09.06.2008 · Trotz Bankenkrise, starkem Euro und Energiepreisschock: Dem industriellen Mittelstand in Deutschland geht es gut wie selten. Das ist das Resultat einer Umfrage des Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI) unter mehr als 2.000 Mittelständlern.
Von Andreas MihmDem industriellen Mittelstand in Deutschland geht es trotz Bankenkrise, starkem Euro sowie Rohstoff- und Energiepreisschocks so gut wie selten. Eingetrübt werden die Erwartungen, weil Reformen zur weiteren Senkung der Lohnnebenkosten und zur Steigerung des Binnenkonsums bislang ausbleiben und weil das Versprechen, die Erbschaftssteuer zu verändern, noch nicht eingelöst ist. So lautet das Ergebnis einer neuen Umfrage unter mehr als 2000 mittelständischen Unternehmen, die der Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI) am Montag vorgestellt hat.
„Die wirtschaftliche Lage im Mittelstand entwickelt sich trotz der bekannten Risiken besser als zuletzt erwartet“, sagte der Vorsitzende des BDI-Mittelstandausschusses, Arnd Kirchhoff, selbst Eigentümer eines Automobilzulieferers. Die Stimmung sei ungeachtet des starken Euros, steigender Ölpreise und Turbulenzen an den Finanzmärkten gut. Letztere sind nach Auffassung Kirchhoffs allenfalls erst zur Hälfte ausgestanden.
„Sehr positives Bild, hervorragende Renditen“
Von einem „sehr positiven Bild“ und „hervorragenden Renditen“ der Unternehmen, die gemeinhin als das Rückgrat der deutschen Wirtschaft gelten, sprach der Wirtschaftswissenschaftler Frank Wallau vom Institut für Mittelstandsforschung (IfM). Er hat die Untersuchung durchgeführt. Auch die künftige Wirtschaftslage schätzten drei Viertel der Befragten als besser oder unverändert ein, während 26 Prozent eine Verschlechterung erwarteten.
Meistgenannte Gründe sind hier: steigende Energie- und Rohstoffpreise und die zurückhaltende Nachfrage im Inland. Kirchhoff verwies aber darauf, dass die Industrie schon seit 2005 mit stark steigenden Preisen für Rohstoffe konfrontiert sei. Staatliche Eingriffe in die Preisbildung, wie sie von der Politik jetzt für Strom und Gas erwogen werden, lehnte er ab. Nur jeder Zehnte nannte hingegen die Steuerbelastung als Grund für wachsenden Pessimismus.
Ein Drittel der Unternehmen hat 2007 neue Mitarbeiter eingestellt
Einige Faktoren in der Detailanalyse unterstreichen das positive Erscheinungsbild. So gab ein Drittel der befragten Unternehmen an, im vergangenen Jahr im Inland Mitarbeiter neu eingestellt zu haben. Die internationale Ausrichtung vieler Betriebe widerspreche dem nicht, sagte Kirchhoff. Jedes fünfte Unternehmen will mehr investieren, die Ausgaben steigen überproportional mit der Zahl der Beschäftigten. „Ein Ende des Investitionszyklus ist nicht in Sicht“, kommentierte der Chefvolkswirt der IKB Deutsche Industriebank, Kurt Demmer. Finanziert werde das klassisch: aus den laufenden Einnahmen oder über Bankkredite. Zeichen einer Kreditklemme gebe es nicht.
Ein Beleg für die Zuversicht der Unternehmen sind die Investitionsziele. Fast 42 Prozent wollen ihre Kapazitäten erweitern. Das ist der höchste Wert der vergangenen Jahre. Dagegen treten Rationalisierung oder Ersatzanschaffungen als Ziele in den Hintergrund. Als weiteren Beweis für die hohe Auslastung der Kapazitäten führte Peter Englisch von der Beratungsagentur Ernst & Young die Rückverlagerung einst ausgelagerter Unternehmensfunktionen an. Während nur noch 3 Prozent der Befragten Arbeiten auslagern wollten, strebten 10 Prozent die Reintegration an. „Sie erhöhen so ihre Flexibilität, minimieren Qualitätsprobleme und senken die Überwachungs- und Kontrollkosten“, sagte Englisch.
Nur die politischen Rahmenbedingungen stören die gute Stimmung
Die gute Stimmung in den Betrieben wird nur durch die als unzureichend wahrgenommenen politischen Rahmenbedingungen gestört. 35 Prozent der Betriebe erwarten eine weitere Verschlechterung im Vorwahljahr, nur 25 Prozent eine Verbesserung. Im Herbst 2007 war der Anteil der Pessimisten nur ein Drittel so groß.