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Börsengang Air Berlin senkt die Preisspanne

05.05.2006 ·  Einen Tag nach dem kurzfristig verschobenen Börsengang hat Air Berlin die Preisspanne für die angebotenen Aktien deutlich gesenkt. Die Papiere sollen nun zwischen 11,50 und 14,50 Euro kosten.

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Die drittgrößte europäische Billigfluglinie Air Berlin will den auf kommende Woche verschobenen Börsengang durch Zugeständnisse an die Investoren vor einer Bruchlandung retten. Die begleitenden Banken Commerzbank und Morgan Stanley und der Air-Berlin-Vorstand entschieden am Freitag, die Preisspanne zu senken und die Zahl der auszugebenden Aktien zu verringern.

Die Preisspanne werde von bislang 15 bis 17,50 Euro auf 11,50 bis 14,50 Euro gesenkt, teilte das Unternehmen mit. Statt der geplanten 49,8 Millionen Aktien würden nur noch bis zu 42,5 Millionen Aktien ausgegeben. Anders als ursprünglich geplant fließt damit ein leicht größerer Teil des Erlöses dem Unternehmen und nicht den Altaktionären zu. Damit sinkt das maximale Emissionsvolumen von bisher 872 Millionen Euro auf 616 Millionen Euro.

„Einheitliche positives Feedback“

„Wir hatten von den Investoren einheitlich positives Feedback zur Geschäftsstrategie und zum Unternehmen“, ließ sich Vorstandschef und Gründer Joachim Hunold zitieren. Knackpunkt sei letztlich der Preis gewesen, weil die Investoren die wegen des hohen Ölpreises zuletzt gefallenen Kurse der Wettbewerber im Hinterkopf gehabt hätten. Darauf habe Air Berlin nun reagiert. Mit der bisherigen Preisspanne war es den Banken bis zum ursprünglichen Ende der Zeichnungsfrist am Donnerstag abend nicht gelungen, die Aktien vollständig bei den Investoren unterzubringen.

Air Berlin hatte daraufhin bekanntgegeben, den eigentlich für diesen Freitag geplanten Börsengang auf den 11. Mai zu verschieben. Dem war eine harsche Kritik von Fondsmanagern vorausgegangen, die den Preis wegen hoher Risiken der Luftfahrtbranche und des hohen Verlusts von 116 Millionen Euro im Jahr 2005 als überzogen bezeichnet hatten. Den Anlegern soll nun von Montag bis Mittwoch die Gelegenheit gegeben werden, die Aktien zu den neuen Konditionen zu zeichnen. Am Freitag blieben die Bücher dagegen geschlossen, so daß die Investoren ihre Aufträge weder stornieren noch ändern konnten.

Preisabschlag zu Easyjet

Fondsmanager und Analysten bezeichneten am Freitag einen Ausgabepreis von um die 12 Euro als fairen Wert der Aktie. „Mit einem derartigen Risikoabschlag wird der Börsengang erfolgreich“, sagte Jürgen Pieper vom Bankhaus Metzler. Pia Hellbach, Fondsmanagerin von Union Investment, ist ähnlicher Ansicht. Die bisherige Preisspanne bedeutete nach ihren Worten einen Abschlag von 20 Prozent zum - im Gegensatz zu Air Berlin profitablen - britischen Wettbewerber Easyjet. „Ein Ausgabepreis von um die 12 Euro wäre attraktiv“, meint Stephan Thomas, Fondsmanager von Frankfurt Trust. Das wäre ein Preisabschlag von fast 40 Prozent zu Easyjet.

Derweil gerieten die den Börsengang begleitenden Konsortialbanken in die Kritik. „Die Banken wollten die Aktien einfach möglichst schnell losschlagen und haben die Vorbehalte der Investoren ignoriert“, sagte ein Fondsmanager. Auch seien die Investoren nicht ausreichend informiert worden. Ein Fondsmanager wies darauf hin, daß die Commerzbank für dieses Jahr einen hohen Nettogewinn voraussage. „Das ist nicht realistisch.“ Metzler-Analyst Pieper erwartet in einer aktuellen Studie für 2006 einen leichten Verlust von 0,2 Millionen Euro. Er verweist auf die hohen Kosten für neue Flugzeuge, die späte und daher sehr teure Absicherung gegen steigende Kerosinkosten und die unklare strategische Positionierung von Air Berlin, die den Spagat zwischen Billigfluglinie und den mehr auf Geschäftskunden ausgerichteten Gesellschaften wage.

Zeichen für eine reifere Aktienkultur

Der M-Dax-Kandidat Air Berlin ist nicht das einzige Unternehmen, das in den vergangenen zwei Jahren die Preisspanne senken mußte. Auch Postbank, Paion, Praktiker und Lloyd Fonds sahen sich zum gleichen Schritt gezwungen. Anlegerschützer und Analysten werten dies als Zeichen für eine reifere Aktienkultur in Deutschland. „Für mich ist das ein gutes Zeichen, daß die Investoren genauer hinschauen“, sagt Pieper.

Eine Korrektur der Preisspanne muß zudem kein Makel sein für einen Börsengang. Zwar gingen die Aktien aller vier genannten Unternehmen eher am unteren Ende der gesenkten Preisspanne an dem Markt. Doch alle vier haben seither satte Kurszuwächse erzielt. Der Kurs von Praktiker hat binnen eines halben Jahres um die Hälfte zugelegt und der Postbank-Kurs hat sich in zwei Jahren sogar mehr als verdoppelt.

Allerdings wiesen diese beiden Unternehmen zum Börsengang Gewinne aus. Was passieren kann, wenn ein verlustreiches Unternehmen an die Börse gebracht wird, zeigt dagegen das Beispiel Premiere: Seit dem Börsengang vor einem guten Jahr hat sich der Kurs mehr als halbiert.

Quelle: F.A.Z., 06.05.2006, Nr. 105 / Seite 23
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