11.02.2009 · Auch einen Tag nach Verkündung des amerikanischen Banken-Rettungspakets blieb unklar, wie die Regierung, die Institute von den faulen Kredite konkret befreien will. Jetzt hagelt es enttäuschte Reaktionen. Von Finanzminister Geithner hatten sich viele mehr erwaretet.
Von Claus Tigges, WashingtonIn Amerika herrschen Verwirrung und Ungewissheit über den Rettungsplan für das Finanzsystem. Börsianer und andere Marktakteure sind verunsichert, nachdem Finanzminister Tim Geithner zwar die wichtigsten Elemente des Vorhabens zur Belebung der Kreditvergabe an Unternehmen und Verbraucher skizziert hat, wichtige Details zur Verwirklichung aber schuldig geblieben ist. Die Enttäuschung hierüber hatte am Dienstag die Kurse an der Wall Street und anderen Börsen auf Talfahrt geschickt. Am Mittwoch lagen der Dow Jones und auch der Deutsche Aktienindex leicht im Plus.
Vor allem zur Schaffung einer öffentlich-privaten Partnerschaft, die Banken faule Kredite und „giftige“ Wertpapiere abkaufen soll, hatten sich Investoren zusätzliche Einzelheiten erhofft. Geithner hat in Aussicht gestellt, dass im Wege einer solchen Zusammenarbeit bis zu einer Billion Dollar eingesetzt werden könnten, um Banken und andere Marktakteure von den faulen Kredite zu befreien. Er fügte aber hinzu: „Wir prüfen eine Reihe von unterschiedlichen Modellen für dieses Programm“.
„Es müssen konkrete Pläne auf den Tisch“
Douglas Dachille vom Vermögensverwalter First Principles Capital Management sagte: „Die Unsicherheit, die die Regierung erzeugt hat, macht es nahezu unmöglich Preise für viele Wertpapiere zu stellen“. David Greenlaw von Morgan Stanley bezweifelt, dass sich die problematischen Wertpapiere aus den Bankbilanzen entfernen lassen. „Womöglich führt das Programm nur dazu, dass die Kluft zwischen starken und schwachen Banken noch größer wird“.
Auch Tullia Bucco von der HVB-Group war enttäuscht: „Geithner hat die hohen Erwartungen selbst geschürt. Es ist bedauerlich, dass er nicht noch etwas länger gewartet hat mit der Ankündigung. Anleger und auch die breite Öffentlichkeit haben ihr Vertrauen in die Funktionsfähigkeit der Finanzmärkte verloren. Unter diesen Umständen reichen Ankündigungen nicht mehr aus, es müssen konkrete Pläne auf den Tisch“.
Auch im Kongress wenig Begeisterung
Kritik kam aber nicht nur aus der Finanzwelt, auch im Kongress stießen Geithners Ausführungen nicht auf große Begeisterung. „Gibt es einen konkreten Plan, und falls ja, wie können wir uns ein Bild machen?“, fragte Senator Richard Shelby den Finanzminister in einer Anhörung. „Wir müssen Klarheit haben, müssen operationelle Details sehen“, forderte der Republikaner. Der demokratische Senator Robert Menendez beklagte sich ebenfalls bei Geithner: „Es gibt nicht viel, auf das wir uns einen Reim machen könnten“.
Unmut herrschte unter den Parlamentariern auch über die Verzögerung zusätzlicher Hilfen für Hausbesitzer, denen die Zwangsversteigerung ihres Heims droht, weil sie ihre Hypotheken nicht mehr bedienen können. Geithner hatte angekündigt, den Plan hierfür in den nächsten ein, zwei Wochen fertig zu schmieden. Verschiedene Optionen werden geprüft, von staatlicher Hilfe zur Verringerung der monatlichen Zahlungen bis zur Schaffung einheitlicher Standards für die Umschuldung von Hypothekendarlehen.
Barney Frank, Vorsitzender des Ausschusses für Finanzdienstleistungen im Repräsentantenhaus, äußerte sich verärgert ob der Verzögerung in einer Zeit, in der täglich 10.000 neue Zwangsversteigerungen von Häusern und Wohnungen eingeleitet werden. Er zeigte sich auch skeptisch, dass die von der Regierung geplante Summe von 50 Milliarden Dollar ausreichen werde. Der Demokrat forderte, die Zusage der Regierung, mehr Geld für dieses Hilfsprogramm einzusetzen, sollte eingehalten werden. Senator Chris Dodd, der Vorsitzende des Bankenausschusses im Senat, machte ebenfalls seinem Unmut Luft, als er Geithner fragte: „Was ist der Rahmen? Was ist der Zweck? Was wollen sie überhaupt erreichen?“
Ungewiss bleibt, wie viel Geld notwendig ist
Der Direktor des nationalen Wirtschaftsrates von Präsident Barack Obama, Larry Summers, nahm Geithner in Schutz: „Wir können Politik nicht nach der Reaktion der Märkte beurteilen. Der Präsident hat deutlich gemacht, dass wir uns in der Wirtschaftspolitik nicht an den täglichen Schwankungen der Märkte ausrichten“.
Ungewiss ist bislang auch, wie viel Geld zur Stabilisierung des Finanzsystems notwendig ist. Geithner sagte, die Regierung plane nicht, über die aus dem im Oktober geschnürten Paket verbleibenden rund 350 Milliarden Dollar hinaus Geld beim Kongress zu beantragen. Einschließlich des geplanten privaten Kapitals und des Geldes, das die Notenbank zur Vergabe von Krediten an Investoren schöpft, werden in Washington Summen von 2 bis 3 Billionen Dollar genannt.
Der hat doch kein moralisches Recht
Josef Bujtor (Mramorak)
- 12.02.2009, 11:54 Uhr
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| FAZ-INDEX | 1.394,15 | +1,26% |
| Dow Jones | 12.580,70 | +1,01% |
| EUR/USD | 1,2465 | −0,19% |
| Rohöl Brent Crude | 106,30 $ | −0,51% |
| Gold | 1.579,50 $ | +0,31% |
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