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Bioenergie Die Energie kommt vom Acker

14.01.2007 ·  Vor einigen Jahren war es noch eine Träumerei, bald könnte es Realität werden: Immer mehr Bauern werden einen großen Teil ihres Einkommens nicht mehr mit Lebensmitteln, sondern mit Energie verdienen. Raps und Mais sind die Rohstoffe der Zukunft.

Von Carsten Germis
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Immer mehr Bauern in Deutschland träumen von einem neuen Berufsbild. Sie wollen einen großen Teil ihres Einkommens bald nicht mehr als Landwirt verdienen, sondern als Energiewirt von den hohen Energiepreisen profitieren. Auf den Äckern wächst kein Getreide mehr für billiges Brot, sondern Raps und Mais für billigen Kraftstoff.

„Bioenergie ist ein Zukunftsmarkt“, sagt der Generalsekretär des Deutschen Bauernverbands, Helmut Born, und freut sich. Auf der Grünen Woche, der weltweit größten Leistungsschau der Agrarwirtschaft, diskutieren Bauern in diesem Jahr nicht nur über Milchpreise. Viel mehr interessiert sie die Frage, wie Getreide verstärkt als Brennstoff in Kleinfeuerungsanlagen genutzt werden kann. „Das würde sich rechnen“, sagt auch Born. Drei Kilogramm Getreide haben den Heizwert von einem Liter Öl. Die reinen Rohstoffkosten liegen mit rund 2,5 Cent pro Kilowattstunde deutlich unter den Kosten für Heizöl oder Erdgas.

„Die Ölscheichs von morgen“

Als eine der Ersten propagierte Renate Künast das neue Berufsbild. „Die Landwirte von heute sind die Ölscheichs von morgen“, sagte sie schon vor einigen Jahren, als sie noch grüne Landwirtschaftsministerin war. Viele Bauern schüttelten damals den Kopf. Heute merken sie, dass sie mit nachwachsenden Rohstoffen Geld verdienen können: Bioethanol aus Zuckerrüben, Kartoffeln oder Mais als Treibstoffzusatz für Benzin, Raps für Biodiesel, Holz, Gülle und Stroh zur Wärmeerzeugung - überall bieten sich den Bauern finanziell Alternativen zur Milchwirtschaft oder zum Getreideanbau für die Ernährungsindustrie.

„Die Bauern werden sich darauf einstellen müssen, dass sie 50 Prozent ihrer Erträge nicht mehr mit Lebensmitteln, sondern mit Energie erzielen“, sagte Hessens Ministerpräsident Roland Koch auf dem letzten hessischen Bauerntag. „Die nachwachsende Energie wird das Substitut fürs Massengeschäft Milch und Fleisch.“

Wandel hinterlässt Spuren in der Landschaft

Auch wer Wald bewirtschaftet, profitiert von der Entwicklung. Heizen mit Holz wird immer attraktiver. Neun Millionen Holz- und Kohleöfen und Kamine gibt es in der Bundesrepublik. Die Verbrennung von Holzpellets in Pelletheizungen erlebt einen wahren Boom. 3200 Holzpellets-Heizungen gab es im Jahr 2000 in deutschen Haushalten, jetzt sind es mehr als 70 000.

Der Wandel der Landwirte zu Energiewirten hinterlässt in der Landschaft seine Spuren. Nicht nur Windräder, Sonnenkollektoren und Biogasanlagen gehören in vielen Regionen jetzt zum täglichen Anblick. Es gibt immer mehr Rapsfelder.

Marktanteil könnte auf 20 Prozent steigen

Auf gut 1,6 Millionen Hektar Ackerfläche bauen Landwirte bereits Raps, Mais oder Sonnenblumen an, die als Biodiesel oder Bioethanol den Weg an die Tankstelle nehmen - mehr als doppelt so viel als 2000. Das sind 13 Prozent der Ackerfläche in Deutschland. Allein auf den Rapsanbau entfallen etwa 1,1 Millionen Hektar.

Vor allem im Norden und Osten Deutschlands, wo die Bauern über größere Flächen verfügen, werden sich in den kommenden Jahren immer mehr bioindustrielle Landschaften zur Energieerzeugung entwickeln, die mit dem alten Bild von Landwirtschaft nicht mehr viel gemeinsam haben. Eine aktuelle Studie des „Wuppertal Instituts“ erwartet, dass 2030 dreimal so viel Bioenergie erzeugt wird wie heute. Der Marktanteil würde dann auf mindestens 20 Prozent des gesamten Energieverbrauchs in der Bundesrepublik steigen.

Ohne Subventionen noch nicht lebensfähig

Vor allem Mais ist derzeit als Energielieferant gefragt. Es gibt bereits Züchtungen eines Energie-Mais, der besonders hohe Erträge bringt. Fast 15 Prozent des Maises enden heute in Biogasanlagen. Für viele Bauern ist es attraktiver, Mais für die Energieerzeugung anzubauen als für die Fütterung von Mastbullen oder Kühen auf dem traditionellen Milchbauernhof.

Die Zahl der Biogasanlagen, mit denen Strom erzeugt wird, ist allein im vergangenen Jahr um 600 auf gut 3300 gestiegen. Der Anteil erneuerbarer Energien wie Wasser, Wind, Sonne und Biomasse an der Stromerzeugung liegt mittlerweile bei über zehn Prozent. Daran hat die Windenergie mit 42 Prozent den größten Anteil. Biomasse stellt derzeit knapp 17 Prozent des deutschen Ökostroms.

So begehrt Raps, Getreide und Gülle als Energielieferanten auch sind: Ohne kräftige Subventionen durch den Staat wäre die Bioenergie noch nicht lebensfähig. Biodiesel, der aktuell mehr als fünf Prozent am Einsatz von Diesel ausmacht, war lange von der Steuer befreit. Jetzt soll der Steuersatz von derzeit neun auf 45 Cent im Jahr 2012 gehoben werden.

Bioethanol bleibt noch bis 2015 steuerbefreit.

Quelle: Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung, 14.01.2007, Nr. 2 / Seite 31
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Jahrgang 1959, Wirtschaftskorrespondent für Japan mit Sitz in Tokio.

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