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Veröffentlicht: 14.11.2016, 07:02 Uhr

Bargeldreform in Indien Bargeld-Teilabschaffung in Indien sorgt für Chaos

Die drastische Bargeldreform in Indien belastet das dortige Wirtschaftsleben. Ministerpräsident Modi will im Kampf gegen die Schattenwirtschaft hart durchgreifen.

von , Townsville
© AP Frische Banknoten werden am Freitag in einer Bankfiliale in der indischen Stadt Gauhati gegen ungültige Scheine getauscht.

Die plötzliche drastische Bargeldreform in Indien belastet zusehends das dortige Wirtschaftsleben. Das Land hatte kurzerhand gut 85 Prozent der umlaufenden Banknoten für ungültig erklärt. Bis zum 10. Dezember können alte Scheine nun – teilweise nur gegen Aufnahme der Personalien – bei Banken in neue Scheine getauscht werden. Auch am dritten Tag nach dieser Reform ohne Vorwarnung bildeten sich lange Schlangen vor den Banken.

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Viele warteten die ganze Nacht hindurch auch vor Geldautomaten. Diese geben derzeit aber weiterhin nur 100-Rupien-Scheine aus, was umgerechnet 1,36 Euro entspricht. Immer mehr Menschen stehen daher ohne Bargeld da – was sich in Indien für die meisten Menschen nicht durch Kredit- oder Kontokarten ersetzen lässt. In Indien steht der Bargeldverkehr für 12 Prozent der Wirtschaftsleistung, im globalen Durchschnitt sind es 4 Prozent.

Finanzminister Arun Jaitley rief die Menschen dazu auf, nicht sofort die Banken zu stürmen und möglichst den elektronischen Zahlungsverkehr zu nutzen: „Wir bedauern sehr, dass wir den Menschen Unannehmlichkeiten bereiten, aber der Austausch der Währung in dieser Größenordnung bereitet einige Probleme“, ließ er wissen. „So ein Austausch kann nicht über Nacht abgeschlossen werden.“ Der Finanzminister musste eingestehen, dass die Umstellung der Geldautomaten zwei Wochen dauern werde. Um die Aktion geheim zu halten, war die Umstellung nicht vorher in Angriff genommen worden.

Opposition bezichtigt Regierung eines „riesigen Betruges“

Vereinzelt kam es in Delhi zu Gewalt in den Schlangen der Wartenden. Der Gemüsemarkt in der Hauptstadt erwog am Sonntag die Schließung, weil nicht ausreichend Bargeld zur Verfügung stand. In der Wirtschaftsmetropole Bombay (Mumbai) verlangten Händler den zehnfachen Preis etwa für Salz, wenn sie die nun veralteten Banknoten akzeptierten. Die politische Opposition nutzt die Debatte, um die Regierung eines „riesigen Betruges“ zu bezichtigen. Verschwörungstheorien greifen um sich. So habe die Regierungspartei selbst eine „riesige Summe Bargelds“ rechtzeitig vor der Reform auf Konten eingezahlt.

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Delhis Verwaltungschef Arvind Kejriwal sagte: „Überall herrscht Chaos.“ Er sprach davon, dass „die Revolution“ begonnen habe. Die Opposition kritisierte, dass Ministerpräsident Narendra Modi nach Japan reise, während die Menschen in seinem Land litten. Der Ministerpräsident drohte in der japanischen Stadt Kobe, die Kontodaten von Menschen, die nun als Betrüger auffielen, bis zur Unabhängigkeit 1947 zurückverfolgen zu lassen. Dafür werde er, wenn nötig, eigene Beamte einstellen. Völlig offen ist weiterhin, wie der Austausch im Ausland geschehen soll – Geldhändler etwa in Singapur nehmen weiterhin keine alten Rupie-Noten zu einem Umtausch an.

 

Inzwischen sind die indischen Banken mit frischen Noten im Wert von 2 Billionen Rupien (27,2 Milliarden Euro) versorgt worden, um den Druck der Unterversorgung der drittgrößten Volkswirtschaft Asiens etwas zu mindern. Menschen warteten Stunden vor den Banken, um ihre seit Mittwoch vergangener Woche ungültigen Noten im Wert von 500 und 1000 Rupien einzutauschen. Allein am Samstag verzeichnete das Finanzministerium bis mittags mehr als 70 Millionen Auszahlungen an Bankautomaten.

Die Regierung hat sich zu dem Einschnitt entschieden, um der Korruption und Schattenwirtschaft den Kampf anzusagen. Die illegale Schattenwirtschaft dürfte rund ein Fünftel der gesamten indischen Wirtschaftsleistung ausmachen. Schätzungen von Analysten aus den Industrieländern zufolge könnten in Indien zwischen 160 Milliarden und 1,6 Billionen Euro an Schwarzgeld im Umlauf sein. Neben dem Eindämmen krimineller Handlungen will die Regierung Indien auch in Richtung einer bargeldlosen Volkswirtschaft umsteuern. Auch am Sonntag warnte das Auswärtige Amt in Berlin weiterhin: „Für die kommenden Tage ist in ganz Indien mit erheblichen Engpässen bei der Bargeldversorgung zu rechnen. Reisende werden gebeten, dies bei ihren Planungen unbedingt zu beachten.“

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