http://www.faz.net/-gqe-7bh9s

Bundesagentur für Arbeit : Weniger Menschen in Zeitarbeit

Sinkende Zahlen: Im Mai 2013 sollen nur noch 808.000 Personen als Zeitarbeiter beschäftigt sein Bild: dapd

Bis zum vergangenen Jahr gab es immer mehr Stellen für Zeitarbeiter. Das ändert sich jetzt. Dafür gibt es zwei Gründe: Die Regulierung und die schwache Konjunktur.

          Nach einer Serie von Boomjahren hat die Zeitarbeit offensichtlich ihren Zenit überschritten. Wie neue Daten der Bundesagentur für Arbeit (BA) zeigen, waren Ende 2012 in Deutschland insgesamt noch 822.379 Arbeitnehmer als Zeitarbeiter beschäftigt. Das waren beinahe 50.000 oder 5,7 Prozent weniger als ein Jahr zuvor. Ihren absoluten Höchststand hatte die Zeitarbeit im August 2011 mit 927.000 Beschäftigten erreicht.

          Dietrich Creutzburg

          Wirtschaftskorrespondent in Berlin.

          Hochrechnungen des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) für den Bundesarbeitgeberverband der Personaldienstleister (BAP) deuten darauf hin, dass sich die schwächere Entwicklung auch in der ersten Hälfte dieses Jahres fortgesetzt hat. Für Mai 2013 geht das IW von einer Zahl von 808.000 Zeitarbeitern aus. Das wären rund 80.000 oder 9 Prozent weniger als ein Jahr zuvor.

          Da gleichzeitig die Gesamtzahl der Beschäftigten in Deutschland in den vergangen Jahren weiter gestiegen ist, hat sich auch die relative Bedeutung der Zeitarbeit am Arbeitsmarkt verringert. Gemessen an der Zahl von insgesamt mehr als 41,5 Millionen Erwerbstätigen, ist der Anteil der Zeitarbeiter von mehr als 2,2 Prozent im Jahr 2011 nun erstmals wieder unter die Marke von 2 Prozent gefallen.

          Hauptursache dürfte die Drehtürklausel sein

          Für Ende 2012 errechnet sich eine Quote von 1,97 Prozent. Gemessen an der Zahl von insgesamt etwas mehr als 29 Millionen sozialversicherungspflichtig Beschäftigten, hat sich der Anteil der Zeitarbeiter seit dem Jahr 2011 sogar um einen halben Prozentpunkt auf nun 2,7 Prozent verringert. Ursachen der deutlich gebremsten Entwicklung dürften neben der abflauenden Konjunktur vor allem die neu eingeführten Regulierungen der Zeitarbeit sein.

          Im Jahr 2011 hatte die Bundesregierung den Einsatz von Zeitarbeitern durch eine sogenannte Drehtürklausel eingeschränkt und die unterste Lohnstufe der Tarifverträge der Branchenverbände BAP und IGZ mit dem Deutschen Gewerkschaftsbund als Mindestlohn festgeschrieben. Dieser liegt zurzeit bei 8,19 Euro je Stunde im Westen und bei 7,50 Euro je Stunde im Osten.

          Darüber hinaus hatten die Tarifparteien im vergangenen Jahr auf Drängen der Regierung eine Reihe von Branchenzuschlägen festgeschrieben, die vor allem in den industriellen Hochlohnbranchen das Gefälle zwischen Tariflöhnen für Stammbeschäftigte und Tariflöhnen für Zeitarbeiter deutlich abschwächen. Sie heben den Zeitarbeitstarif je nach Einsatzdauer um bis zu 50 Prozent an. In diesem Jahr hat überdies das Bundesarbeitsgericht in mehreren Urteilen die Spielräume für den Einsatz von Zeitarbeitern begrenzt.

          Im Zuge der neuen Regulierungen hatten Branchenvertreter bereits vorausgesagt, dass sich der Geschäftsschwerpunkt der Zeitarbeit tendenziell weg von einfachen Hilfskräften hin zu qualifizierteren Arbeitnehmern verlagern würde. In diese Richtung deutet auch, dass die im Durchschnitt stets sehr kurze Dauer der einzelnen Beschäftigungsverhältnisse zwischen Zeitarbeiter und Zeitarbeitsfirma laut BA etwas länger geworden ist: 51,1 Prozent der Arbeitsverhältnisse, die im zweiten Halbjahr 2012 beendet wurden, hatten zuvor mehr als drei Monate gedauert. Im Vergleichzeitraum des Jahres 2011 waren dies nur 48,6 Prozent gewesen und 2010 sogar nur 42 Prozent.

          Quelle: F.A.Z.

          Weitere Themen

          An den Grenzen der Willkommenskultur

          Bundestagswahl : An den Grenzen der Willkommenskultur

          Keine Gerechtigkeits- oder Klimadebatte bewegt Bürger mehr als die Flüchtlingsfrage. Weil Hunderttausende integriert werden müssen, wird sich das auch nach der Bundestagswahl nicht ändern.

          Proteste gegen Polizeigewalt enden in Krawallen Video-Seite öffnen

          Ausschreitungen : Proteste gegen Polizeigewalt enden in Krawallen

          In St. Louis im US-Bundesstaat Missouri haben Hunderte Menschen den dritten Tag in Folge gegen Polizeigewalt protestiert. Hintergrund der Kundgebungen ist der umstrittene Freispruch für einen weißen früheren Polizisten, der 2011 einen Afroamerikaner erschossen hatte

          Topmeldungen

          Schwache Zahlen : Die unsichere Ernte der Grünen

          Vor vier Jahren lehnten die Grünen eine Koalition mit der Union ab. Nun würden sie gerne, doch es sieht schlecht aus. Die aktuellen Prognosen sprechen gegen Jamaika.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.