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Berlin : Machtkampf um das Adlon

Das beste Haus am Platz: Doch für die Eigentümer des Adlon gibt es seit Jahren keine Ausschüttung Bild: Christian Thiel

Hinter der glänzenden Oberfläche des Berliner Luxushotels Adlon brodelt es. Schon seit Jahren gibt es Streit im Kreis der Eigentümer. Jetzt eskaliert die Situation.

          Das nach dem Mauerfall neu erbaute Luxushotel Adlon in Berlin ist eine der feinsten Hoteladressen der Welt. Die Lage ist perfekt – direkt in der Mitte der Hauptstadt, unweit des Brandenburger Tors. Regelmäßig fahren Staats- und Regierungschefs vor, um in dem edlen Ambiente zu nächtigen. Dicke Teppiche, geschmackvolles Interieur, perfekt geschultes Personal: Der Stil ist vollkommen im besten Haus am Platz. Hinter den Kulissen herrscht jedoch schon seit ein paar Jahren ein Hauen und Stechen, das überhaupt nicht zur glanzvoll polierten Oberfläche passen will. Die Gäste bekommen davon glücklicherweise nichts mit, weil die Kempinski-Gruppe als Betreiber des Hotels mit den Auseinandersetzungen nichts zu tun hat. Es sind vielmehr die Eigentümer, in deren Reihen eine Schlammschlacht tobt, wie manche Beteiligte den Vorgang wenig vornehm nennen. Auf jeden Fall ist ein Machtkampf im Gange, wie er so noch nie in einem Immobilienfonds geführt wurde.

          Nadine Oberhuber

          Freie Autorin in der Wirtschaft der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Auf der einen Seite steht Anno August Jagdfeld – Unternehmer mit jahrzehntelanger Erfahrung im Immobiliengeschäft, Gründer der auf Immobilienbeteiligungen über Fonds spezialisierten Fundus-Gruppe mit Sitz in Düren und Geschäftsführer des Fundus-Fonds Nr. 31, der das Adlon besitzt. Auf der anderen Seite steht Thomas Fritsch – Rechtsanwalt in Berlin, der sich den Unmut unter vielen der 4400 Investoren im Adlon-Fonds über die vergangenen zwei Jahre mit einer von ihm gegründeten Schutzgemeinschaft geschickt zunutze gemacht hat und nun zum finalen Schlag ausholt. Der Unmut in der Anlegerschaft kommt nicht von ungefähr. Die wirtschaftliche Entwicklung des 1994 aufgelegten Fonds ist seit mehreren Jahren alles andere als berauschend. Das liegt nicht an ausbleibenden Gästen in der Luxusherberge – der Hotelbetrieb hat sich nach dem Einbruch in der Finanz- und Wirtschaftskrise rasch wieder erholt. Es ist vielmehr ein Anbau im hinteren Teil des Luxushotels mit Gastronomieflächen und einem Spa-Bereich, der nachträglich von den Fondseignern gebilligt wurde – und sich als Ballast erweist, der auf die Rendite drückt. Seit über fünf Jahren gibt es schon keine Ausschüttungen mehr.

          Das Treuhand-Modell wackelt

          In einer solchen Gemengelage kommt es in der Welt der geschlossenen Immobilienfonds regelmäßig zu unappetitlichen Auseinandersetzungen – schließlich geht es um viel Geld. In den meisten Fällen verläuft das juristische Geplänkel im Sand. Die Auseinandersetzung um das Adlon hat jedoch eine andere Qualität. Möglich gemacht hat dies der Bundesgerichtshof (BGH) mit einem Urteil vom 11. Januar dieses Jahres (Az. II ZR 187/09). Danach sind Fondsinitiatoren wie Jagdfeld nunmehr verpflichtet, die Namen und Anschriften von Fondsanlegern herauszugeben, wenn Fonds-Mitgesellschafter dies verlangen. Über diesen Weg können nun Anwälte wie Fritsch direkt an die Anleger herantreten und für ihr Anliegen werben.

          Der Eingang des Hotels Adlon
          Der Eingang des Hotels Adlon : Bild: ddp

          Die praktischen Folgen des BGH-Urteils werden nun erstmals durchexerziert – und das ausgerechnet am prominenten Fall Adlon, was viel Aufmerksamkeit garantiert. „Nachdem wir die 4400 Anleger angeschrieben haben, hatten wir den Eindruck, dass ein Raunen der Erleichterung durch die Reihen geht“, erzählt Fritsch. „Fast die Hälfte von ihnen hat innerhalb kürzester Zeit geantwortet.“ Inzwischen hat er eine schlagkräftige Anlegertruppe hinter sich versammelt. Über seine Schutzgemeinschaft vertritt er nach eigenen Angaben 220 Privatinvestoren, darunter auch einige finanzielle Schwergewichte, die mit sechsstelligen Summen im Fundus-Fonds investiert sind. „Außerdem halte ich knapp 2000 Stimmrechtsvollmachten – das entspricht rund 45 Prozent des Kapitals.“

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