04.03.2011 · China will seinen Handel künftig in Renminbi (Yuan) abwickeln. Die deutschen Unternehmen haben großes Interesse daran. Dazu bereiten die deutschen Banken nach F.A.Z.-Informationen die Eröffnung von Renminbi-Konten vor.
Von Christian Geinitz und Patrick WelterDeutsche Unternehmen haben zeigen sich sehr aufgeschlossen, ihre Geschäfte mit dem Wachstumsmarkt China künftig in Renminbi (Yuan) abzuwickeln. Dazu bereiten die deutschen Banken nach Informationen der F.A.Z. die Eröffnung von Renminbi-Konten schon in wenigen Monaten vor. „Die deutschen Unternehmen haben riesiges Interesse daran. Ich denke, dass wir im zweiten Quartal so weit sind“, sagt der Vertreter eines deutschen Finanzinstituts. Die Neuerung wird möglich, nachdem die Zentralbank in Peking ihren Im- und Exportunternehmen erlaubt hat, den gesamten Außenhandel schon im laufenden Jahr in Yuan zu fakturieren (China will Handel in Yuan abwickeln).
Damit rückt China seinem Wunsch näher, die Währung international handelbar (konvertibel) zu machen und als weitere Reservewährung neben dem Dollar zu etablieren. Nach Angaben der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich war der Dollar im vergangenen Jahr an rund 85 Prozent aller Devisenmarkttransaktionen beteiligt, das waren 5 Prozentpunkte weniger als noch 2001. Der Yuan kam auf einen Anteil von 0,9 Prozent, der Euro auf 39 Prozent.
„Das Interesse unserer Firmenkunden an Renminbi-Konten ist sehr groß“, bestätigt Angela Koll aus der Strategieabteilung der Commerzbank für internationale Geschäftskunden. „Sie stehen in den Startlöchern und möchten so schnell wie möglich loslegen.“ Auch der Außenhandelsverband BGA begrüßt die Ankündigung aus Peking. „Das gibt unseren Unternehmen mehr Wechselkurssicherheit“, sagt Nadia Salloum von der Außenwirtschaftsabteilung. Vor allem Konzerne mit Niederlassungen in China sowie die Konsumgüterindustrie mit regelmäßigen Lieferungen könnten profitieren.
Mittelständler hoffen auf Kundennähe
Mittelständler versprechen sich von den Vereinfachungen Wettbewerbsvorteile und eine größere Kundennähe. „Wenn man nicht selbst in China produziert oder in Renminbi abrechnet, lässt man sich Chancen entgehen“, sagt Jürgen Seyler, Geschäftsführer von Epis Automation, einem schwäbischen Hersteller von Steuerungen für Textilmaschinen. „Sobald wir ein Renminbi-Konto haben, können wir endlich Festpreisangebote unterbreiten.“ Epis erwirtschaftet 15 Millionen Euro Umsatz. Vor drei Jahren kamen erst 3 Prozent davon aus China, in diesem Jahr will man den Anteil von 15 auf 20 Prozent steigern.
Die chinesische Notenbank begründet die Ausweitung des Renminbi-Handels mit dem starken Bedarf. „Die Marktnachfrage für den grenzüberschreitenden Einsatz des Yuan steigt“, teilte die Bank mit. „Wir erwarten, dass das Geschäft stark wächst.“ Den Zahlen zufolge hat sich das in Yuan abgerechnete Handelsvolumen allein zwischen Juni und September 2010 auf etwa 50 Milliarden Yuan (5,5 Milliarden Euro) verdoppelt.
Noch ist das Volumen unbedeutend. Von allen Devisenmarkttransaktionen entfielen 2010 kaum ein Prozent auf den Renminbi, fast 90 Prozent auf den Dollar. Bisher war diese Art der Abrechnung 67.400 Unternehmen in 20 chinesischen Provinzen gestattet, künftig soll es allen Betrieben mit entsprechenden Lizenzen erlaubt sein. Die Chinesen tragen dann keinerlei Währungsrisiko mehr. Das setzt jedoch voraus, dass der ausländische Geschäftspartner seinerseits ein Renminbi-Konto unterhält.
„Noch keine frei konvertible Währung“
Ein deutsches Unternehmen, das nach China liefert, kann den erhaltenen Yuan-Betrag künftig in China ausgeben, für andere Geschäfte in der Währung nutzen oder auf dem Konto lassen. Dort könnte das Geld von der Aufwertung profitieren. Die Währung lässt sich aber nach wie vor nicht in Deutschland umtauschen. Dafür muss das Geld an eine Bank in China überwiesen werden, die Euro, Dollar oder andere handelbare Devisen zurückschickt.
„Trotz der neuen Regelungen ist der Renminbi noch keine frei konvertible Währung“, stellt Peter Schothöfer klar, der Leiter des internationalen Geschäfts der Commerzbank in Schanghai. „Dennoch sind die Neuerungen ein großer Schritt auf dem Weg zur freien Konvertibilität.“ Im Januar hatte der Vize-Gouverneur der Zentralbank, Yi Gang, angekündigt, China werde den Renminbi in fünf Jahren Schritt für Schritt handelbar machen. Zur gleichen Zeit hatte Chinas Staatschef Hu Jintao die Dollar-Dominanz im Weltwährungssystem als „Produkt der Vergangenheit“ bezeichnet. Allerdings sei der Renminbi noch nicht so weit, diese Stelle einzunehmen.
China versucht seit längerem, den Renminbi marktgängig zu machen. Im Juni kündigte die Notenbank eine „Flexibilisierung“ des Wechselkurses an, der zuvor an den amerikanischen Dollar gekoppelt war. Im Dezember vervielfachten die Behörden die Zahl von Unternehmen, die ihren grenzüberschreitenden Handel in Renminbi fakturieren dürfen, von 370 auf fast 67.400. Sie können die Währung auch für Direktinvestitionen im Ausland nutzen. In einem Pilotprojekt ist es seit Januar Privatpersonen in der Stadt Wenzhou erlaubt, im Ausland bis zu 200 Millionen Yuan (etwa 22 Millionen Euro) zu investieren. Auch soll es bald gestattet sein, im Ausland gehaltene Renminbi für Direktinvestitionen in China zu nutzen.
In den Vereinigten Staaten noch wenig Aufmerksamkeit
Das war zuvor nur einigen lizenzierten Anlegern erlaubt. Chinas Kapital- und Wechselkurskontrollen haben bisher übermäßige Zu- und Abflüsse der Währung verhindert und der Exportindustrie Preisvorteile verschafft. Durch die Dollar-Bindung waren grenzüberschreitende Geschäfte in dieser Devise berechenbar, nicht aber solche in Euro oder in anderen Währungen mit einem eigenen Wechselkurs zum Dollar. Die Kosten für diese Vorteile sind hoch. Um den Wechselkurs stabil zu halten, muss Chinas Zentralbank die aus dem hohen Handelsüberschuss zufließenden Devisen umtauschen. Dadurch flutet sie die Inlandsmärkte mit Yuan, was die Geldentwertung antreibt. Die gleiche Wirkung haben die überteuerten Importe.
In den Vereinigten Staaten hat das jüngste Bemühen Pekings, den Yuan stärker als Handelswährung und als Reservewährung zu fördern, noch keine Aufmerksamkeit gefunden. Volkswirte wie Barry Eichengreen von der Universität Berkeley prognostizieren freilich, dass die globale Herrschaft des Dollar zum Ende komme.
Christian Geinitz Jahrgang 1968, Wirtschaftskorrespondent für China mit Sitz in Peking.
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