13.03.2006 · Die Hotellerie setzt sich selbst unter Druck. Obwohl bereits reichlich Bettenkapazitäten vorhanden sind, entstehen immer mehr neue Hotels. Doch wegen der harten Konkurrenz sinken die Margen weiter.
Von Hans-Christoph NoackWenn die Internationale Tourismus-Börse (ITB) ein Stimmungsbarometer für die deutsche Hotellerie ist, dann stehen die Zeichen auf „schön“. Das ist kein Wunder, schließlich bereitet sich die Branche auf die Fußball-Weltmeisterschaft vor, die ihr eine gute Auslastung sichern könnte. Auch das leidige Thema des geringen Preisniveaus dürfte für diese Zeit nicht aktuell sein, obwohl es für Fußballfans aus aller Welt hinreichend Zimmer in allen Kategorien gibt.
Doch der Schub, der von der Fußball-WM kommt, könnte nicht von langer Dauer sein. Stephan Gerhard, Geschäftsführer des Beratungsunternehmens Treugast, ist mit Blick auf die Zukunft alles andere als euphorisch. „Die Lage hat sich noch nicht so entspannt, wie man das allgemein erwartet hat“, sagt er. Der Wettbewerb verschärfe sich zu Lasten des Mittelstands, der noch 75 Prozent der gesamten Hotelkapazität stellt.
„Halbwegs normale Zustände“ von 2010 an
Zudem werden die Kapazitäten im Markt noch ausgebaut. Gerhard prognostiziert ein Wachstum von 5 bis 6 Prozent und sagt für das Jahr der Fußball-Weltmeisterschaft ein Zwischenhoch voraus, dem ein schwächeres Jahr 2007 folgen wird. Erst von 2010 an erwartet er „halbwegs normale Zustände“ im deutschen Hotelmarkt, der im Vergleich zu vielen westeuropäischen unter den betriebswirtschaftlich zu niedrigen Übernachtungskosten leidet. Sie sind im vergangenen Jahr im Schnitt noch einmal um 0,8 Prozent gesunken.
Der Hotelverband Deutschland (IHA) stützt in seinem aktuellen Branchenreport diese Auffassung. Sein Vorsitzender, der Privathotelier Fritz G. Dreesen, befürchtet, daß 2006 als ein Jahr des konjunkturellen Strohfeuers in die Annalen eingehen wird und sich die günstigen Vorzeichen schnell verflüchtigen könnten. Schließlich drohten mit der Umsatzsteuererhöhung zum Jahreswechsel alle Konjunkturimpulse des laufenden Jahres zu ersticken.
Steigerung durch WM um rund drei Prozent
Zudem beklagt er, daß die gegenwärtige Bundesregierung wie ihre Vorgängerin der Hotellerie den ermäßigten Mehrwertsteuersatz für Beherbergungsdienstleistungen verweigere. Das schaffe im europäischen Standortwettbewerb eine Benachteiligung in einer Branche, die als großer Arbeitgeber und als einer der wichtigsten Wirtschaftszweige für die Bereitstellung von Ausbildungsplätzen gilt. Die Zahl der Beschäftigten nahm im Vorjahresvergleich von Januar bis November 2005 im klassischen Beherbergungsgewerbe mit insgesamt 54.267 Betrieben im zweiten Jahr leicht zu (0,2 Prozent).
Die Zahl neu geschlossener Ausbildungsverträge im Gastgewerbe legte überdurchschnittlich stark um 3,8 Prozent zu. Durch den Impuls der Weltmeisterschaft rechnet der Hotelverband in diesem Jahr mit einer Steigerung der Zimmerauslastung um rund 3 Prozent. Die durchschnittliche Zimmerauslastung stieg im vergangenen Jahr von 60,1 auf 61,5 Prozent. Allerdings gaben korrespondierend die durchschnittlichen Zimmerpreise auf 81 Euro nach, wobei Hotelzimmer mit einem Durchschnittspreis von mehr als 50 Euro stärker unter Druck standen.
Starker Trend bei Flughafenhotels
Das ist auch ein Grund für die Überkapazitäten in der Kategorie der Vier- bis Fünf-Sterne-Hotels in vielen deutschen Ballungsräumen. Allerdings stieg der durchschnittliche Zimmerertrag um 1,5 Prozent auf 50 Euro. Diese Steigerung basiert auf verschiedenen Entwicklungen. Da ist zum einen der starke Trend bei den Flughafenhotels (plus 4,1 Prozent). Die Hotels in mittleren und kleineren Städten halten sich gut mit Zuwachsraten beim Zimmerertrag von 2,1 und 2,5 Prozent.
Allein die Häuser in großen Städten können mit 0,8 Prozent bei dieser Entwicklung nicht mithalten, Unvermindert gibt es einen starken Trend zum unteren Preissegment, das häufig von Kettenhotels besetzt ist. Hier führt eine höhere Auslastung zu einem Anstieg des durchschnittlichen Zimmerertrags von 4 Prozent. Insgesamt konnten die klassischen Beherbergungsbetriebe (Hotel, Hotel garni, Gasthöfe und Pensionen) im vergangenen Jahr einen Nettoumsatz von 14,79 Milliarden Euro erzielen. Der Umsatz nahm damit gegenüber dem Vorjahr nominal „um bescheidene 0,5 Prozent“ zu, wie der Hotelverband berichtet.
Dänen und Schweizer treiben Zahlen nach oben
Inflationsbereinigt sank er um 0,6 Prozent. Daß der Umsatzanstieg nur mengengetrieben ist, zeigt sich auch in der Zahl der Übernachtungen im klassischen Beherbergungsgewerbe. Sie stiegen um 3 Prozent auf 200,9 Millionen, wobei der Anteil der Übernachtungen ausländischer Gäste überdurchschnittlich mit 6 Prozent stieg. Dabei fällt auf, daß der größte Zuwachs - jedoch auf geringerem Niveau - aus den arabischen Ländern kommt (plus 26,8 Prozent).
Ebenso haben Spanier, Dänen und Schweizer die Übernachtungszahlen nach oben getrieben. Der Margendruck wird am besten durch die Ergebnisse vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) deutlich. Je verfügbarem Zimmer sank das Ebitda 2005 gegenüber dem Vorjahr um 3,2 Prozent und je vermieteten Zimmer um 3,1 Prozent. Unter den Städtezielen in Deutschland lagen - gemessen am Zimmerertrag - Dresden, Hannover, Mannheim, Bremen, Köln und Heidelberg vorn.
Weitere 30.658 Zimmer auf dem Markt
Schlechter sah es in Düsseldorf, Essen, Nürnberg, Berlin und München aus. Dort zeigt sich, daß manche Hotelprojekte in der Vergangenheit die Überkapazitäten in bestimmten Kategorien noch verschärft haben. Aber noch immer gibt es eine rege Investitionstätigkeit. Aktuell werden 314 (Vorjahr: 323) neue Hotelprojekte verfolgt - zumeist in der Drei-Sterne-Kategorie. Durch diese Investitionen werden weitere 30.658 Zimmer auf den Markt kommen.
Da die Insolvenzrate im vergangenen Jahr mit 2675 insolventen Betrieben abnahm, werden teilweise Kapazitäten ersetzt. Zumeist kommen sie von Hotelketten, was zu Lasten mittelständischer oder inhabergeführten Häuser geht. Daher steigt der Anteil der Markenhotellerie (Accor/Dorint, Best Western, Marriott, Steigenberger oder Maritim). Bezogen auf den Umsatz, liegt erreicht er immerhin 49,3 Prozent. Das geplante e Investitionsvolumen sinkt von insgesamt 4,1 Milliarden Euro im Vorjahr auf 3,7 Milliarden Euro. Die geplante Bausumme je Hotel geht damit um eine Million Euro auf 11,7 Millionen Euro zurück.
Deutschland als sicheres Reiseland
Fast die Hälfte aller Bauprojekte werden in nur drei Bundesländern geplant: in Baden-Württemberg, Bayern und Nordrhein-Westfalen. Einen spürbaren Aufschwung erlebt seit Jahren die deutsche Ferienhotellerie, die vielfach mittelständisch geführt und der Betreiber meist auch im Besitz der Immobilie ist. Zwar ist die Branche nach dem Jahrhundertsommer 2003 in den vergangenen beiden Jahren nicht vom Wetter verwöhnt worden, doch die Übernachtungszahlen sind 2005 in allen deutschen Ferienregionen stabil bis leicht steigend gewesen. Das liegt zum einen am stark verbesserten Preis-Leistungs-Verhältnis.
Zum anderen gilt Deutschland als ein sicheres Reiseland. Im Gegensatz zur Stadthotellerie entwickeln sich vor allem die Zimmererträge der Ferienhotels seit dem Jahr 2000 stetig nach oben. Großer Gewinner ist unter den Ferienregionen die ostdeutsche Küstenregion Mecklenburg-Vorpommern einschließlich Rügen und Hiddensee. Aber auch die Ostseeküste Schleswig-Holsteins erlebt eine Renaissance, während die anderen Regionen ihren Anteil nur leicht steigerten.
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| FAZ-INDEX | 1.394,15 | +1,26% |
| Dow Jones | 12.580,70 | +1,01% |
| EUR/USD | 1,2465 | −0,19% |
| Rohöl Brent Crude | 106,30 $ | −0,51% |
| Gold | 1.579,50 $ | +0,31% |
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