Bundesamtes für Naturschutz. Sie wünscht sich eine bessere Planung, mehr Mitsprache und weniger Fehlanreize.

          Frau Jessel, die Nationalakademie Leopoldina rät davon ab, bei der Energiewende auf Bioenergie zu setzen. Stimmen Sie dem zu?

          Jedenfalls ist die starke Zunahme des Maisanbaus, der wichtigsten Energiepflanze, aus Sicht des Natur- und Ressourcenschutzes tatsächlich bedenklich. Die Anbaufläche für Energiemais hat sich von 2005 bis 2011 auf 700.000 Hektar verzehnfacht. Das hat wegen der Monokulturen und des hohen Einsatzes von Pflanzenschutzmitteln viele negative Auswirkungen auf die biologische Vielfalt, den Boden, den Gewässerschutz. Nicht zuletzt ist das ein Grund für den drastischen Rückgang der Feldvogelpopulationen.

          Mehr Schaden als Nutzen?

          Das hängt von regionalen Gegebenheiten, vom Standort und der Anbauform ab. Und Sie dürfen nicht vergessen: Bioenergie ist anders als Strom aus Wind und Sonne speicherbar und damit grundlastfähig.

          In Niedersachsen steht Mais auf über der Hälfte der Äcker. Ist das zu viel?

          Aus Sicht des Natur- und Ressourcenschutzes ist das sicherlich sehr viel. Wir haben als Naturschützer nichts gegen den Maisanbau, sofern er sich sinnvoll in die Kultur- und Fruchtfolgen einfügt. Es wird problematisch, wo Mais, Mais und noch mal Mais angebaut wird. Das erzeugt Probleme der biologischen Vielfalt.

          Für Strom aus Bioenergie zahlen die Verbraucher mehr als 4 Milliarden Euro, mehr als für Windstrom, der aber fast eine doppelt so hohe Ausbeute hatte. Sind die Anreize falsch gesetzt?

          Bioenergie hat einen sinnvollen und notwendigen Platz in der Energiewende. Aber man muss sich dringend Gedanken machen, wie lange die starke Förderung durch das Erneuerbare-Energien-Gesetz noch toleriert werden kann. Denn für Mais können Landwirte heute einen Gewinn von 2000 bis 3000 Euro je Hektar erzielen. So wird sehr unreflektiert die Ausweitung des Maisanbaus gefördert. Das muss korrigiert werden. Bisherige Eingriffe wie der „Maisdeckel“ reichen nicht aus.

          Statt Bioenergie wollen die Leopoldina-Autoren mehr Strom aus Windkraftanlagen und Sonnenkollektoren produzieren. Ist das eine Alternative?

          Die entscheidende Frage für den Naturschutz ist: Wo kann was regional verträglich getan werden? Das geht über die technische Frage hinaus, wie klimaverträglich welche Erzeugungsart ist. Wir müssen die Auswirkungen auf die ganze Landschaft im Blick halten. Die Energiewende wird dazu führen, dass die Stromerzeugung aus Wind, Sonne, Biomasse in der Landschaft sichtbarer wird.

          Die Wind-Ausbaupläne der Länder folgen dem olympischen Motto: schneller, höher, weiter. Damit wird die Kulturlandschaft bis auf die Höhen des Schwarzwaldes ein völlig neues Gesicht bekommen. Ist das akzeptabel?

          Da hängt viel von einer sinnvollen Steuerung ab. Man muss verträgliche Standorte finden.

          Auf den Höhen des Schwarzwalds?

          Unsere Perlen, Naturschutzgebiete, Nationalparke, Natura-2000-Gebiete, müssen natürlich ausgenommen werden. Aber wir wollen keinen Gegensatz zwischen Natur-, Klimaschutz und Energiewende konstruieren.

          Windkraftanlagen in Wäldern, die die Bäume um Dutzende Meter überragen, sind vertretbar?

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