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Brief an Gesundheitsminister Bahr : Ärzte fordern Raucherentwöhnung auf Kassenkosten

Tabakabhängigkeit solle anderen Süchten gleichgestellt werden, fordern Ärzte Bild: dapd

Medizinerorganisationen starten einen neuen Vorstoß für die Raucherentwöhnung auf Kassenkosten. Die Drogenbeauftragte ist auf ihrer Seite. Die Gesundheitsbürokratie dagegen blockiert.

          Lungenärzte, Suchttherapeuten, die Deutsche Herzstiftung und das Krebsforschungszentrum unternehmen einen neuen Anlauf für die Raucherentwöhnung auf Kassenkosten. In einem Brief an Bundesgesundheitsminister Daniel Bahr (FDP) verlangen acht Medizinerorganisationen die Anerkennung der Tabakabhängigkeit als Suchtkrankheit und die Übernahme der Kosten für Diagnose und Therapie durch die gesetzliche Krankenversicherung (GKV).

          Andreas Mihm

          Wirtschaftskorrespondent in Berlin.

          Sie beklagen ferner, dass Hilfen zur Raucherentwöhnung im Hin und Her zwischen Selbstverwaltung und Gesundheitsministerium verzögert würden. Noch deutlicher wird die Pharmaindustrie: Seit die FDP die Führung des Gesundheitsministeriums übernommen habe, würden politische Vorstöße zur Raucherentwöhnung nicht mehr weiterverfolgt, sagt Peter Marx vom Pharmakonzern Pfizer, der seit 2006 das dafür zugelassene Präparat „Champix“ auf dem Markt anbietet.

          Drogenentzug oder Lifestyle-Therapie?

          „Die Tabakabhängigkeit ist selbst als Erkrankung anzuerkennen und der Alkohol- und Drogenabhängigkeit gleichzustellen“, sagt Thomas Hering. Der Vizechef des Bundesverbands der Pneumologen ist Mitinitiator des von acht Medizinorganisationen unterschriebenen Brandbriefs an Bahr. Hering verweist auf ein Urteil des Schweizer Bundesgerichts vom August, in dem die Nikotinsucht anderen Suchterkrankungen gleichgestellt und die Behandlung auf Versicherungskosten verlangt wurde. Allerdings lässt die Umsetzung des Richterspruchs in die Schweizer Wirklichkeit auf sich warten.

          In Deutschland verbietet das Recht die Erstattung. Hier dürfen Krankenkassen für sogenannte Lifestyle-Therapien nicht aufkommen. So hält der Paragraph 34 des Sozialgesetzbuches V unter der Überschrift „Ausgeschlossene Arznei-, Heil- und Hilfsmittel“ fest: „Ausgeschlossen sind insbesondere Arzneimittel, die überwiegend zur Behandlung der erektilen Dysfunktion, der Anreizung sowie Steigerung der sexuellen Potenz, zur Raucherentwöhnung, zur Abmagerung oder zur Zügelung des Appetits, zur Regulierung des Körpergewichts oder zur Verbesserung des Haarwuchses dienen.“

          Auch die Kassen wissen, dass Rauchen krank macht

          Geht es nach den Krankenkassen, soll das auch so bleiben. Zwar wissen sie, dass Rauchen krank macht und der „bedeutendste einzelne individuell vermeidbare Risikofaktor für mehr als 40 meist chronische Krankheiten wie Herz-Kreislauf- und Atemwegserkrankungen, Diabetes sowie viele Krebserkrankungen“ ist. Deshalb förderten die Kassen psychologische Beratung, Bewegung und Ernährungsumstellung, sagt Ann Marini vom GKV-Spitzenverband. Sie fügt hinzu: „Arzneimittel zur Raucherentwöhnung oder auch Nikotinpflaster dagegen gehören nicht in ein solches Konzept, denn gerade Medikamente können verhindern oder hinauszögern, dass sich ein Raucher klarmacht, warum er raucht oder wann und in welcher Situation er zur Zigarette greift.“

          Lungenarzt Hering sieht das anders. Er nennt Beispiele wie Großbritannien, Schweden und Finnland, wo die Gesellschaft Rauchern bei der Entwöhnung helfe. Die Bundesärztekammer hatte 2008 einen ähnlichen Vorstoß unternommen, war aber im Dickicht der gesundheitspolitischen Interessen steckengeblieben.

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