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Bildungswirtschaft : „Mehr Geld für die Schulen bringt wenig“

Sind die Schulen gut genug ausgestattet? Bild: AP

Die Kanzlerin ist auf der Suche nach einem Rezept für bessere Schulbildung. Ökonomen halten nichts von höheren Ausgaben, sondern befürworten externe Leistungstests, mehr Wettbewerb - und die Einheitsschule.

          Wenn in Deutschland über die Verbesserung der schulischen Bildung diskutiert wird, sind sich alle wenigstens in einem Punkt einig: Wir müssen erheblich mehr Geld ausgeben. Das hat auch Bundeskanzlerin Angela Merkel, die seit Donnerstag innovative Bildungseinrichtungen in Deutschland besucht, gerade wieder gefordert. Diese Ansicht kann eine kleine, auf diesem Gebiet allerdings sehr kundige Gruppe von Wissenschaftlern nicht teilen: Ökonomen, die zur schulischen Bildung forschen. „Es gibt keinen empirischen Beleg dafür, dass mehr Geld die Leistungen der Schüler verbessert“, sagt Ludger Wößmann. Er forscht am Ifo-Institut für Wirtschaftsforschung in München und lehrt Bildungsökonomik an der Münchener Ludwig-Maximilian-Universität. Kerstin Schneider, Professorin für Finanzwissenschaft an der Bergischen Universität Wuppertal, hat durch ihre bildungsökonomische Forschung erfahren: „Mit mehr Geld wird Schule nicht automatisch besser.“

          Lisa     Becker

          Redakteurin in der Wirtschaft

          Schon der Blick auf internationale Statistiken der OECD macht stutzig. So geben die Niederlande, gemessen am Bruttoinlandsprodukt, weniger für die Schulen aus als Deutschland; im internationalen Schülervergleichstest Pisa haben sie hingegen wesentlich besser abgeschnitten. Auch belegt der Pisa-Sieger Finnland keinen Spitzenplatz auf der Ausgabenliste. Doch warum ist sich dann alle Welt so einig, dass mehr Geld so viel bewirkt? Wößmann erklärt: Diejenigen, die von höheren Ausgaben profitierten, nämlich die Eltern und die Lehrer, seien in Interessengruppen organisiert und artikulierten sich lauter als die Steuerzahler, die das finanzieren müssten.

          Mehr Geld wofür?

          Die Bildungsökonomen wissen gar nicht, wofür mehr Geld ausgegeben werden sollte. Auf keinen Fall sollten höhere Lehrergehälter gezahlt werden, meint Finanzwissenschaftlerin Schneider. „Schon jetzt verdienen sie im internationalen und im nationalen Vergleich besonders viel.“ Der allgemeinen Auffassung, dass man mehr Lehrer einstellen sollte, um die Klassengrößen zu verringern, können die Ökonomen auch wenig abgewinnen. Vor allem deshalb sei in den vergangenen Jahren schon mehr Geld in die Schulen geflossen; deutsche Schüler hätten aber deswegen in Vergleichstests nicht besser abgeschnitten, sagt Wößmann.

          Bild: OECD; Ifo-Institut

          Bisher haben die empirischen Forschungen, wenn überhaupt, nur einen sehr geringen Einfluss kleinerer Klassen auf die Leistungen ergeben. Diese kleine Differenz rechtfertigt nach Ansicht von Wößmann keinesfalls die deutlich höheren Ausgaben. So müsste das öffentliche Budget für die Schulen um ein Viertel erhöht werden, wenn man die Klassengröße von durchschnittlich 25 auf 19 Schüler verringerte.

          Die Erziehungswissenschaftlerin Grit im Brahm von der Ruhr-Universität Bochum glaubt zwar, dass in kleineren Klassen besser unterrichtet werden könne. Dies gelte vor allem für Schüler der unteren Klassenstufen, wenn sie sozial benachteiligt seien. Doch sie hat herausgefunden, dass die weitaus meisten Lehrer den Vorteil kleinerer Klassen überhaupt nicht nutzten.

          Große Abhängigkeit zwischen Elternhaus und Bildungserfolg

          Damit bleibt es bei der besseren Ausstattung der Schulen mit Computern, um mit mehr Geld bessere Leistungen zu erreichen. Doch auch davon sollte man sich nicht viel versprechen, sagen die Ökonomen. So haben im Pisa-Test Schulen allein wegen einer besseren Ausstattung mit Computern nicht besser abgeschnitten. Wößmann mahnt deshalb, dass man, bevor man immer mehr Schulen für viel Geld mit Computern ausstattete, herausfinden müsse, wie diese wirksam im Unterricht eingesetzt werden könnten.

          Um die Leistungen der deutschen Schüler, die in mehreren internationalen Vergleichstest als nicht besonders gut bewertet wurden, zu verbessern, bedarf es nach Ansicht der Ökonomen ganz anderer Rezepte als der Erhöhung der Ausgaben. „In unserem System werden die Ressourcen nicht effektiv genutzt“, sagt Wößmann. Man müsse die Rahmenbedingungen so verändern, dass sich alle mehr anstrengten: Lehrer, Schulleiter, Schüler und Eltern. „Wie viel unsere Kinder lernen, darf nicht davon abhängen, ob sie von guten oder schlechten Lehrern unterrichtet werden“, mahnt er. Große Sorge bereitet ihm, dass in fast keinem Land die Abhängigkeit zwischen Elternhaus und Bildungserfolg so groß ist wie in Deutschland.

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