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Bauern blockieren Molkereien In der Milchindustrie droht jetzt Kurzarbeit

02.06.2008 ·  Durch eine Blockade Tausender wütender Bauern sind viele deutsche Molkereien von der Milchversorgung abgeschnitten. „Wir sind gerade dabei, Kurzarbeit zu organisieren“, sagte nun der Chef des Milchindustrie- Verbandes. Und Edeka spricht schon von der Möglichkeit eines verringerten Angebots in den Supermärkten.

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Die Blockade durch Tausende wütende Bauern hat auf immer mehr deutsche Molkereien drastische Auswirkungen. „Wir sind gerade dabei, Kurzarbeit zu organisieren“, sagte der Chef des Milchindustrie-Verbandes (MIV), Eberhard Hetzner, am Montag. Die Gewerkschaften hätten sich bereits gemeldet und diesen Schritt missbilligt.

Nach Angaben des Verbandes werden immer mehr Molkereien von der Versorgung mit Milch abgeschnitten. Besonders hoch ist demnach die Beteiligung der Bauern in Süddeutschland. Ein Gespräch zwischen MIV und Vertretern des Einzelhandels blieb nach Hetzners Angaben am Montag ohne konkrete Ergebnisse. Man habe wissen wollen, wie die Stimmung beim Einzelhandel sei. Dieser sehe keinerlei Versorgungsschwierigkeiten und könne notfalls auch Produkte im Ausland kaufen. Die Molkereien stehen zwischen Erzeugern und Handel und müssen mit beiden über Preise verhandeln. Für den Abend war auch ein direktes Treffen zwischen Bauern und Einzelhandel geplant, wie Hetzner sagte.

Tankwagen mussten umkehren

Die Bauern setzten am Montag ihre Aktionen fort und blockierten viele Molkereien, so dass Tankwagen mit ihrer Fracht umkehren mussten. Der Milchproduzent Nordmilch kritisierte die Aktionen: Seit Montag seien lieferwillige Bauern gezwungen, gigantische Mengen frischer Milch in den Abfluss zu kippen. Nach Angaben des Unternehmens betrifft dies bis zu 12.500 Tonnen am Tag.

Video: Milchbauern machen weiter Druck

Aktionen fanden am Montag in ganz Deutschland statt. Allein in Bayern versammelten sich nach Angaben des Bundesverbandes Deutscher Milchviehhalter vor zwölf Molkereien Bauern, um gegen die Preispolitik zu demonstrieren. „Es herrscht ein bisschen Ausnahmezustand“, sagte Verbandssprecherin Jutta Weiß. Durch die Bank hätten alle Molkereien mehr oder weniger Probleme. Um die Frischmilchversorgung sicherzustellen, seien Käse- und Milchpulverherstellung eingeschränkt worden.

Verringertes Angebot in den Supermärkten möglich

Auch Verbraucher und Einzelhandel bekommen nun erste Folgen zu spüren. Zwar versucht die Milchindustrie nach Angaben des Milchviehhalterverbandes, die deutschen Lieferstopps mit Importen aus europäischen Nachbarländern zu umgehen. Weil dort aber ebenfalls die Bauern streiken, sind einige Milchmärkte in der EU bereits jetzt wie leer gefegt.

„Punktuell kann es sein, dass es wegen der Molkereiblockaden zu einem verringerten Angebot in den Supermärkten kommt“, formuliert vorsichtig ein Sprecher der Lebensmittelkette Edeka. Der Bundesverband Deutscher Milchviehhalter (BDM) sagt dagegen: In ländlichen Regionen werde die Milch nach Berichten von Mitgliedern bereits rationiert. Die Industrie versuche deshalb offenbar, Milch von sehr weit her nach Deutschland zu karren - Gerüchten zufolge aus Ländern wie Polen und der Slowakei. „Es scheint wirklich erste Lücken zu geben“, betont BDM-Sprecherin Jutta Weiß.

Der Milchindustrie-Verband (MIV) betont dagegen, mit Ausnahme Tschechiens werde keine Milch aus Osteuropa importiert, um den deutschen Boykott zu unterlaufen, sagt MIV-Hauptgeschäftsführer Eberhard Hetzner. Aus Westeuropa käme höchstens aus dem französischen Grenzgebiet Milch nach Deutschland. Wegen der Molkereiblockaden der Bauern sei die Milchverarbeitung ohnehin unterbrochen: „Die Fahrzeuge können nicht mehr fahren. In vielen Betrieben bewegt sich nichts mehr“, klagt Hetzner. Wenn es so weiter gehe, werde der Boykott in wenigen Tagen deutlich spürbar.

Huber fordert Milchpreis über 40 Cent

CSU-Chef Erwin Huber hat unterdessen einen Milchpreis von über 40 Cent gefordert. „Die Bauern haben unsere volle Unterstützung, wenn sie sich wehren und angemessene Preise für ihre Milch fordern“, sagte der bayerische Finanzminister am Montag. „Die Marktmacht von Molkereien und Konzernen ist gerade für unsere kleinen und mittleren Betriebe in Bayern ein Problem“, kritisierte der CSU-Chef.

Der Deutsche Bauernverband (DBV) geht davon aus, dass bei Nachverhandlungen höhere Preise für Milch in voller Höhe den erzeugenden Landwirten zugute kommen. Das hätten die Milchverarbeiter am Vortag zugesagt, sagte DBV-Sprecher Michael Lohse am Montag in Berlin. „Und das fordern wir auch ein.“ Das schon angekündigte Spitzengespräch der Bauernverbände mit dem Lebensmitteleinzelhandel solle jetzt an diesem Montagabend in Köln stattfinden, teilte Lohse mit.

Der Bauernverband und der Bundesverband Deutscher Milchviehhalter (BDM) wollen den Hauptverband des Deutschen Einzelhandels (HDE) auffordern, innerhalb kürzester Frist die Preise für Milch und Milchprodukte auf den Stand vor dem 21. April anzuheben. Seit dieser Zeit seien die Preise für die Milch im Schnitt um 18 Prozent gefallen, sagte Lohse. In Einzelfällen sei es zu untragbaren Kürzungen von 41 auf 31 Cent je Liter Milch gekommen. Die Molkereiwirtschaft hat nach einer Absprache in der Nacht zum Montag den Bauernverbänden zugesagt, „innerhalb kürzester Zeit mit den Unternehmen des Lebensmitteleinzelhandels die hierfür notwendigen Vertragsabschlüsse zu tätigen“, heißt es in einer gemeinsamen Erklärung.

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