Home
http://www.faz.net/-gqe-74rkq
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, JÜRGEN KAUBE, BERTHOLD KOHLER, HOLGER STELTZNER
Risikoabsicherung

Beschäftigungsgarantie EU will die Jugendarbeitslosigkeit verbieten

Die Europäische Kommission will die EU-Staaten dazu verpflichten, allen Menschen unter 25 eine Arbeitsstelle zu garantieren. Wie die Staaten die Garantie umsetzen sollen, will sie aber nicht verraten.

© AFP Vergrößern Die Europäische Kommission sagt „No“ zur Jugendarbeitslosigkeit

Die Mitgliedstaaten der Europäischen Union sollen allen Menschen im Alter von weniger als 25 Jahren künftig innerhalb von vier Monaten irgendeine Form von Beschäftigung zusichern. Dazu sollen die Regierungen eine sogenannte Jugendgarantie abgeben, wie aus einem Regelungspaket hervorgeht, das der zuständige Sozialkommissar László Andor an diesem Mittwoch in Brüssel vorstellen will. Konkret sieht die Jugendgarantie vor, dass Jugendliche spätestens vier Monate nach Ende ihrer Ausbildung oder nach dem Verlust ihres Arbeitsplatzes eine neue Stelle, einen neuen Ausbildungsplatz oder aber zumindest einen Praktikumsplatz haben. Wie die Staaten die Garantie umsetzen, soll ihnen weitgehend überlassen bleiben.

Hendrik  Kafsack Folgen:

Die Europäische Kommission setzt vor allem auf die enge Zusammenarbeit der Sozialpartner und eine frühe Einbindung der Arbeitsämter. Die EU könne Programme der Staaten mit Geld aus dem Europäischen Sozialfonds unterstützen, heißt es in dem Entwurf. Als Vorbild gelten vergleichbare Initiativen in Österreich, den Niederlanden und Norwegen. Finnland und Luxemburg führen der Jugendgarantie ähnliche Konzepte gerade ein. Die Bundesregierung reagierte auf Vorstöße zur Einführung einer solchen Garantie in Deutschland - etwa von der SPD - bisher zurückhaltend und argumentiert, hierzulande sei wenig Handlungsbedarf etwa wegen der hohen Qualität der Ausbildung und dem bestehenden Ausbildungspakt. In diesem haben Regierung und Wirtschaftsverbände vereinbart, jedem ausbildungsfähigen und -willigen jungen Menschen eine Stelle zu verschaffen.

Sanktionen sind nicht vorgesehen

Hauptstoßrichtung des Brüssler Vorschlags sind ohnehin nicht Deutschland oder andere nordeuropäische EU-Staaten, sondern die schon lang unter hoher Jugendarbeitslosigkeit leidenden südeuropäischen Staaten. Nach Angaben der Kommission suchen in der EU momentan insgesamt 5,5 Millionen junge Menschen einen Arbeitsplatz. Das sind mehr als ein Fünftel der Altersgruppe. 7,5 Millionen Menschen unter 25 Jahren haben weder eine Stelle noch irgendeine Form von Ausbildungsplatz. Die Kosten dafür beziffert die Kommission auf jährlich mehr als 150 Milliarden Euro oder rund 1,2 Prozent der Wirtschaftsleistung. In Griechenland und Spanien liegt die Jugendarbeitslosenquote mit mehr als 55 Prozent besonders hoch. In Italien, Portugal, Irland, Bulgarien, Zypern, Lettland, Ungarn and der Slowakei beträgt sie mehr als 30 Prozent. Ein Drittel dieser jungen Menschen ist seit mehr als zwölf Monaten arbeitslos.

Mehr zum Thema

Wie gerade die besonders stark von der Jugendarbeitslosigkeit betroffenen süd- und teilweise auch osteuropäischen Staaten die Jugendgarantie nur annähernd erfüllen sollen, geht aus dem Vorschlag Andors nicht hervor. Sanktionen für Länder, die die Garantie nicht erfüllen, sind nicht vorgesehen. Ohnehin will Andor den Vorschlag zunächst nur in der rechtlich weniger bindenden Form einer Empfehlung vorlegen. Er reagierte damit auf den Widerstand von Ländern wie Großbritannien und Schweden, die argumentieren, die EU sei für Fragen wie die Jugendarbeitslosigkeit nicht zuständig.

Quelle: F.A.Z.

 
 ()
   Permalink
 
 
 

Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

Weitere Empfehlungen
Gerechtigkeitsdebatte EU will mehr Transparenz in der Unternehmensbesteuerung

Die EU-Kommission will Mitte Juni einen Aktionsplan zur Unternehmensbesteuerung vorlegen. Es soll zwar keine europaweite Mindestsätze für die Körperschaftssteuer geben, dafür erwägt die Kommission die Einführung einer gemeinsamen Bemessungsgrundlage. Mehr Von Werner Mussler, Brüssel

26.05.2015, 08:10 Uhr | Wirtschaft
Griechenland-Wahl Deutsche sorgen sich nach Syriza-Wahlsieg um den Euro

Nach dem Wahlsieg des Linksbündnisses Syriza sorgen sich einige Deutsche um die Zukunft des Euro. In Griechenland hingegen sehen junge Menschen das Wahlergebnis als Chance. Die Jugendarbeitslosigkeit in dem Land liegt bei fast 60 Prozent. Mehr

26.01.2015, 16:07 Uhr | Politik
Umstrittener Plan EU-Kommission will 40.000 Flüchtlinge verteilen

Die EU-Kommission hat ihre Pläne zur Umverteilung von Flüchtlingen in der EU beschlossen. Damit sollen vor allem Italien und Griechenland entlastet werden. Ob die Idee der Kommission je umgesetzt wird, ist offen. Die Front der Gegner formiert sich schon. Mehr

27.05.2015, 15:39 Uhr | Politik
Brüssel Außenminister treffen sich zu Anti-IS-Koalition

In Brüssel haben sich Vertreter aus mehreren Dutzend Staaten zu einem Anti-IS-Treffen zusammengesetzt. Der amerikanische Außenminister John Kerry hatte zu der Versammlung eingeladen. Mehr

03.12.2014, 12:18 Uhr | Politik
Aufnahmequoten für Migranten EU stellt neue Flüchtlingsstrategie vor

Die EU will Flüchtlinge nach einer Quote auf die europäischen Länder verteilen. 20.000 Plätze sollen sofort in den Mitgliedstaaten geschaffen werden. Die britische Innenministerin Theresa May lieber Flüchtlingsboote zurückzuschicken. Mehr

13.05.2015, 13:10 Uhr | Politik
   Permalink
 Permalink

Veröffentlicht: 02.12.2012, 16:30 Uhr

Das System Blatter

Von Holger Steltzner

Fifa-Präsident Joseph Blatter geriert sich als Aufklärer der Affären im Weltfußballverband. Dabei weiß der echte Fußballfan seit langem: In der Fifa stinkt der Fisch vom Kopf. Mehr 5 28


Die Börse
Name Kurs Änderung
  Dax --  --
  F.A.Z.-Index --  --
  Dow Jones --  --
  Euro in Dollar --  --
  Gold --  --
  Rohöl Brent --  --
Nachrichten in 100 Sekunden
Nachrichten in 100 Sekunden

Grafik des Tages Die Deutschen erklären ihre Steuern selbst

So kompliziert ist das deutsche Steuersystem vielleicht doch nicht: Immerhin verzichtet mehr als die Hälfte der Steuerpflichtigen hierzulande auf einen Steuerberater. Mehr 0