03.04.2006 · Seit dem Ende der Boomphase im Jahr 2001 wurden in der Biotechnologie-Branche signifikant Mitarbeiter abgebaut. Unternehmen beschäftigten zumeist weniger als 30 Mitarbeiter. Eine positive Veränderung ist nicht in Sicht.
Von Carsten KnopDie deutschen Biotechnologieunternehmen haben seit dem Ende der Boomphase im Jahr 2001 signifikant Mitarbeiter abgebaut. Zwischen 2001 und 2004 ist die Zahl der Beschäftigten nach den Berechnungen der Beratungsgesellschaft Ernst & Young um mehr als 4.000 auf etwas mehr als 10.000 zurückgegangen. In den Zahlen des Statistischen Bundesamtes spiegelt sich dieselbe Tendenz: Die von den Statistikern definierten sogenannten Biotech-Kernunternehmen beschäftigten 2004 insgesamt rund 12.000 Personen, was gegenüber dem Jahr 2002 einem Minus von 10 Prozent entspricht.
45 Prozent dieser Beschäftigten waren in der Forschung und Entwicklung tätig. Wer das Glück hatte, auch während der Krisenjahre bei einem Biotechnologieunternehmen in Lohn und Brot zu stehen, arbeitete meist in einer kleinen Gesellschaft: Rund 80 Prozent aller deutschen Biotech-Unternehmen beschäftigen weniger als 30 Mitarbeiter, was ein Beleg für den noch geringen Reifegrad der Deutschen ist, besonders im Vergleich zu den Vereinigten Staaten.
Gezielte neue Einstellungen seit einiger Zeit
Die durchschnittliche Mitarbeiterzahl je Unternehmen liegt ebenfalls bei nur 29. Anders ausgedrückt: Nur neun deutsche Biotechnologieunternehmen beschäftigten 2004 mehr als 100 Mitarbeiter. Meist handelt es sich also um ein paar Forscher mit angegliederter kaufmännischer Abteilung, die häufig genug von der Vermarktung ihrer Produkte zu wenig versteht. Seit einiger Zeit ist zu beobachten, daß gezielt neu eingestellt wird, auch wenn dies den Personalabbau insgesamt nicht überkompensieren konnte.
Branchenkenner gehen davon aus, daß sich diese Entwicklung im Jahr 2005 fortgesetzt hat. Zahlen für das vergangene Jahr liegen allerdings noch nicht vor. Erfreulich ist, daß der Personalabbau in der Forschung und Entwicklung schon 2004 gestoppt wurde. Gleichwohl handelt es sich oft genug um eine Stabilisierung auf niedrigem Niveau.
Minimalen Abbau in Verwaltung und Forschung
Die Zahl der Mitarbeiter der Münchener Medigene AG zum Beispiel ist im vergangenen Jahr mit 114 Beschäftigten unverändert geblieben - trotz eines grundsätzlich positiven Geschäftsverlaufs mit einer Umsatzsteigerung um 51 Prozent. Einem minimalen Abbau in der Verwaltung stand dort ein ebenso minimaler Aufbau in der Forschung und Entwicklung gegenüber.
In Deutschland gab es ein geringfügiges Mitarbeiterplus, die amerikanische Tochtergesellschaft in San Diego ist inzwischen auf nur noch 7 Mitarbeiter geschrumpft. Die kanadisch-deutsche Aeterna Zentaris mit ihren deutschen Aktivitäten in Frankfurt ist zwar stark gewachsen, kommt aber auch nicht über 100 Mitarbeiter hinaus. Die Münchener 4SC, ein Börsengänger des vergangenen Jahres, beschäftigt gerade einmal 55 Mitarbeiter.
Carsten Knop Jahrgang 1969, Redakteur in der Wirtschaft, verantwortlich für die Unternehmensberichterstattung, zuständig für „Die Lounge“.
Jüngste Beiträge
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| FAZ-INDEX | 1.394,15 | +1,26% |
| Dow Jones | 12.580,70 | +1,01% |
| EUR/USD | 1,2465 | −0,19% |
| Rohöl Brent Crude | 106,30 $ | −0,51% |
| Gold | 1.579,50 $ | +0,31% |
Anonym bewerben? Ist das gut?