Obwohl Deutschland nicht gerade als Rohstoffriese gilt, verfügt das Land über rege Bergbauaktivitäten.
Der deutsche Braunkohlenbergbau ist mit einer Jahresförderung von rund 175 Millionen Tonnen führend in der Welt. Den Kali- und den Steinsalzbergbau ordnet die Wirtschaftsvereinigung Bergbau in Berlin international jeweils auf Rang vier ein.
Aber nach scharfem Personalabbau im Gefolge der Wiedervereinigung zählen die Bergbau- sowie die Steine-und-Erden-Industrie nur noch etwas mehr als 100.000 Beschäftigte.
Nachfrage übersteigt Absolventenzahl
Allein im Braun- und Steinkohlenbergbau sind in den neunziger Jahren mehr als 200.000 Arbeitsplätze untergegangen. Dennoch bietet der Arbeitsmarkt für die an Universitäten ausgebildeten Bergbaufachkräfte vielfältige Chancen.
Die Nachfrage übersteigt bei weitem die Absolventenzahl, zumal Hochschulabgänger leicht auch im Ausland eine Anstellung finden. Dem jungen Bergingenieur steht nicht allein die Zukunft bei Rohstoffproduzenten offen.
Drei von zehn Jungakademiker starten in Entsorgungsunternehmen, Hochschulen, privaten Forschungsinstituten oder Ingenieurbüros.
Bergbaustudium an Hochschulen
Im deutschsprachigen Raum gibt es mit Aachen, Clausthal, Freiberg und dem österreichischen Leoben nur vier Hochschulen, die ein Bergbaustudium mit den daraus hervorgegangenen Fachrichtungen - zum Beispiel den Erdöl- und Erdgasbergbau oder Aufbereitung und Recycling - anbieten.
Während sich im Jahr 2002 in dem für den Studienbeginn empfohlenen Winter- und im Sommersemester an allen drei deutschen Universitäten gerade einmal 130 Studenten eingeschrieben haben, zählen die beiden jüngsten Jahrgänge mehr als 200 Anfänger.
Da bis in die neunziger Jahre hinein Frauen nicht unter Tage arbeiten durften, beträgt der Anteil weiblicher Studenten nur 10 Prozent. In Aachen und Clausthal gibt es auch Bachelor- und Masterstudiengänge.
Stellenangebot steigt
Die TH Aachen ist mit 125 Jahren Erfahrung in dieser Disziplin zwar die jüngste, aber mit rund 400 eingeschriebenen Studenten zur Zeit die begehrteste Uni. In diesem Herbst besaßen fast alle Absolventen bereits einen Arbeitsvertrag, ehe sie ihr Diplom erhielten.
Heinz Norbert Schächter, Hauptgeschäftsführer der Wirtschaftsvereinigung Bergbau schätzt den jährlichen Bedarf gegenwärtig auf 60 bis 80 Absolventen.
Beim absehbaren Generationswechsel in Bergbaubetrieben und an Universitäten - auch an den deutschen Wissenschaftlern gegenüber aufgeschlossenen ausländischen Hochschulen - werde das Stellenangebot in den nächsten fünf Jahren noch erheblich zunehmen, prognostiziert Schächter.
Qual der Wahl
Bei weniger als 1000 Studenten in Deutschland verspricht der Nachwuchsmangel den Berufseinsteigern die Qual der Wahl. Denn aus dem im Durchschnitt rund sechs Jahre dauernden Studium steigt fast jeder dritte vorzeitig aus.
Zudem sind an den drei Universitäten 20 bis 40 Prozent Ausländer eingeschrieben, die nach Abschluß fast ausnahmslos Deutschland wieder verlassen.
